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01.12.11

App-Plattform: Spotify folgt den Pfaden der Großen

Spotify öffnet seinen Client für externe Applikationen. Der expansive Musikdienst will sich damit als Plattform etablieren.

 

Die größten und innovativsten Internetunternehmen unserer Zeit haben eines gemein: Entwickler-Plattformen mit Schnittstellen, die es Drittanbietern erlauben, auf verschiedene Weise ihre Anwendungen mit dem jeweiligen Plattformbetreiber zu verzahnen.

Facebook ist genauso eine Plattform wie Twitter und LinkedIn. Alle drei Dienste gehören heute deshalb zu den führenden Webfirmen, weil sie sich nicht allein als Zieldestination für Anwender sehen, sondern als Herzstück von etwas viel Größerem, bei dessen Erschaffung die internationale Entwicklergemeinde mithelfen kann. Google+ zögert mit dem Schritt zur Plattform noch etwas und bietet bisher nur Schnittstellen mit Leseberechtigung an.

Spotify, der Leserinnen und Lesern von netzwertig.com wohlbekannte Musikdienst aus Schweden, hat auf seinem ersten großen Presse-Event überhaupt am Mittwoch in New York den Start der Spotify Plattform bekannt gegeben und damit einmal mehr deutlich gemacht, in welcher Liga er künftig spielen will.

Bisher bot der seit kurzem in der Schweiz und Österreich, aber nach wie vor nicht in Deutschland verfügbare On-Demand-Service seine Entwickler-Schnittstellen nur für die nicht-kommerzielle Nutzung an und ließ auch keine Applikationen in seinen Client hinein. Mit der Plattform und dem offiziellen Launch von Apps ändert sich Letzteres:

Ähnlich wie Facebook im Mai 2007 Drittanbieter-Applikationen in sein Social Network ließ, gewährt Spotify künftig Anwendungen die Möglichkeit, von den zehn Millionen aktiven Spotify-Mitgliedern innerhalb des Desktop-Clients eingesetzt werden zu können. Zu Anfang stehen bis zu 16 Apps zur Verfügung - vom Musik-Empfehlungsdienst Last.fm über das Musikmagazin Rolling Stone bis hin zur Konzertplattform Songkick - sämtliche sind kostenfrei und ungeachtet des gewählten Spotify-Pakets nutzbar.

Im Gegensatz zu Facebook anno 2007 wählt Spotify einen kontrollierten Ansatz, bei dem es selbst darüber entscheidet, welche Dienste als App in den Client hineindürfen. Angesichts der Tatsache, dass nicht jedes x-beliebige Onlineangebot innerhalb des Musikplayers Nutzen stiften würde, ist diese Entscheidung nachvollziehbar, wenn sie auch das mögliche Wachstumstempo der Plattform verlangsamt.

Eine monetäre Komponente besitzt die erste Version der Spotify Plattform nicht, so Spotify CEO Daniel Ek während der Pressekonferenz - zwischen den zum Start präsenten Apps und Spotify fließt also kein Geld. Eine Monetarisierung der Apps durch beispielsweise Werbung scheint zum aktuellen Zeitpunkt auch nicht vorgesehen zu sein.

Während eine durchdachte Plattform-Strategie einen wichtigen Teil des Erfolgsrezeptes ambitionierter Internetfirmen darstellt, garantiert die Öffnung für "On-Site-Apps" nicht automatisch einen nachhaltigen Ansturm von Nutzern und Entwicklern. Das Geschäftsnetzwerk Xing beispielsweise zog im Frühjahr bei sämtlichen, in das soziale Netzwerk integrierten Apps aufgrund zu geringer Nachfrage den Stecker, und auch bei LinkedIn ist unklar, wie populär die On-Site-Apps eigentlich sind (meine Vermutung: wenig).

Die Aufgabe von Spotify und den künftig präsenten Applikationen wird es also sein, das Benutzererlebnis auf intelligente und sinnvolle Art zu verbessern. Mir persönlich etwa fehlen bei Spotify seit jeher bessere Features, um zu gespielten Musikstücken verwandte Songs angezeigt zu bekommen. Die Last.fm-App, die ich bereits kurz ausprobiert habe, füllt diese Lücke (Last.fm-Konto erforderlich) und profitiert gleichzeitig davon, dass ich dadurch wieder mit dem "Scrobbeln" (= dem Aufzeichnen der von mir angehörten Titel über Last.fm) beginne. Und wer gerne direkt die Texte zu angehörten Titeln präsentiert bekommt, findet womöglich an der TuneWiki-App Gefallen.

Kurzum: Die Spotify Plattform ist in ihrer ersten Fassung sicher keine Revolution, aber eine konsequente Fortsetzung des bisherigen Wachstumskurses. Ob genug Entwickler sich animiert fühlen, trotz der anfänglich fehlenden Monetarisierungsoptionen Apps für Spotify zu entwickeln, bleibt abzuwarten.

Das neue Feature soll laut Pressemitteilung im Dezember allen Nutzern verfügbar gemacht werden, kann allerdings bereits hier als Beta heruntergeladen werden.

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