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20.05.09

Avatar-Dienst weblin insolvent: Wie viele würden ihn vermissen?

Der preisbelohnte Hamburger 3D-Avatar-Dienst weblin hat Insolvenz angemeldet. Reines Pech oder ein Zeichen dafür, dass die Geschäftsidee nicht gut genug war?

weblin insolventNach picabee erlebt nun das nächste ambitionierte deutsche Webunternehmen eine finanzielle Bruchlandung: deutsche-startups.de berichtet über die Insolvenz der Zweitgeist GmbH, das Unternehmen hinter dem 3D-Avatar-Dienst weblin, und bezieht sich auf eine entsprechende öffentliche Bekanntmachung.

Das Hamburger Startup betreibt mit weblin einen Dienst, der User beim Surfen im Netz als kleine Avatare im Browser darstellt. Befinden sich mehrere weblin-Anwender gleichzeitig auf einer Website, können diese dort miteinander kommunizieren.

Für den vollen Funktionsumfang ist der Download einer Software erforderlich. Eine abgespeckte Variante direkt im Browser gibt es über weblin lite ( Beispiel netzwertig.com ). Das im Juni 2006 gegründete Unternehmen aus Hamburg hat laut eigenen Angaben zwei Millionen Nutzer und kann in neun verschiedenen Sprachen angewendet werden.

weblin war einer dieser Dienste, bei dem ich mir stets unschlüssig war, was ich von ihm halten soll. Auf der einen Seite gefällt mir die Idee, Besucher von Websites zusammenzuführen, und diverse Preise und Auszeichnungen sprechen für sich. Andererseits macht weblin nichts, auf das ich nicht auch verzichten kann. Mit anderen Usern meiner Lieblingssite in Avatar-Form zu chatten, hat einen gewissen Unterhaltungsfaktor, mehr aber auch nicht.

Die Notwendigkeit eines Softwaredownloads kommt als Einstiegshürde erschwerend hinzu - der Nutzen der lite-Version geht über einen kurzen Spaß- bzw. Aha-Effekt nicht hinaus.

Das Geschäftsmodell von weblin besteht laut deutsche-startups.de aus einer Werbevermarktung, einer Premium-Mitgliedschaft sowie dem Verkauf virtueller Gegenstände. Die zwei letztgenannten Komponenten scheinen allerdings noch nicht implementiert worden zu sein. Zumal selbst die Verfügbarkeit solcher Elemente nicht automatisch einen Geldsegen verspricht. Eine engagierte, loyale und aktive Nutzerschaft ist Voraussetzung, damit solche Modelle zum Erfolg führen. Hat weblin eine derartig starke Community?

Gut möglich, dass die Rezession und ihre Folgen letztlich der Auslöser für die Insolvenz waren. Wirklich überzeugende Geschäftsideen mit nachhaltigem Potenzial erhalten aber auch in Krisenzeiten ausreichend Fremdkapital (zu akzeptablen Konditionen), um eine Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden. Wenn dies bei weblin nicht der Fall war, kann dafür natürlich ganz einfach Pech oder ungünstiges Timing verantwortlich sein. Es könnte sich dabei aber auch um ein Zeichen dafür handeln, dass die weblin-Idee nicht gut genug war, um drei Jahre nach der Gründung noch immer rote Zahlen rechtfertig zu können.

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