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19.02.14

Boom der Hardware-Startups: Gründer haben keine Lust mehr, US-Weberfolge zu klonen

Die Zahl der Startups aus Deutschland und Europa, die sich der Entwicklung von smarten Geräten verschreiben, wächst stetig. Die aktuellen Crowdfunding-Erfolge zweier deutscher Projekte unterstreichen das Potenzial dieses Sektors.

Bragi

Hardware-Startups sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Und wie: Ende vergangenen Jahres berichteten wir über 13 Tech-Jungfirmen aus Deutschland, die an smarten Geräten tüfteln. Gemeinhin fallen in diese Kategorie alle Apparate, die über WLAN oder Bluetooth mit PCs, Tablets oder Smartphones kommunizieren können. In der Vergangenheit scheuten sich viele Gründer vor mit diesen Unterfangen zusammenhängenden Investments. Doch veränderte Rahmenbedingungen und der technische Fortschritt haben die Ausgangslage für Garagen-Gründer und Ihresgleichen deutlich verbessert. Mit der jüngst angekündigten Milliardenübernahme des US-Gadget-Startups Nest durch Google erhielt der Sektor gerade abermals eine Validierung, die sich hoffentlich positiv auf die Investitionsbereitschaft von Geldgebern auswirkt.

Auch in anderen Ländern Europas zeigen Entrepreneure verstärkten Glauben daran, mit innovativen, vernetzen Gadgets neue Märkte erschließen zu können. Der gerade viel Beachtung findende Trend der "Wearables" sowie das Dauerthema "Internet der Dinge" dienen als Inspiration und Motivation. Robin Wauters hat beim paneuropäischen Techblog.eu in einem Beitrag ganze 50 Hardware Startups aus Europa zusammengetragen. Allerdings beschränkt sich Wauters nicht nur auf Anbieter aus dem Bereich der Smart Devices sondern berücksichtigt auch einige "klassische" Gadgets ohne Netz-DNA. Dennoch zeigt die Liste, dass sich eine regelrechte europäische Hardware-Revolution abzeichnet, und dass in früher Entstehungsphase befindliche Firmen aus Deutschland bei dieser eine wichtige Rolle einnehmen.

Den aktuellsten Beleg für diese Erkenntnis liefert der Crowdfunding-Überraschungserfolg des Münchner Startups Bragi. Dessen in der Entwicklung befindliche Sportkopfhörer namens "Dash" kombinieren per Bluetooth ansteuerbare Ohrhörer, einen MP3-Player sowie einen Fitness-Tracker. Jürgen Vielmeier bezeichnet das Produkt als "eierlegende Wollmilchsau". Die Kickstarter-Kampagne der Bayern zielte eigentlich auf gerade mal 260.000 Dollar ab, steht jedoch 40 Tage vor Ende der Aktion bei nunmehr über zwei Millionen Dollar, bereitgestellt von fast 10.000 Interessenten. Kein anderes Projekt aus Deutschland hat bisher per Crowdfunding (nicht zu verwechseln mit der Unterform des Crowdinvesting) mehr Geld einsammeln können. Der bisherige Rekordhalter, die Wurfkamera Panono, die dank ihrer Cloudintegration ebenfalls als "Smart Device" betitelt werden kann, bewog erst vor einigen Wochen rund 2.600 Unterstützter dazu, zusammen 1,25 Millionen Dollar bereitzustellen.

YougaMittlerweile gibt es sogar schon regelrechte "Hardware-Klone" aus Deutschland: Das Kölner Startup Youga hat einen Bluetooth-Mini-Lautsprecher auf den Markt gebracht, der sich vom Äußeren eindeutig an der populären Jambox des US-Herstellers Jawbone (gerade mit frischem 250-Millionen-Dollar-Funding) orientiert. Wie das trendbewusst "Berlin" genannte Kästchen im klanglichen Vergleich abschneidet, kann ich nicht beurteilen. Optisch allerdings finde ich Yougas Variante ansprechender als die Jambox (die ich besitze). Und die Kölner Interpretation kostet mit 50 Euro nicht einmal halb so viel.

Sicherlich könnte die Hardware-Welle genauso schnell wieder abebben, wie sie gekommen ist. Allerdings fungieren Crowdfunding-Kampagnen für Hardware-Produkte auch immer als Markttest und Evaluation der Nachfrage. Die erfolgreichen Ausgänge zeigen, dass man nicht im Silicon Valley beheimatet sein muss, um mit der Entwicklung eines Gadgets international auf Gehör zu stoßen. Diese Erkenntnis macht Mut und lässt darauf hoffen, dass die deutsche Gründerszene noch viele weitere einfallsreiche und clevere Ideen hervorbringen wird, bei denen Web und Hardware verheiratet werden. /mw

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