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17.06.10

Blogs: Wie ein neues Linkverhalten die Blogosphäre beleben könnte

Die deutsche Blogosphäre verlinkt vorrangig auf Nachrichtenportale und führende US-Blogs. Aus nachvollziehbaren Gründen. Doch es gibt eine einfache Lösung.

Mein ehemaliger netzwertig.com-Kollege und neunetz.com-Blogger Marcel Weiss stellte gestern auf Twitter die Frage, wieso die meisten Blogs im deutschsprachigen Raum eher auf US-Blogs oder deutsche Mainstream-Medien verlinken als auf andere deutsche Blogs.

Marcels Gedankengang ist verständlich: Intensiveres Verlinken anderer Blogs aus Deutschland, der Schweiz und Österreich würde nicht nur die Wahrscheinlichkeit erhöhen, zurückverlinkt zu werden - was bei Verweisen auf TechCrunch, Mashable, Spiegel Online oder heise in der Regel nicht der Fall ist - sondern könnte gleichzeitig die seit Jahren anhaltende Talfahrt des Verlinkungsgrads stoppen, die Vernetzung zwischen den Blogs verstärken, Leser innerhalb der Blogosphäre halten und durch bessere Rankings in den Ergebnissen von Suchmaschinen neue Leser gewinnen.

Und selbst wenn man der Ansicht ist, das sei Humbug und würde sich nicht positiv auf die Relevanz und Kraft der Blogosphäre auswirken, so gäbe das verstärkte Setzen von Links zu mitunter auch weniger bekannten Blogs aus dem deutschen Raum Lesern immerhin Zugang zu neuen, ihnen bisher unbekannten Inhalten und Quellen.

Meines Erachtens nach gibt es drei Gründe, die dafür sorgen, dass sich in der hiesigen Blogosphäre eine signifikante Zahl von Links auf eine sehr kleine Gruppe von Sites verteilt:

1. Aktualität

Sowohl die großen US-Blogs im Web- und Tech-Bereich als auch die führenden deutschen Nachrichtenangebote verfügen über mehr Ressourcen als hiesige Blogs. Das hat zur Folge, dass abgesehen von Nischenthemen und eher speziellen Branchenneuigkeiten häufig ganz einfach die "Großen" eine Nachricht schneller, ausführlicher oder journalistischer aufbereitet publizieren als Blogs.

Wir beispielsweise beziehen einen nicht geringen Teil unserer Informationen von einschlägigen US-Tech-Blogs - diese sitzen an der Quelle des Geschehens im Silicon Valley und erfahren meist zuerst, wenn es bei Twitter, Google oder Facebook etwas Neues gibt. Ob es uns gefällt oder nicht - dann stattdessen den Link auf eine andere deutsche Quelle zu setzen, die auf Basis eines TechCrunch-Artikels einen Beitrag verfasst hat, hilft niemandem.

2. Gewohnheit

Auch die Gewohnheit ist ein Grund für die starke Verlinkung etablierter Medienmarken. Bei diesen wissen Blogger genau, was sie bekommen, und sie vertrauen ihnen bis zu einem gewissen Grad. Zudem sind es genau die Sites, die sie auch im RSS-Reader abonniert haben oder denen sie bei Twitter folgen. Nicht jeder kann oder will hunderte Nischenblogs im Auge behalten müssen. Stattdessen landen die "üblichen Verdächtigen" im Google Reader, was natürlich die Wahl der verlinkten Quellen beeinflusst.

3. Auffindbarkeit

Eine dritte Ursache hat mit der Auffindbarkeit deutscher Blogs zu tun und resultiert zum Teil aus dem eben beschriebenen Gewohnheitsaspekt. Wer nur die gängigen US-Blogs und eine Handvoll deutscher Leitmedien verfolgt, hat einen begrenzten Zugang zu anderen, gerade kleineren Blogs, die zudem selten bei Google ganz vorne stehen, und kann logischerweise nicht zu ihnen verlinken.

Hilfreich ist hier sicher ein RSS- oder Twitter-Abo des Streams von Rivva, das immer mal wieder die Artikel weniger bekannter Blogs ins Rampenlicht befördert. Aber auch Rivva kann nur aggregieren, was zuvor von Blogs verlinkt wurde, und ist somit von deren Vorleistung abhängig.

Was wir tun können:

Ich denke, dass es einen einfachen Weg gibt, wie Blogger die Qualität und Vielfalt der von ihnen gesetzten Links erhöhen können:

Seit dem Launch der Nachrichten- und Blogsuchmaschine Trendiction, über die wir hier schrieben, habe ich es mir angewöhnt, dort im Rahmen der Recherche zu Artikeln nachzuschauen, welche anderen Blogs etwas zu dem jeweiligen Thema geschrieben haben. Schon häufiger hat dies zu Verlinkungen von mir bis dato völlig unbekannten, aber sehr kompetenten Quellen geführt.

Mit der Google Blogsuche oder dem gerade gestarteten Bloxia gibt es weitere Blogsuchmaschinen, die man konsultieren kann, um passende Ergänzungen und Zitate zu beliebigen Themen zu finden.

Wenn alle Blogger im deutschsprachigen Raum es sich zum Ziel setzten würden, mindestens einmal pro Woche zu einem ihnen bisher unbekannten, z.B. über eine Suchmaschine gefundenen Blog zu verlinken, dann könnte dies der Blogosphäre eine völlig neue Dynamik verleihen.

Gerade Verfasser guter, aber junger, wenig besuchter Blogs freuen sich unheimlich über eingehende Links. Für sie sind Pingbacks neben Retweets das wohl wichtigste Anstriebsmittel, weiterzumachen. Wir können alle dabei mithelfen, frische Wind in die Blogosphäre zu bringen. Ein Link pro Woche!

(Foto: stock.xchng)

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