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19.04.11

Cardcloud: Die Tage der Visitenkarte sind gezählt

Der holländische Dienst Cardcloud will es Personen ermöglichen, ihre Papier-Visitenkarten zu Hause zu lassen. Der dafür gewählte Weg wirkt äußerst simpel - und könnte genau deshalb Anhänger finden.

 

Das Visitenkarten aus Papier die nächsten Jahre nicht überstehen werden, darüber dürfte einigermaßen Konsens herrschen [Update: Einige Leser zweifeln diesen Konsens an, siehe Kommentardiskussion]. Wie aber danach die bevorzugte Art der Übermittlung von Kontaktdaten aussieht, ist noch offen.

Je nach Kontext, Branche und Situation bieten sich für diesen Zweck natürlich Social Networks wie Facebook, Xing oder LinkedIn an. Dies setzt jedoch stets voraus, dass der/die Gegenüber beim gleichen Dienst angemeldet ist, zudem bevorzugen manche es, mit dieser Art der "intimeren" Vernetzung zu warten.Alternativen könnten auch Hashable oder Bump sein. Erstgenannter Service eignet sich in seiner aktuellen Form jedoch eher nur für hartgesottene Social-Web-Enthusiasten, wogegen Bump wiederum nur dann sinnvoll ist, wenn es auf nahezu allen Smartphones installiert ist.

Cardcloud nennt sich ein neuer Dienst aus den Niederlanden (der zuvor unter dem eigenartigen Namen "MyNameIsE" in abgewandelter Form betrieben wurde), der anstrebt, die Visitenkarte ins Digitale zu übertragen. Die Lösung, die sich Gründer und CEO Renato Valdés Olmos sowie seine fünf Team-Mitglieder dafür ausgedacht haben, wirkt im ersten Moment fast schon zu banal:

User registrierten sich auf der Cardcloud-Website, über die iPhone-App oder die mobile Website m.cardcloud.com und erstellen eine Online-Visitenkarte, die vom Äußeren einer Papierversion nachempfunden ist. Treffen sie nun unterwegs auf Personen, denen sie ihre Kontaktangaben zukommen lassen möchten, fragen sie nach deren E-Mail-Adresse und versenden aus der iPhone-App oder über die mobile Site ihre digitale Karte. Sind beide Cardcloud-User, können sie ihre Kontaktdaten mit einem Klick auch drahtlos übermitteln.

Per Cardcloud verschickte Visitenkarte

Ich sehe die kritischen Kommentare mancher schon vor mir: "Braucht man dafür tatsächlich einen eigenen Dienst?". "Feature oder Bug?". "Da kann ich ja auch einfach eine E-Mail-Vorlage anlegen und verschicken."

Doch zum einen sollte man bedenken, dass auch die traditionelle Visitenkarte nicht gerade eine Höchstleistung an Erfindungsreichtum darstellt. Theoretisch würde es reichen, wenn sich jeder einfach seine Kontaktdaten mehrmals in ein Word-Dokument kopiert, ausdruckt und ausschneidet. Der Komfort- und Ästhetikgewinn ist eher marginal, erst recht wenn man bedenkt, wie viele Visitenkarten für immer in Schubladen oder Mülleimern verschwinden. Und dennoch schien es eine Nachfrage nach genormten Kärtchen zu geben.

Zum anderen verknüpft Cardcloud die eigene Online-Visitenkarte mit einigen durchaus sinnvollen Zusatzfeatures: So kann im persönlichen Mitgliederbereich eine öffentliche Karte angelegt werden, die unter der Domain cardcloud.com/deinname (bzw. eee.am/deinname) für jeden erreichbar ist. Hier findet ihr meine . User können verschiedene Karten anlegen und festlegen, welche als öffentliche Variante fungieren soll. Karten lassen sich mit Links zu Profilen bei über 50 Webservices schmücken.

Zudem verfügt Cardcloud selbst über ein eingebautes Adressbuch, tangiert also vom Funktionsumfang ein wenig das, was auch die eingangs erwähnten Geschäftsnetzwerke machen. Über meine gerade verlinkte Profilseite könnt ihr euch nach einer Registrierung bei Cardcloud mit mir vernetzen. Alle über den Service bestätigten Kontakte lassen sich in einer vcf-Datei exportieren.

Wer eine über Cardcloud verschickte Visitenkarte per Mail erhält, muss selbst entscheiden, wo und wie er/sie ablegen möchte. Dank des Betreffs "Vorname Nachname's card" lässt sie sich relativ leicht auch in einem chaotischen E-Mail-Konto wiederfinden. Mittelfristig hoffen die Niederländer aber natürlich, dass sich Empfänger von E-Mail-Karten selbst bei Cardcloud anmelden.

Trotz seiner relativ geringen Tiefe denke ich, dass der Service durchaus Anhänger finden könnte - besonders, weil er von Versendern von Kontakten nichts weiter als das Abschicken einer Mail vom Smartphone aus erfordert. Die Einstiegshürde ist damit sehr gering (auch wenn eine Option, um sich über bestehende Identitätsanbieter zu registrieren, wünschenswert wäre). Über alles weitere entscheiden Netzwerkeffekte und die Fähigkeit des Cardcloud-Teams, die Aufmerksamkeit von Multiplikatoren und Über-Netzwerkern zu erhaschen.

Link: Cardcloud

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