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22.08.11

Auf dem Weg zu einer Milliarde Nutzern: Skype kauft GroupMe

Für etwa 85 Millionen Dollar kauft Skype den Smartphone-Chatdienst GroupMe. Mittelfristig will der VoIP-Riese eine Milliarde Nutzer erreichen.

 

Mobile Chatdienste für Smartphones bleiben en vogue: Einige Tage, nachdem Facebook seine eigenständige Messenger-App für US-Nutzer veröffentlicht hat, überrascht Facebook-Kooperationspartner Skype mit einer Akquisition in diesem Sektor: Für etwa 85 Millionen Dollar übernimmt der VoIP-Dienst die Group-Messaging- und Chat-Anwendung GroupMe.

GroupMe wurde vor etwa einem Jahr in New York gegründet, beschäftigt etwa 20 Mitarbeiter und bietet mobile Apps für iOS, Android, Windows Phone 7 und BlackBerry. Ähnlich wie WhatsApp oder Kik erlaubt GroupMe Smartphone-Chats mit einzelnen Personen oder Gruppen. Anders als dort stehen bei GroupMe aber - der Name verrät es - Konversationen mit mehreren Personen im Vordergrund.

Ein Alleinstellungsmerkmal des Startups ist die Funktion, alle Mitglieder einer Gruppe über eine zentrale, von GroupMe bereitgestellte Telefonnummer anrufen und auf diesem Weg eine spontane Konferenz durchführen zu können. GroupMe setzt dafür bisher auf die Dienste des Cloud-Kommunikations-Spezialisten Twilio. Momentan stellt dieser jedoch nur US-amerikanische Telefonnummern bereit. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Skype künftig die Abwicklung dieser Funktion übernimmt und Nummern für weitere Länder anbietet (sofern das Feature erhalten bleibt).

Skype strebt eine Milliarde Nutzer an

Nach den Worten von Skype-CEO Tony Bates wird GroupMe als eigenständige Applikation bestehen bleiben und sukzessive mit Skype-Funktionalität verknüpft. Skypes Ziel ist es laut Bates, eine Milliarde Nutzer zu erreichen (Ende 2010 existierten 663 Millionen Skype-Konten - viele davon jedoch nicht aktiv). Der mobile Bereich sei der Sektor, mit dessen Hilfe dies möglich wird.

Als täglicher Anwender von sowohl Skype als auch mobilen Chatapps sehe ich die Logik hinter diesem Schritt, auch wenn 85 Millionen Dollar angesichts der Fragmentierung und Konkurrenz im Markt der Chat- und Gruppen-Kommunikations-Apps ein hoher Preis ist. Skypes mobile Apps eignen sich nach meinen Erfahrungen nur begrenzt zum Chatten - dazu steht die VoIP-Komponente zu sehr im Vordergrund.

Wenn GroupMe es bald erlauben würde, spontane Gruppen nicht nur aus GroupMe- sondern auch aus Skype-Kontakten zu bilden, dann wäre dies für mich ein klarer Grund, den auch zukünftig in New York ansässigen Service häufiger einzusetzen.

Das komplizierte Verhältnis zu Facebook

Interessant ist Skypes Vorstoß auch in Anbetracht der engen Partnerschaft mit Facebook, in deren Rahmen bereits laut über eine Integration von Skypes VoIP-Funktionalität in Facebooks neue Messenger-Anwendung nachgedacht wurde.

Während der im Übernahmeprozess durch Microsoft befindliche VoIP-Anbieter einerseits sein Heil in der Peripherie von Facebook und dessen 750 Millionen aktiven Nutzern sucht, ist er gleichzeitig bestrebt, weiter die Beine für die eigene Expansion auszustrecken. Dieses Vorgehen ist nachvollziehbar, birgt aber das Risiko einer Kannibalisierung - denn je enger Skype sich an Facebook anlehnt, desto größer ist die Gefahr, dass Nutzer noch mehr Zeit bei dem omnipräsenten Social Network und weniger mit Skype verbringen.

Identitätskrise

Om Malik sieht Skype vor einer Identitäskrise: Zielt es weiterhin primär auf den Endnutzer ab - der dem Unternehmen bisher nur bescheidenen geschäftlichen Erfolg einbrachte - oder positioniert es sich noch stärker als Enterprise-Lösung mit Kollaborations-Schwerpunkt?

Die Akquisition von GroupMe könnte für beide Zwecke genutzt werden. Sofern sich Skype entscheiden kann.

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