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11.01.13

Checkliste: So wird fast jeder Ort auf der Welt zum virtuellen Büro

Der Gedanke, einige Monate von einem anderen Ort auf diesem Planeten zu arbeiten, fasziniert viele. Damit ein solches Vorhaben zum Erfolg wird, sollten einige Vorkehrungen getroffen und Aspekte beachtet werden.

Da ich mehrmals mein virtuelles Büro in fremden Ländern aufgeschlagen und eine große Begeisterung für das digitale Nomadentum entwickelt habe, werde ich gelegentlich um Tipps und Ratschläge von Menschen gebeten, die Ähnliches planen. Obwohl der Großteil der Berufe und Tätigkeiten zumindest eine gelegentliche physische Präsenz am "Heimatort" erfordert, dürfte die Zahl derjenigen Personen, die sich zumindest für einige Wochen oder Monate von solchen Verpflichtungen befreien und damit zeitweise von einem anderen Punkt dieses Planeten arbeiten können, im Angesichte sich verändernder Arbeitsverhältnisse und -formen weiter zunehmen. Wer mit dem Gedanken spielt, temporär auf eine exotische Insel, in die Berge oder in eine urbane Großstadt weit weg von zu Hause zu ziehen, um von dort dem Job nachzugehen, und die entsprechende Flexibilität besitzt, dem kann ich nur raten, nicht zu zögern. Die notwendigen Vorbereitungen sind auch gar nicht so kompliziert.

In diesem Artikel führe ich einige Aspekte und To-Dos auf, die vor dem Beginn des digitalen Nomadenlebens beachtet und erledigt werden sollten, damit ein solches Vorhaben ein voller Erfolg wird. Ich fokussiere mich dabei nur auf weitgehend universelle Punkte, die das Reiseziel betreffen, nicht auf administrative und organisatorische Erledigungen in der Heimat, da diese zu stark von individuellen Lebensumständen abhängen. 1. Auswahl des Ziellandes

Welches Land man als temporäre Heimat auswählt, hängt natürlich sehr von persönlichen Präferenzen ab. Generell empfehle ich für digitale Nomaden Regionen mit hinreichend guter Infrastruktur und einer flächendeckenden Verfügbarkeit von mobilem Internet (EDGE oder 3G). Auch eine politische Stabilität ist empfehlenswert, denn anders als Rucksackturisten, die sich an unvorhergesehene Ereignisse und Planänderungen anpassen können, ist man als Berufstätiger stärker auf einen reibungslosen Ablauf der alltäglichen Prozesse angewiesen. Längere Ausfälle von Strom und Internet, nächtliche Ausgangssperren oder regelmäßig ausartende Demonstrationen vor der eigenen Haustür werden da schnell zum Problem. Ein wichtiges Kriterium stellt auch das Preisniveau für Unterkunft, Lebensmittel und Transport dar - speziell dann, wenn die Arbeitszeit im Vergleich zum heimischen Büro reduziert werden soll, was mitunter geringere Einnahmen mit sich führt.

2. Visum-Bestimmungen prüfen

Für Reisende aus der EU und der Schweiz bieten die meisten für ein solches Projekt geeigneten Länder sehr praktische Visum-Regelungen. Hat man sich für ein Land entschieden, sollte man in jedem Fall im Web recherchieren, ob man bei der Ankunft am Flughafen ein Touristenvisum erhält, oder ob man im Vorfeld bei der Botschaft ein Visum beantragen muss, was umständlicher ist. Ein bei der Einreise ausgestelltes Touristenvisum gilt mal 30 Tage wie in Thailand oder 90 Tage wie in Japan. Oft reicht es nach Ablauf der Zeit aus, für einige Stunden oder Tage auszureisen, um danach wieder erneut einreisen zu können - wobei dies von Land zu Land variieren kann, insofern sollte man sich hierzu vorab im Netz informieren. Es gibt immer Expat-Foren, in denen solche Fragen diskutiert und beantwortet werden. Inwieweit ein Touristenvisum genügt, hängt ein wenig von der Art der Tätigkeit ab. Wer ein Buch schreibt, als Freelancer mit existierenden Aufträgen arbeitet oder andere Aufgaben aus der Heimat erledigt, der sollte trotz Touristenstatus keine Probleme mit den Behörden bekommen, zumal diese ohnehin nicht danach fragen. Auch Selbstständige haben ein Recht auf Tourismus, selbst wenn sie parallel über das Internet ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Will man dagegen lokal Aufträge durchführen, etwa als Entwickler für Firmen vor Ort programmieren, dann empfiehlt es sich sehr, doch bei der Botschaft eine andere Art von Visum zu beantragen. Für den typischen digitalen Nomaden, der maximal einige Monate im Ausland bleibt, sollte dies jedoch nicht erforderlich sein. Es bleibt abzuwarten, ob in Zukunft eine neue Visumsform für digitale Nomaden geschaffen wird.

3. Unterkunft suchen

Dieser Punkt ist offensichtlich, weshalb ich ihn kurz fasse: Wer produktiv und ohne stetige Unterbrechungen arbeiten möchte, sollte meines Erachtens nach eine dauerhafte Unterkunft im Vorfeld suchen. Mit ein wenig Webrecherche findet man die besten Portale und Quellen dafür, und ansonsten gibt es für die großen Metropolen der Welt immer Airbnb, 9flats und Wimdu.

4. Gepäck minimieren

Das digitale Nomadentum ist eng verknüpft mit dem Kult des Minimalismus. Je weniger Dinge man mit sich herumschleppen muss, desto flexibler und spontaner ist man bei Ortswechseln - speziell dann, wenn doch einmal ein unerwartetes Ereignis die Pläne durchkreuzt, womit man immer rechnen sollte. Aus diesem Grund empfehle ich maximal einen großen Koffer (20 Kilo) pro Person zusätzlich zum Handgepäck, selbst wenn man drei oder sechs Monate unterwegs ist. Auch bietet es sich an, schwere Gegenstände zu Hause zu lassen, etwa Bücher. Besser ist, ein leichtes Notebook und ein Tablet oder einen E-Reader zum Lesen einzupacken.

5. Technische Ausrüstung zusammenstellen

Neben Notebook, Mobiltelefon ohne SIM-Lock und eventuell Tablet/E-Reader empfehle ich die Mitnahme mindestens eines externen Akkus, um das Smartphone mit Saft zu versorgen, wenn gerade keine Stromquelle in der Nähe ist, sowie einen mobilen WIFI-Router, der aus einer mobilen Datenverbindung ein WLAN-Signal zaubert. In beiden Bereichen gibt es zahlreiche Produkte. Spätestens bei der Ankunft am Flughafen sollten, sofern im Land erforderlich, auch Adapter für Steckdosen erworben werden. Besser wäre es, dies schon vor der Reise zu erledigen, wobei immer die Gefahr besteht, dass der eindeutig für ein Land ausgewiesene Reiseadapter dann dort doch nicht funktioniert (so erging es mir gerade in Japan). Sinnvoll ist auch, bei einem der zahlreichen VPN-Provider einen Account zu kaufen, um in öffentlichen WLANs den Datenverkehr verschlüsseln zu können. Für alle, die viel mit Multimedia arbeiten, hat Richard Gutjahr gerade Einblick in sein Blogger-Handtäschchen gegeben.

6. Mobiles Internet organisieren

Da man nie weiß, ob man in der Unterkunft einen zuverlässigen Netzzugang besitzt, und ohnehin womöglich lieber vom Strand aus arbeiten will, halte ich mobiles Internet für unverzichtbar und empfehle unbedingt, dazu vor der Reise Erkundigungen einzuholen, welche Anbieter und Alternativen es gibt. Dies variiert sehr stark von Land zu Land. In Schweden oder Thailand kann man sich probemlos am Flughafen eine Prepaid-SIM inklusive lokaler Telefonnummer kaufen, in Japan hingegen ist eine vorab bestellte, an den Flughafen gelieferte Daten-SIM ohne Nummer die einzige empfehlenswerte Option für Besucher mit Touristenstatus. Schon um nach der Ankunft sofort eine Karten-App verwenden zu können, rate ich davon ab, anzureisen, ohne eine Strategie für den SIM-Erwerb zu besitzen.

7. Kreditkarten mitnehmen

Immer wieder sehe ich Schlangen an den Umtauschstellen an Flughäfen und frage mich, wieso es sich die Leute so schwer machen. Nach meiner Erfahrung sollte eine Debit- und eine Kreditkarte mitgenommen werden, die dann zum Abheben von Bargeld sowie - je nach Akzeptanz im jeweiligen Land - bargeldlosen Bezahlen genutzt werden. Ich habe immer mindestens zwei Karten dabei, wobei eine als "Backup" dient und nicht im Portemonnaie getragen wird. Es gibt nur wenige Länder, in denen etwa mit Visa und Mastercard kein Bargeld abgehoben werden kann (ausgerechnet in Japan funktioniert dies nur an ausgewählten Geldautomaten, in Thailand an den meisten). Klar, das ist mit Gebühren verbunden, doch zum einen ist das Umtauschen auch nicht kostenfrei, und zum anderen sind die paar Euro mehr ganz einfach der Preis, den man für das digitale Nomadentum zahlt. Entscheidet man sich für ein preiswertes Land, kann man an anderer Stelle sparen.

8. Vorab Kontakte knüpfen

Besonders wenn man alleine reist, ist es angenehm, am Zielort schon ein paar Kontakte zu haben. Wer gut im Social Web vernetzt ist - was für viele Leserinnen und Leser von netzwertig.com gelten dürfte - der kann von Empfehlungen und Intros durch Onlinebekannte profitieren. Auch bietet es sich an, einigen interessanten Nutzern aus passenden Themenfeldern bei Twitter zu folgen, oder in einschlägigen Expat-Foren Präsenz zu zeigen - sofern man nicht das Ziel hat, ausschließlich mit der Lokalbevölkerung zu verkehren, was natürlich auch sehr reizvoll und den Horizont erweiternd sein kann, aber von der Sprachsituation und der eigenen Sozialkompetenz abhängt.

9. Apps besorgen

Stadtführer, Reisewörterbucher, Währungsumrechner - all das gibt es in großer Zahl als Apps, die man schon vor der Reise herunterladen und in einem speziellen Ordner auf dem Smartphone sammeln kann.

10. Reiseversicherung

Langweilig, aber notwendig: Ein Versicherungsschutz für Arztbesuche im Ausland, der die gesamte Aufenthaltsdauer Gültigkeit hat. Ob eine zusätzliche Versicherung erforderlich ist, hängt von dem Reiseland (EU oder außerhalb EU) sowie von den Konditionen der heimischen Krankenversicherung ab. Erkundigen!

Fragen oder Ergänzungen in den Kommentaren sind willkommen!

(Foto: Flickr/Giorgio Montersino, CC BY-SA 2.0)

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