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21.01.13

Burda und Axel Springer propagieren die Nähe zum Netz: Dann stoppt das Leistungsschutzrecht!

Mit der DLD-Konferenz propagiert Hubert Burda Media Nähe zur Netzwelt und ein Faible für digitale Innovation. Der Springer-Verlag will mit seiner Eventreihe hy! Berlin Startups fördern. Parallel kämpfen die zwei Medienhäuser für das internet- und forschrittsfeindliche Leistungsschutzrecht.

Zwar ist es seit kurz vor Weihnachten in der Debatte um das Leistungsschutzrecht (LSR) etwas ruhiger geworden. Das hat jedoch nichts mit veränderten Positionen oder einer Abkehr der Bundesregierung von ihrem Gesetzesvorhaben zu tun, sondern einzig mit den Feiertagen und der Urlaubszeit. Spätestens Ende Januar wird das Thema bei Blogs, Netzaktivisten und den Verlagslobbyisten wieder ganz oben auf der Agenda stehen - dann findet nämlich die einzige Anhörung im Bundestag statt, bevor, wie netzpolitik.org vermutet, schon im Februar die Abstimmung erfolgen könnte.

Während also der große Showdown näher kommt und sich die zwei größten Befürworter des Gesetzes auf Verlagsseite, Axel Springer und Burda, gerade auf die finale Phase im Kampf um ihr seit Jahren gefordertes LSR vorbereiten, finden dieser Tage zwei aufmerksamkeitsstarke Veranstaltungen statt, die genau das hervorheben und fördern sollen, was mit dem LSR behindert und zerstört wird: Startup-Innovationen: Am Wochenende ging in Berlin das erste Gründer-Event hy! Berlin über die Bühne, und von Sonntag bis Dienstag trifft sich in München die deutsche und internationale Web- und Digitalprominenz zur DLD Conference.

Was ins Auge fällt: Beide Veranstaltungen werden genau von den Unternehmen durchgeführt beziehungsweise unterstützt, die mit dem Leistungsschutzrecht einen erheblichen Beitrag dafür leisten wollen, dass Innovation im deutschen Netz künftig nur unter schweren Bedingungen erfolgen kann. Zum einen direkt, weil bestimmte Konzepte rund um die Aggregation und Bewertung von Medieninhalten teuer und damit unmöglich werden, und zum anderen indirekt durch die Rechtsunsicherheit, die für alle aktiven, Inhalte publizierenden Netzteilnehmer durch das Gesetz geschaffen wird.

Die mit einer Vielzahl angesehener Gäste aus aller Welt gespickte DLD-Konferenz wird seit 2005 von Hubert Burda Media durchgeführt und steht unter der Schirmherrschaft von Dr. Hubert Burda. Der Mann, der sich in seiner Rolle als Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger zusammen mit Helmut Heinen, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, in einem beim Burda-Nachrichtenportal Focus Online veröffentlichten offenen Brief mehr als deutlich und mit einer zweifelhaften Argumentationslinie für das LSR ausgesprochen hat .

Die neue Eventreihe hy! Berlin, die von den Unternehmern Aydogan Ali Schosswald und Hans Raffauf iniitiert wurde, entstand im Rahmen des Media Entrepreneurs Day 2012 der Axel Springer AG und soll laut Pressemeldung zu einer internationalen Netzwerk- und Konferenzreihe ausgebaut werden. Die Axel Springer AG ist mit 49 Prozent an der Veranstalterin hyvent GmbH beteiligt. hy! Berlin soll sich für Axel Springer augenscheinlich zu dem Publikumsmagnet und PR-Instrument entwickeln, das die DLD für Burda seit Jahren ist.

Ich finde es wichtig, zwischen den eigentlichen Events und den strategischen Zielen und Motiven ihrer verlagsgeführten Unterstützer zu unterscheiden. Dass es hierzulande derartige Branchentreffpunkte und Gelegenheiten für Startups und angehende Gründer gibt, auf sich aufmerksam zu machen und wichtige Kontakte zu knüpfen, kann man nur begrüßen. Und da sowohl die Axel Springer AG als auch Hubert Burda Media mittlerweile einen nennenswerten Teil ihrer Umsätze mit Onlinediensten erwirtschaften, ist ihr Bestreben, Kontakt zu Innovatoren, Multiplikatoren und Schlüsselpersonen der Branche zu halten, nachvollziehbar.

Trotzdem wirkt die Konstellation überaus befremdlich: Auf der einen Seite präsentieren sich die zwei Medienhäuser als große Freunde von Startups und lassen speziell im Falle der DLD Internetmacher, Vordenker und hochkarätige Journalisten aus der ganzen Welt nach Deutschland jetten. Auf der anderen Seite kämpfen sie verbissen und ohne irgendwelche Zeichen von Einsicht für ein internet- und innovationsfeindliches Gesetz, das von allen Experten geschlossen als problematisch und nicht erstrebenswert eingestuft wird. Ich behaupte ausgehend von der Einhelligkeit, mit der die "Netzgemeinde" das LSR ablehnt, dass der Großteil der Besucher dieser zwei Veranstaltungen innig darauf hofft, dass das LSR in der Bundestagsabstimmung scheitert. Ob sie sich alle darüber im Klaren sind, wofür die Schirmherren gerade kämpfen?

Was wäre die logische Konsequenz? Sollten Burda und Springer ihre Veranstaltungsreihen eindampfen oder in andere Hände geben? Das wäre sicherlich dumm und würde niemandem weiterhelfen. Sollten sie ihre dieser Tage propagierte Nähe zum Web und zu digitalen Innovationen konsequent auch dann fortsetzen, wenn die Scheinwerfer wieder ausgeschaltet und alle Konferenzbesucher auf dem Nachhauseweg sind? Meines Erachtens nach ist dies die einzige Option, um als glaubwürdiger Veranstalter von Events rund um junge Internetfirmen auftreten zu können.

Burda und Springer sollten sich vom Leistungsschutzrecht verabschieden und der Bundesregierung signalisieren, dass das Gesetz nicht mehr erwünscht ist. Immerhin vermitteln die zwei Medienhäuser dieser Tage den Eindruck, als hätten sie ein ernsthaftes Interesse an einem nicht kaputt regulierten Internet als fruchbare Grundlage für Firmen, Ideen und Konzepte der Zukunft.

(Foto: Flickr/nrkbeta, CC BY-SA 2.0)

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