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25.08.11

Apple ohne Steve Jobs: Visionär gesucht

Apple-Chef Steve Jobs hat durch seine Entscheidungen die digitale Welt in den vergangenen zehn Jahren rasant vorangetrieben. Sein Rücktritt wirft die Frage auf, wer zukünftig die Grenzen und Konventionen im IT-Bereich in Frage stellt.

 

Ich bin seit Jahr und Tag Windows-PC-Nutzer. Ich besitze keine Apple-Aktien. Auch sonst betrachte ich Apple weitgehend objektiv. Die Meldung vom Rücktritt Steve Jobs als Apple-CEO könnte mir also eigentlich relativ egal sein. Ist sie aber nicht.

Nachdem ich am Morgen von der Nachricht erfuhr, beobachtete ich meine eigene Reaktion. Diese war geprägt von einem Gefühl der Furcht. Furcht davor, dass die kommenden Jahre in der IT- und Consumer-Electronics-Welt an Spannung und Dynamik verlieren könnten.

Im Oktober vergangenen Jahres beschrieb ich , wieso wir - Menschen, welche die Digitalisierung und ihre vielfältigen neuen Möglichkeiten mit Freude und Enthusiasmus begleiten - Steve Jobs dankbar sein sollten. Und das ungeachtet unserer Einstellung zu Apples harter Hand und Walled-Garden-Strategie.

Mindestens drei Mal hat Apple unter Steve Jobs in den vergangenen zehn Jahren einen Markt revolutioniert: Mit dem iPod und iTunes wurde digitale Musik zum (ertragreichen) Massenprodukt, das iPhone war der Wegbereiter des mobilen Internets, wie wir es heute kennen, und das iPad der Startschuss für die Post-PC-Ära .

Wie hätten die vergangenen Jahre ohne Apple und seinen Chef-Visionär ausgesehen? Ich bin mir sicher, sehr viel farbloser und langweiliger. Das mobile Internet hätte eine langsamere Evolution erlebt und Tablets wären wahrscheinlich noch immer extreme Nischenprodukte, die nur mit kleinen Stiften bedient werden können. Viele der Webservices und Startups, über die wir bei netzwertig.com berichten, würden nicht existieren oder stattdessen nur als Java-Applikation für Nokias aktuellstes Symbian-OS angeboten.

Sicherlich ist dies Spekulation. Doch fällt es schwer, bei der Apple-Konkurrenz ähnlich brilliante Produktkreateure und Vordenker auszumachen, wie Steve Jobs einer ist. Ohne einen solchen jedoch wären große evolutionäre Sprünge, wie Apple sie der Branche immer wieder vorgelebt hat, kaum möglich.

Angenommen, Steve Jobs ist wirklich der einzigartige, magische Unternehmenslenker, als der er gerne dargestellt wird, dann erscheint es schon rein statistisch unwahrscheinlich, dass sein Nachfolger Tim Cook in Jobs Fußstapfen treten können wird. Und deshalb mache ich mir Sorgen darüber, welches Unternehmen im IT- und dabei primär im Hardware-Bereich zukünftig Grenzen austesten und Konventionen in Frage stellen wird.

Markus Breuer treiben ähnliche Gedanken um: "Auf Anhieb fällt mir – außer dem Islam und der christlichen Kirche – keine Organisationen ein, die nach dem Abgang der prägenden Persönlichkeit noch lange Zeit den Drive hatte, dauerhaft zu wachsen und der Welt einen Stempel aufzudrücken."

Er vermutet wie ich, dass die (IT)-Welt ohne Jobs eine langweiligere sein wird.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass es Apple gelingt, erneut etwas zu revolutionieren: nämlich sich selbst. Tim Cook wird kein neuer Steve Jobs - aber womöglich ein anderer, besserer Apple-CEO.

(Foto: Flickr/acaben, CC-Lizenz)

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