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21.03.11

BroadFeed: Ein echter Herausforderer für Flipboard

Als Flipboard im Juli 2010 seinen Social-News-Reader für das iPad veröffentlichte, trat es eine Welle teils beliebig austauschbar wirkender Nachahmer los. Die neue App BroadFeed hebt sich angenehm von diesen ab.

Als im Juli vergangenen Jahres die iPad-Applikation Flipboard veröffentlicht wurde, war damit nicht nur eine neue Lieblingsanwendung zahlreicher Tablet-Besitzer entstanden, sondern auch die Grundlage für eine völlig neue Art von Nachrichten-App gelegt: Die quellenübergreifende, stetig aktualisierte "Onlinezeitung" speziell für Tablets-PCs.

Auf Flipboard folgten ähnlich ausgelegte Applikationen wie Pulse, FLUD, NewsMix und zuletzt Zite. Zwar gibt es zwischen den einzelnen Services durchaus Unterschiede, das Grundprinzip ist jedoch stets das Gleiche: Nutzer importieren Onlineinhalte aus verschiedenen Quellen - zumeist RSS-Feeds, vordefinierte Contentangebote und Social-Web-Streams - die anschließend in einem modernen, sich die Stärken des Apple-Tablets zu Nutze machenden Layout dargestellt werden.

War Flipboard eine echte Neuheit und zudem in seiner funktionellen und ästhetischen Umsetzung ein Meilenstein, wirkten die meisten darauf folgenden Apps eher wie experimentelle Modifikationen des Flipboard-Prinzips, ohne überzeugende Argumente zu liefern, warum man auf sie statt auf Flipboard setzen sollte.

Zwar nutze ich Flipboard nicht täglich, aber in den Augenblicken, in denen mein RSS-Reader nichts mehr hergibt, werfe ich gerne einen Blick auf die attraktive iPad-Anwendung, um so einen Überblick über die von den von mir bei Twitter gefolgten Usern empfohlenen Artikel zu erhalten. Für mein Empfinden konnte bisher kein Konkurrent dem vielversprechenden Dienst aus dem kalifornischen Palo Alto gefährlich werden.

Doch mit der neuen iPad-Anwendung BroadFeed gelang es einer Newsapp erstmals seit der Veröffentlichung von Flipboard, nicht nur meine kurze Aufmerksamkeit sondern auch meine Sympathien zu erhalten.

Ähnlich wie Flipboard und andere der genannten Anbieter wirft BroadFeed eine Auge auf die publizierten Links der von mir abonnierten Twitter-Nutzer und stellt diese auf optisch ansprechende Weise zusammen (Facebook oder RSS-Feeds werden nicht unterstützt, dafür aber Twitter-Listen - mehr dazu weiter unten im Text).

[photos title="BroadFeed in Aktion"]

Was mir bei BroadFeed sehr zusagt: Anders als Flipboard präsentiert es Beiträge nicht in chronologischer Reihenfolge, sondern gewichtet diese abhängig von der Anzahl der Reaktionen bei Twitter (die genauen Kriterien sind mir nicht klar, aber es scheint, als spielen sowohl Retweets der eigenen Twitter-Kontakte als auch Reaktionen aller Twitter-Nutzer eine Rolle). Diese platziert es dann mit kurzen Anreissern in einer scrollbaren Rasterform, wobei die am häufigsten empfohlenen Beiträge ganz oben erscheinen. BroadFeed erinnert damit ein wenig an das nicht mehr existente Rivva Social.

Dank der gewählten Darstellungsform eignet sich BroadFeed deutlich besser als Flipboard für den schnellen Überblick, da mehr Beiträge im sofort sichtbaren Bereich platziert werden. Zudem erspart man sich das bei Flipboard notwendige "umblättern" per Fingergeste.

Ordnungsliebhaber werden es gerne hören, dass sich einzelne Artikel (oder alle Texte auf einen Schlag) als gelesen markieren lassen. BroadFeed erlaubt es auch, den Zeitraum der Link-Empfehlungen zu verändern: So können sich Nutzer Beiträge anzeigen lassen, die innerhalb der letzten sechs, zwölf oder 24 Stunden bzw. innerhalb der vergangenen drei, sieben oder 14 Tage besonders populär waren. Während ich die so generierte Auswahl an Inhalten nicht immer ganz mit dem gewählten Zeithorizont in Verbindung bringen konnte, stellt dies dennoch eine nette Art dar, zwischen kurzzeitig populären Beiträgen und echten Dauerbrennern zu wechseln.

Die in ein futuristisch anmutendes, schwarz-weiß-blaues Design gekleidete und durch einige nicht sofort offensichtliche Fingergesten bedienbare App beherrscht ansonsten allerlei gängige Funktionen, die man sich von einer News-App für das iPad erwarten würde: Inhalte können bei Twitter, Facebook und E-Mail weitergeleitet oder in einem eigenen Bereich zum späteren Lesern gebookmarkt werden. Zu jedem Text zeigt BroadFeed an, welche Twitter-Kontakte diesen empfohlen haben.

Auch für eigene Twitter-Listen kann eine personalisierte, nach unterschiedlichen Zeithorizonten gefilterte Nachrichtenübersicht generiert werden. Usern, die Twitter nicht verwenden, erlaubt BroadFeed über das "List Directory" den Zugriff auf ausgewählte, nach Ressorts unterteilte Twitter-Listen. Zudem präsentiert BroadFeed die jeweils zehn populärsten Beiträge der vergangenen sieben Tage.

Abgesehen von der Tatsache, dass sich weder RSS-Feeds noch Facebook-Streams importieren lassen (was ich jedoch nicht als Nachteil empfinde), schwächelt BroadFeed im Vergleich zu Flipboard in primär einem Punkt: Die Darstellung der Inhalte. Flipboard lädt die jeweilige Seite einer Quelle stetig im Hintergrund und zeigt zudem mehrere Absätze eines Artikels direkt an, bevor man mit einer Fingergeste zum Originalbeitrag wechselt. BroadFeed hingegen lädt die Originalquelle erst, nachdem ein Nutzer auf die jeweilige Überschrift (die lediglich die ersten Worte des Textes anteasert) geklickt hat, was zu einer mehrsekündigen Wartezeit führt, bevor die Seite vom eingebetteten Browser geöffnet wurde. Das klingt wenig, nervt aber, wenn man weiß, wie genial dies bei Flipboard (oder auch bei Zite) gelöst wurde.

Als Versuch einer "Entschädigung" erlaubt BroadFeed es Anwendern, eine "bereinigte" Version von Texten anzeigen zu lassen, bei der sämtliche Designelemente und Werbebanner einer Website ausgeblendet werden.

Fazit

Die aus Sicht verwöhnter Nutzer unbequeme Lösung, um einzelne Artikel zu öffnen, könnte für manche ein Ko-Kriterium darstellen. Am Ende entscheiden die eigenen Prioritäten: Wer (wie ich) an einem umfangreichen und gut strukturierten Überblick über die innerhalb verschiedener Zeiträume populärsten Links bei den Twitter-Kontakten interessiert ist, für den dürfte BroadFeed die erste Wahl sein. Will man dagegen auf Gewichtung und Struktur verzichten, legt aber Wert auf höchsten Nutzungskomfort und ein Magazin-Gefühl, führt kein Weg an Flipboard vorbei.

Während Flipboard gratis angeboten wird, werden für den Kauf von BroadFeed 79 Cent fällig. Momentan spendet das BroadFeed-Entwicklerstudio Organic aber alle Einnahmen für wohltätige Zwecke (u.a. an das US-amerikanische Rote Kreuz).

Link: BroadFeed

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