<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

27.03.14

Boom der Sprachlerndienste: Wieso sich das Berliner Startup Babbel nicht vor Duolingo fürchtet

Der Sprachlerndienst Babbel hat mehr zahlende Nutzer als jeder andere Online-Konkurrent. Auch vor dem schnell wachsenden US-Rivalen Duolingo fürchten sich die Berliner nicht. Babbel-CEO Markus Witte hält die eigene Methodik für deutlich überlegen.

BabbelSpätestens seit das US-Startup Duolingo mit seiner mobile Sprachlern-App reihenweise Preise abstaubt, erhält das Lernen von Fremdsprachen über das Internet viel neue Beachtung. Doch nicht nur die Amerikaner profitieren vom Boom des Smartphone-Zwischendurchlernens sowie der gerade Einzug haltenden Erkenntnis, dass Sprachkurse nicht unbedingt langweilig, frustrierend und demotivierend sein müssen. Mit Babbel kommt einer der führenden Anbieter in diesem Bereich aus Deutschland. Das 2007 von Markus Witte, Thomas Holl und Lorenz Heine in Berlin gegründete Startup ist Urgestein, was das webbasierte Lernen von Fremdsprachen angeht, und mit mehr als 250 festen und freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine der größten Webfirmen der Hauptstadt überhaupt. "Methodik von Duolingo überzeugt nicht"

Doch wie steht Babbel, das von seinen Nutzern anders als Duolingo abgesehen von einigen Gratis-Schnupperkursen eine monatliche Gebühr verlangt, zu der neuen Konkurrenz aus Übersee? Danach gefragt zeigt sich CEO Markus Witte im Gespräch mit netzwertig.com ganz entspannt. Zwar sei der Ansatz, einen kostenpflichtigen Übersetzungsservice auf Crowdsourcing-Basis mit einem kostenfreien Sprachlerntool für Endnutzer zu verbinden, äußerst innovativ, und auch in puncto Produktpräsentation könne man viel von dem von Captcha-Erfinder Luis von Ahn entwickelten Dienst lernen. Als Instrument, um sich ernsthaft eine Fremdsprache beizubringen, und hinsichtlich der Methodik sei Duolingo aber nicht überzeugend, findet Witte. Der Grund: Nutzer werden dazu gebracht, strukturierte Sätze zu lernen, die sie so niemals anwenden können. Zudem konfrontiere sie Duolingo frühzeitig mit Grammatik, was aus unternehmerischer Sicht erforderlich sei, um für die B2B-Kunden korrekte Übersetzungen liefern zu können.

Fischen in den Gewässern von Rosetta Stone

Babbel-CEO Markus Witte

Bei Babbel stehe hingegen im Vordergrund, Lernenden möglichst schnell Fremdsprachenwissen zu vermitteln, von dem sie unmittelbar einen praktischen Nutzen haben. Grammatische Aspekte spielen erst einmal keine Rolle. "Wir wollen, dass Leute Sprachen lernen, und das sehr früh", sagt Witte. Der Dienst richte sich deshalb auch an eine andere Zielgruppe als Duolingo. Babbel-Nutzer seien eher älter und tendenziell entschlossener, eine Fremdsprache wirklich lernen zu wollen. So wie sich die Motive zwischen 14-Jährigen und 35-Jährigen, die Gitarre lernen, stark unterscheiden, gebe es auch deutliche Differenzen bei den Antrieben, sich eine neue Sprache anzueignen. Als direkte Konkurrenz sieht der Babbel-Chef daher eher das Softwareunternehmen Rosetta Stone, das vor allem in den USA lange Zeit das Nonplusultra im Bereich des computergestützten Lernens von Fremdsprachen darstellte, allerdings aufgrund hoher Preise und einer gewissen CD-Rom-Mentalität im Web den Anschluss verpasst hat. Babbel habe allein im Januar mehr zahlende Kunden gewinnen können als Rosetta Stone ingesamt Onlinenutzer hat, erklärt Witte mit einem Lächeln im Gesicht. Er gehe davon aus, dass kein anderer Anbieter im Online-Fremdsprachensegment mehr Bezahlnutzer vorweisen könne als Babbel.

Jahresumsatz im zweistelligen Millionenbereich

Wieviele zahlende User das Startup bislang genau überzeugt hat, darüber schweigt sich Witte allerdings aus. Mehr als 35 Millionen Menschen hätten sich seit dem Debüt Anfang 2008 bei Babbel registriert, wobei diese Zahl keine wirkliche Bedeutung für die Firma habe. Im Fokus stehen für die Hauptstädter die Nutzer, die sich für ein monatliches oder jährliches Abo (ab fünf Euro/Monat) entschließen. 2013 fuhr das Unternehmen einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich und mehr als doppelt so viel wie 2012 ein. Unter dem Strich stand am Ende des Jahres eine rote Null. Profitabilität sei laut Witte aktuell nicht das Ziel. Vor einem Jahr sammelten er und seine Kollegen zehn Millionen Dollar frisches Kapital ein. Dieses fließt zu einem nicht unwesentlichen Teil ins Marketing. Pro Jahr pumpt das Unternehmen eine sechs- bis siebenstellige Summe in Werbemaßnahme. In Deutschland, Italien und Frankreich - den derzeit wichtigsten Märkten für Babbel - trommelt der Sprachlernservice mit TV-Spots für sich.

Der Babbel-Chef beschreibt die wirtschaftliche Philosophie mit den Worten "nachhaltiges Wachstum". Wichtig sei, dass man, würde man man morgen aufhören, Werbung zu machen, schwarze Zahlen vorweisen könne. Über ein Jahr bleiben Kunden im Durchschnitt Babbel-Abonnenten. Für ein Tool, das beim Einstieg in eine neue Sprache helfen soll, ist das kein schlechtes Resultat. Auf Dauer sei für das perfekte Beherrschen einer Fremdsprache immer ein Mix aus unterschiedlichen Methoden erforderlich, sagt Witte. Babbel wolle sich weiterhin auf das konzentrieren, was es am besten kann, nämlich Nutzern Mut zu machen, eine Sprache zu lernen und ihnen zu zeigen, dass dies gar nicht so schwierig sei und sogar Spaß macht.

Büro in New York

Aktuell sind die Berliner dabei, mit einem Büro ihre erste Auslandsdependance zu eröffnen. Sechs bis sieben Leute sollen Babbel von New York aus stärker im US-Markt verankern. Es handele sich um einen ersten Schritt, bei dem es vor allem darum gehe, die Kommunikation anzupassen und die Bedürfnisse der US-Nutzer hinsichtlich des Lernens von Fremdsprachen besser zu verstehen. Auch steht die Erweiterung der verfügbaren Plattformen sowie die Einführung neuer Sprachen auf dem Programm. Aktuell unterstützt der Dienst 13 Sprachen, weitere sollen folgen. Russisch könnte als nächste an der Reihe sein, deutet Markus Witte an. /mw

Link: Babbel

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer