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22.09.08

Blattkritik von Steinmeier: Beste Werbung für die Bild-Zeitung

Der deutsche Aussenminister macht eine zahnlose Blattkritik bei der Bild-Zeitung, die diese als beste Werbung in eigener Sache verwerten kann.

Steinmeier liest Zeitung - heute auch mal öffentlichHeute um 12 Uhr ging das erste Video der nun täglich geplanten öffentlichen Blattkritik der Bild-Zeitung (Video, 11:06 Minuten) online. Der erste Gast, Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, lobte die Idee, sich täglich der öffentlichen Kritik in Form eines wechselnden Gasts auszusetzen. Konkret kritisierte und lobte er folgendes:

Tops:

  • "Kluger Kommentar" auf Seite 2 zur internationalen Finanzkrise
  • Auszüge aus dem Buch von Kurt Beck

Flops:

  • Auf Seite 1 ganz unten: Im Artikel "Gift in Babymilch" wird mit dem Titel der Eindruck erweckt, dass das auch in Deutschland der Fall ist oder sein könnte.
  • Auf Seite 3 der Artikel "Tödliches Geburtstagsgeschenk": Muss man die Tragik der Situation nochmals so aufzeigen?
  • Am stärksten übertrieben findet er den Titel "Kanzlerin kritisiert die SPD" - er meint, das habe sie sicher nicht so gemeint.

Weiter freut sich Steinmeier, dass Udo Lindenberg zum Gewinner des Tages gekürt wurde und findet den Ratgeber-Artikel zum Bluthochdruck gut. Auch er könnte die gegebenen Ratschläge mehr befolgen.

Bild-Chefredakteur Kai Diekmann nimmt die kurze Blattkritik auf und nennt sie fair, fast etwas zu milde. Den Artikel zur Babymilch hätte tatsächlich nicht den Eindruck erwecken sollen, dass sowas auch in Deutschland vorkäme - was dann doch mehr als scheinheilig wirkt.

Öffentliche Blattkritiken sind mutig, modern, gar wegweisend. Aber nur, wenn der Blattkritiker kein Blatt vor den Mund nimmt und wenn die angebrachte Kritik auch umgesetzt wird. Wenn der Chefredakteur auf Einwände nicht mehr als einige beschwichtigende Worte äussert und dann jeder wie gewohnt an die Arbeit geht, dann ist die Aktion sinnlos. Dann sollte jeder Eingeladene die Blattkritik boykottieren, es sei denn, er will sich unbedingt dazu missbrauchen lassen, (unbezahlte) Werbung für die Bild-Zeitung zu machen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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