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05.06.13

Chatdienst Hangouts: Googles Chance, endlich mit "Social" erfolgreich zu werden

Im Mai vereinheitlichte Google seine Kommunikationsdienste unter dem Markendach "Hangouts". Trotz eines verhaltenen Starts eröffnet sich für den Interntkonzern hier dank der Dominanz von Android eine große Gelegenheit, endlich mit "Social" zu punkten.

Mitte Mai veröffentliche Google mit Hangouts eine neue App für iPhone und Android und diverse Google-Dienste, die das Unternehmen im Kampf um die Aufmerksamkeit der Nutzer auf eine Ebene mit WhatsApp, Facebook Messenger und anderen, primär mobil genutzten Chatanwendungen bringen soll. Zuvor bot der Internetkonzern eine Reihe unterschiedlicher Kommunikationstools, die nicht gut oder gar nicht miteinander harmonierten und der positiven Außenwahrnehmung im Wege standen. Wer sich nicht genau mit dem Google-Universum auseinandersetzte, für den schien es, als hätte das Unternehmen schlicht keine Antwort auf die immer populärer werdenden Messenger-Apps.

Mit Hangouts, das erfreulicherweise doch nicht Babble heißt, ändert sich dies. Google hat nun einen plattformübergreifenden Service en par mit dem Wettbewerb und bietet selbst iOS-Anwendern eine kompakte Lösung, um mit ihren Google-Kontakten Nachrichten auszutauschen - egal ob diese das Smartphone verwenden, sich in der Desktop-Version von Google+ aufhalten oder bei Gmail Mails schreiben. Nur wer bisher von der XMPP-Unterstützung im Hangouts-Vorgänger Google Talk Gebrauch machte, um mit Nutzern anderer offener Chatdienste zu kommunizieren, guckt nun in die Röhre. Gut drei Wochen nach dem Debüt von Hangouts stellt sich die Frage, wie sich der Messenger bisher entwickelt - und insbesondere, inwieweit er auch bei Besitzern von iPhones und iPads auf Gegenliebe stößt. Denn für Android-Nutzer werden Hangouts beziehungsweise die noch nicht komplett ausrangierten Apps Google Talk und Google+ Messenger ohnehin standardmäßig vorinstalliert, weshalb Downloadstatistiken zu den Apps wenig Aussagekraft besitzen.

Verhaltene Resonanz bei iOS-Nutzern

AppAnnie liefert einen guten Überblick über die Popularität von Hangouts bei iOS-Usern. Eindeutig zeigt sich: Nach einem guten Einstieg geht es für die App in allen wichtigen Ländern bergab. Weder in Deutschland noch in Österreich oder der Schweiz konnte sich die Anwendung innerhalb der Top 100 festsetzen. Gleiches gilt für den Schlüsselmarkt USA. Blickt man auf die Kategorie Social Networks, platziert sich Hangouts in Deutschland auf dem 17. Platz der Free-Apps, hinter sämtlichen wichtigen Kontrahenten (Skype, Facebook Messenger, Viber, Facebook, Kik). In der Schweiz steht Hangouts auf Rang 21, in Österreich auf Rang 16. Auch in den USA kommt die App nicht über den 16. Rang hinaus. Die historische Entwicklung der Rankings liefert ein klares Bild: Sowohl in der Kategorie Social Networks als auch im Gesamtranking verliert Hangouts in den meisten wichtigen Märkten an Boden.

AppAnnie

Hangouts ist es nicht gelungen, sich von Anfang an und dauerhaft unter die Gruppe der führenden iOS-Messaging-Apps zu gesellen. Eine Überraschung ist das freilich nicht: Der Markt ist weitgehend gesättigt, allein in Deutschland verwenden 13,7 Millionen Menschen den sogar kostenpflichtigen Platzhirsch WhatsApp. Der Service ist bei iPhone-Nutzern hierzulande die zweitbeliebteste App überhaupt. Vielen Menschen fehlt damit schlicht ein Grund, sich neben WhatsApp - und Facebook, Skype und eventuell Viber - noch über einen weiteren Service zu vernetzen, speziell wenn dieser im Prinzip identische Funktionen mitbringt.

Hangouts ist das massentauglichere Google+

Für Google stellt dies jedoch kein Drama dar. Für das Unternehmen ist die Zeit der beste Freund. Je mehr davon vergeht, desto stärker dominiert Android das mobile Segment, und eine desto geringere Rolle werden die iOS-Marktanteile spielen. Gleichzeitig besitzt Google einen Vorteil gegenüber dem Wettbwerb. WhatsApp & Co können nicht einfach vorinstalliert ins Blickfeld der User geschoben werden. Facebook versucht dies zwar mit Home, aber bisher mit wenig Erfolg .

Für Android-Nutzer sind die Einstiegsbarrieren für Chats über die Hangouts-App deutlich geringer, als sich mit dem komplexeren Social Network Google+ anzufreunden. Mittelfristig halte ich es sogar für möglich, dass Hangouts - eventuell um einen simplen Stream ergänzt und zunehmend mit der SMS-Funktion von Android verschmelzend - Google+ vollständig in den Hintergrund drängen könnte. Durchschnittsnutzer wissen schlicht nicht, was sie mit Google+ anfangen sollen. Auch zwei Jahre nach dem Launch. Bei Hangouts verstehen sie die Funktionsweise in zwei Sekunden.

Insofern glaube ich, dass der Hangouts Messengerservice für Google trotz des eher verhaltenen Starts eine wichtige Rolle spielen wird. Hangouts ist Googles Antwort auf iMessage, nur mit dem Unterschied, dass es auch auf der wichtigsten konkurrierenden Plattform funktioniert. Google bietet sich damit erstmals eine realistische Chance, erfolgreich im Social-Segment Fuß zu fassen.  /mw

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