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10.10.11

BringWasMit.de: Der "VPN-Dienst" für physische Produkte

BringWasMit.de aus Wismar will Menschen mit Interesse an ausländischen Produkten mit Reisenden vernetzen, die diese mitbringen können.

 

Die meisten von euch haben dies sicher schon einmal erlebt: Ein bestimmtes, begehrtes Produkt ist nur in einem fernen Land erhältlich oder dort wesentlich günstiger, aber niemand aus dem Freundes- und Bekanntenkreis plant eine Reise dorthin und könnte es mitbringen. Jennifer Schietzel, Sirko Sittig, Stefan Kalkbrenner und Raik Osiablo glauben, dass ein Onlinedienst sich hier als idealer Problemlöser anbietet, und haben deshalb BringWasMit.de auf die Beine gestellt.Der beschreibende Name sagt eigentlich alles über das Konzept der Site: BringWasMit.de ist ein Marktplatz für im Ausland erhältliche Güter. Der Dienst will Menschen mit Interesse an ausländischen Artikeln und Reisende, die diese mitbringen können, auf einer Plattform miteinander vernetzen. Was VPN-Dienste für nur in spezifischen Ländern angebotene Onlineinhalte erledigen (Stichwort "Geoblocking"), versucht BringWasMit.de mit physischen Produkten.

Nutzer, die an einem spezifischen, in ihrem Heimatmarkt nicht erhältlichen Produkt Interesse haben, können dieses auf ihrer Wunschliste mit einigen beschreibenden Details, dem im jeweiligen Land anfallenden Preis sowie der zusätzlich angebotenen Aufwandsentschädigung eintragen. Anwender, die in naher Zukunft eine Auslandsreise planen, können nach ihrem Land suchen und gelisteten Käufern ein Angebot machen, ihre gewünschte Ware mitzubringen. Alternativ existiert die Option, dass sie ihre Reise selbst eintragen und darauf warten, bis sich andere Nutzer mit Mitbring-Anfragen bei ihnen melden.

Anfragen sind unverbindlich. Nimmt ein Käufer das Angebot eines Reisenden an, der ebenfalls zusagt, entsteht ein rechtsverbindlicher Kaufvertrag (ähnlich wie bei eBay). Der Käufer bezahlt anschließend die vereinbarte Summe per PayPal oder Überweisung. Die Art der Übergabe bzw. Lieferung regeln der Käufer und Reisende selbst - im Idealfall treffen sie sich zu einer persönlichen Übergabe.

BringWasMit.de beruft sich mit seinem Angebot auf die so genannte Reisefreigrenze der EU. Diese erlaubt die private, zoll- und abgabenfreie Einfuhr von Waren im Wert von bis zu 430 Euro aus einem Drittland. Nutzer, deren mitgebrachte Produkte diesen Wert nicht übersteigen, müssen sich also keine Sorgen machen, für ihren "Lieferdienst" Ärger mit dem Zoll zu bekommen.

Problematisch wird es allerdings, wenn sie eine Aufwandsentschädigung mit dem Käufer vereinbaren. Dann sind sie gesetzlich nämlich dazu verpflichtet, in jedem Fall durch den roten Ausgang am Flughafen zu gehen und ihre in einem Land außerhalb der EU erworbenen Güter zu verzollen.

BringWasMit.de weist in der FAQ auf diesen Sachverhalt hin, lässt aber offen, wie Reisende dies handhaben. Es ist davon auszugehen, dass Zollbeamte in der Regel nicht in der Lage sein dürften, in Frage zu stellen, dass eingeführte Waren (von maximal 430 Euro) entweder für den Eigenbedarf bzw. als Geschenk gedacht sind. BringWasMit.de baut augenscheinlich auf diesen Sachverhalt - denn die wenigsten Reisenden werden Fremden Waren allein aus Nettigkeit mitbringen.

Abgesehen von der Zollproblematik sowie den üblichen Betrugsrisiken von jungen Onlinemarktplätzen ohne etablierte Systeme zur Bewertung der Vertrauenswürdigkeit der Akteure halte ich eine grundsätzlich vorhandene Nachfrage nach einem derartigen Angebot für wahrscheinlich.

Das Startup aus Wismar in Mecklenburg-Vorpommern konnte für seine Geschäftsidee bereits das EXIST-Gründerstipendium vom BMWi einstreichen und präsentiert sich am Mittwoch mit seiner internationalen Version BoxInTheBag.com als einziges Startup aus Deutschland auf der von O'Reilly Media mitveranstalteten Web 2.0 Expo in New York. Trotz (oder geraden wegen) des simplen Konzepts und der auch nicht unbedingt technisch/funktionell revolutionären Plattform scheint der Dienst das deutschen Gründer-Quartetts einen Nerv zu treffen.

Würdet ihr BringWasMit.de nutzen?

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