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28.05.09

Brian Eno über Musik im Internetzeitalter

Der bekannte Musiker Brian Eno hat die Einkommensmöglichkeiten für Musiker im Internet-Zeitalter erkannt: Liveauftritte, aufwendig gestaltete, limitierte Versionen ihrer LPs und grundsätzlich alles, was schwer oder gar nicht kopierbar ist.

Brian Eno, bekannt als Solomusiker und aus seiner Zeit bei der legendären Band Roxy Music, beschreibt in einem Artikel im britischen Prospect-Magazine die wirtschaftliche Lage der Musikindustrie. Musikaufnahmen sind heute verfügbar wie Wasser, so Eno, und nicht sehr viel aufregender als dieses.

Das ist aber nur schlecht für die, deren Geschäftsmodell allein auf dem Verkauf von Musikaufnahmen basiert. Die Livemusik-Szene explodiert. Festivals wachsen von Jahr zu Jahr und es gibt mehr Festivals denn jemals zuvor.

Insgesamt hat Eno die wirtschaftliche Lage richtig erkannt: Es ist nicht mehr die Musikaufnahme selbst, die der wertvolle Teil des Angebots ist, den Musiker verkaufen können. Wenn sie weiterhin ihre Musik direkt verkaufen wollen, müssen die Musiker aufwendige Versionen mit schwer kopierbarem Artwork verkaufen, so Eno. Was die Leute kaufen, hat Brian Eno richtig erkannt, ist die Kunst, das Gesamtwerk, nicht die Musikaufnahme.

Was auf den ersten Blick wie ein Paradoxon aussieht, bei genauer Betrachtung aber Sinn ergibt, fasst Eno so zusammen: Leute, die keine 15 Pfund für eine CD ausgeben, werden für die limitierte Version mit zusätzlichem Artwork 150 Pfund auf den Ladentisch legen.

Immer, ob Live-Auftritte oder aufwendige physische Versionen, geht es darum, etwas anzubieten, dass schwer oder gar nicht kopierbar ist - und dadurch einen Wert erlangt.

Kommt das alles bekannt vor? Genau. Vor einiger Zeit hatten wir über die ökonomischen Veränderungen im Musikgeschäft durch das Internet geschrieben und führten bei den möglichen Einnahmequellen für Musiker an:

Musiker müssen also wertvolle, knappe Güter verkaufen. Was kann das zum Beispiel sein? Einige Beispiele:

-Die [..] Konzerte oder DJ-Auftritte

-Merchandising, wie etwa T-Shirts

-Die Produktion der Musikaufnahmen: anders als die digitalen Kopien der Aufnahmen ist die Produktion der Aufnahme selbst ein knappes Gut. Finanzieren lassen könnten sich die Musiker die Produktion zum Beispiel über Spenden von den Fans.

-Zugang zu den Künstlern: Teurere VIP-Zugänge zu den Konzerten, (Online-)Fanklubmitgliedschaften, Zugänge zu nichtöffentlichen Foren auf den Websites der Musiker, in denen die Musiker sich beteiligen; die Zeit eines Musikers ist ein knappes Gut, nur wenige Fans können in den Genuss eines direkten Kontakts kommen

-Streng limitierte, physische Editionen von Musikaufnahmen, am besten aufwendig gestaltet

Man muss nicht, wie wir es gemacht haben, die zum Tragen kommenden ökonomischen Prinzipien kennen oder anführen, um zum selben Ergebnis zu kommen. Brian Eno dürfte nur mit gesundem Menschenverstand auf die aktuellen Veränderungen im Musikgeschäft geschaut haben.

Eno schließt seinen Artikel mit dem Satz: "So, as one business folds, several others open up. - Während ein Business schließt, machen mehrere andere auf." Dem habe ich nichts weiter hinzuzufügen.

» in einem Artikel im britischen Prospect-Magazine

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