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13.06.13

Ampya: Hübsch gestalteter Musikdienst ohne wesentliche neue Funktionen

ProSiebenSat.1 schickt einen eigenen Musikabo-Dienst ins Rennen, der mit Spotify und Simfy konkurrieren soll und als Extra eine Videosammlung bietet. Im Beta-Test zeigt sich, dass Ampya nichts bahnbrechend Neues bietet, aber durchaus liebevoll gestaltet ist.

AmpyaMusikabos teilen sich mittlerweile in zwei Kategorien auf: Solche, über die man spricht, wie Spotify oder Deezer. Und solche, um die es kurz nach dem Start wieder sehr ruhig wurde, wie Juke , Wimp und Rara . Hier gesellt sich nun ein weiterer dazu, dessen auffälligste Besonderheit ist, dass er von der Magic Internet Musik GmbH aus Berlin angeboten wird, einer Tochter der Senderkette ProSiebenSat.1.

Die gute Nachricht vorweg: Man hat bei Ampya eher das Gefühl, noch etwas davon zu hören. Die Website tritt im modernen Design auf, die Sammlung braucht sich it über 100.000 Online-Videos und somit fast allen verfügbaren Musikvideos vor Spotify und Simfy nicht zu verstecken. Neu erfunden haben die Berliner das Musikstreaming allerdings auch nicht. Ampya soll sich nach Wunsch der Anbieter wie "Empire" aussprechen (was ich noch nicht so recht einsehe). Das Angebot ist anders als etwa Spotify und Simfy nicht in einem eigenen Desktop-Client verfügbar, sondern nur als Browser-Version, sowie als App für iOS und Android. Das neue AMPYA funktioniert geräteübergreifend, ist werbefinanziert und damit für Zuschauer komplett kostenlos.

Videosammlung und ein leicht anpassbares Radio

Nach der Registrierung begrüßt Ampya den Nutzer mit einem schmaleren Player links und mit mehr Platz für Empfehlungen rechts. Die Darstellung wirkt modern und aufgeräumt: Für den aktuellen Song erscheint ein großes Bild des Album-Covers, das man gleichzeitig als Play/Pause-Taste benutzen kann. Alternativ spielt Ampya an gleicher Stelle ein Musikvideo ab, wenn es sich beim Titel um ein solches handelt. Wer einen Zugang erhalten hat, kann es hier als Test einmal mit "Bronx Sniper" von Mister Heavenly versuchen. Unterhalb des aktuellen Titels bietet Ampya Titel an, die musikalisch dazu passen, also ein interaktives Radio. Die Auswahl hier passte im Test gut zu den von mir gewählten Songs. Auch weitere Radio-Stationen, die man - genre- oder künstlerbasiert - über das Hauptmenü anwählen kann, lassen sich nach eigenem Gusto sortieren. Allerdings habe ich bisher im Player auf der Startseite keine Vor oder Zurück-Tasten gefunden. Wer bei seinem Test darauf stößt, ist bitte so freundlich, mir mitzuteilen, wo sie sich verstecken...

Ampya: Neuer Musikabo-Dienst von ProSieben.Sat1 Ampya: Neuer Musikabo-Dienst von ProSieben.Sat1

Playlisten heißen bei Ampya "Mixtapes", eine Hommage an die Kompaktkassette der 80er und 90er Jahre. Titel, die man mag, kann man mit einem Klick auf ein Haus-Symbol favorisieren (anderswo heißt das "liken" oder "lieben") und daraus eine Liste erstellen, die man unter dem Menüpunkt "Meine Musik" immer wieder aufrufen kann. Die sozialen Funktionen scheinen sich darauf zu beschränken, dass man Songs mit einem Klick auf Facebook (und auch nur dort) mit der Welt teilen kann. Freunde, die auf den Link in ihrer Facebook-Timeline klicken, werden zu Ampya umgeleitet und können dort ohne eigenen Account in die ersten 30 Sekunden des Songs reinhören.

Ampya liegt schon zum Zeitpunkt des Starts zurück

Ein Schwerpunkt liegt auf der der Funktion "Entdecken", die sich direkt beim Einloggen auf zwei Dritteln der Seite darum kümmert, den Nutzer mit neuer Musik zu versorgen. Neuerscheinungen, redaktionelle Auswahl von Titeln und verschiedene offizielle Charts sollen bei der Auswahl helfen. Mich erinnert die prominente Darstellung der Neuerscheinungen an Deezer und sie übertrifft in meinen Augen die etwas unkoordinierte Ansicht bei Spotify.

Das, was Ampya jetzt kann, ist also durchaus gelungen. Allerdings findet der Nutzer hier praktisch zu diesem Zeitpunkt - von der Videosammlung abgesehen - nichts anderes als das, was er von anderen Diensten bereits kennt. Eher im Gegenteil: Es fehlen Möglichkeiten, wie bei Spotify und Rdio Freunde hinzuzufügen, sich in das einzuschalten, was sie hören, oder Playlists zu abonnieren. Deezer und Spotify bieten darüber hinaus eigene Plattformen für kreative Musik-Apps wie Shuffler.fm oder Songkick. Spotify fördert einige Künstler mit eigenen Profilseiten.

Noch hat es eigentlich keiner der zahlreichen Dienste geschafft, ein anwenderfreundliches Social Network für Musik nach dem Vorbild von Facebook zu schaffen. Aber Spotify und Deezer sind in meinen Augen die Kandidaten, die diese Herausforderung als erste meistern können. Und Ampya? Ist nett gemacht, aber ein Dienst, der schon zum Zeitpunkt des Starts gegenüber der Konkurrenz zurückliegt.

Link: Ampya

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