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16.02.12

Aus Eeve wird Popset: Y Combinator unterstützt deutsches Startup

Vier Deutsche haben in London eine mobile Foto-Sharing-App für Gruppen entwickelt. Jetzt werden sie vom renommierten US-Inkubator Y Combinator unterstützt.

 

Y Combinator ist der wahrscheinlich bekannteste und erfolgreichste Startup-Inkubator überhaupt und gleichzeitig das Vorbild für diverse ähnliche Programme. Zweimal pro Jahr investiert das Unternehmen aus Mountain View vergleichsweise kleine Geldbeträge in viele Dutzend handverlesene Startups und hilft diesen mit Know-how und wertvollen Kontakten, in kurzer Zeit zu einem fertigen, durchdachten Produkt zu gelangen. Bekannte Onlinedienste wie Dropbox, Reddit, Scribd, Airbnb oder Hipmunk entstanden unter der Obhut des kalifornischen Inkubators.

Dass junge Webfirmen bei Y Combinator (YC) aufgenommen werden, die nicht aus den USA stammen, ist dagegen eher selten. Aus dem deutschsprachigen Raum ist uns lediglich Directed Edge als Startup bekannt, das es in die YC-Auswahl geschafft hat. Nun aber gesellt sich ein weiteres junges Unternehmen mit deutschen Wurzeln zur illustren YC-Runde:

Vier Deutsche entwickelten in London eine mobile Foto-Applikation namens Eeve und wurden Ende 2011 zum Vorstellungsgespräch in die USA geladen, wo sie das Investoren- und Mentoren-Team um YC-Chef Paul Graham von sich überzeugen konnten. Nach intensiven Wochen des Experimentierens, Weiterentwickelns und Lernens startet der Service heute offiziell mit einem leicht veränderten Konzept und dem neuen Namen Popset .

Wir hatten Popset (ehemals Eeve) zum Launch der geschlossenen Beta-Phase im September vorgestellt. Personen am gleichen Ort konnten kollaborative Smartphone-Fotoalben erstellen und einen Eindruck davon bekommen, welche Ereignisse und Events gerade in ihrer Nähe stattfinden. Mittels der Follow-Funktion ließen sich außerdem persönliche Kontakte und ihre visuell festgehaltenen Aktivitäten im Blick behalten.

Neuer Name, veränderte Positionierung

Mit dem offiziellen Debüt als Popset verändert das Gründerquartett aus Jan Senderek, Nicolas Bös, Philipp Wein und Daniel Wagner die Ausrichtung ihrer App: Der bisherige Schwerpunkt auf standortbasierte, zeitlich limitierte Fotoalben wird zugunsten einer Positionierung als mobiles Tool, um vom Smartphone aus gruppenbasierte Fotoalben anzulegen, fallen gelassen.

Popset erlaubt es Anwendern, Fotoalben zu beliebigen Themen oder Aktivitäten anzulegen und ausgewählte Freunde als partizipierende Schnappschuss-Uploader hinzuzufügen - egal wo diese sich befinden. Alben können auf öffentlich oder privat gestellt werden. Das Follow-Feature bleibt bestehen, um die Alben der eigenen Freunde oder die interessanter Popset-Nutzer im persönlichen Stream zu sehen.

Der neue Ansatz, die "einfachste und schönste Lösung für Gruppen-Fotoalben" zu bieten, ist genau wie der Namenswechsel eines der Ergebnisse der YC-Startup-Schule, die drei der vier Deutschen in den vergangenen Wochen vor Ort im Silicon Valley absolvierten. Die bisherigen Limitationen auf örtlich begrenzte Alben innerhalb des gleichen Zeitraums missfielen den YC-Ratgebern ebenso wie der Name, der aufgrund des Verwechslungen fördernden doppelten "E" und der genutzten Ausweichdomain geteeve.com statt eeve.com auf wenig Gegenliebe stieß.

Mitgründer Jan Senderek betont zwar, dass dem Team die Wahl gelassen wurde, ob sie die vorgeschlagenen Modifizierungen umsetzen wollen. Dennoch erschien es ihnen sinnvoll, auf die Experten zu hören - kaum jemand hat ein besseres Gefühl für die Stellschrauben, an denen zur Maximierung der Erfolgschancen gezogen werden muss, als Paul Graham und seine Mitstreiter von YC.

10 Minuten Interview in San Francisco

Als Senderek und seine drei Kollegen sich im Herbst bei dem Inkubator bewarben, konnten sie es anschließend kaum glauben, dass man sie tatsächlich zum Interview nach San Francisco einlud. Zehn Minuten lang wurden sie von drei anwesenden YC-Partnern mit Fragen bombardiert (eine davon: "Why does the world need another photo sharing app"). Kurz danach kam der Anruf mit dem positiven Bescheid.

20.000 Dollar erhielt das Startup direkt, weitere 150.000 Dollar gibt es nach dem Abschluss des Programms. Im Gegenzug bekommt YC eine Minderheitsbeteiligung. Zum zweimal jährlich stattfindenden Y Combinator Demo Day treffen sämtliche Startups aus der aktuellen YC-"Klasse" auf 400 Investoren. Im besten Fall winkt dann eine Series-A-Finanzierungsrunde.

Doch bis dahin muss Popset erst einmal beweisen, dass es mit seinem Ansatz den Nerv der Nutzer trifft. Wege, um gemeinsame Fotoalben anzulegen, existieren unzählige - die wenigstens sind bequem und mit wenigen Klicks vom Smartphone aus erledigt. Popset könnte eine echte Nachfrage bedienen - vorerst allerdings nur für iPhone-Anwender. Für die Zukunft ist der Launch einer Android-App zwar nicht ausgeschlossen, hat aber derzeit nicht die höchste Priorität.

Link: Popset

Kenntlichmachung: Mit einem der Popset-Gründer verbindet mich ein freundschaftliches Verhältnis.

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