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13.09.11

Amen und das Unverständnis über den Hype: Genug genörgelt!

Viele Jahre hatten neuartige Startup-Ideen aus Deutschland ein Aufmerksamkeitsproblem. Mittlerweile schaffen einige es ins internationale Rampenlicht. Vom Hype um Amen & Co profitiert die ganze Branche.

 

Illustration: Flickr/bixentro, CC-LizenzJahre lang litten Startups aus Deutschland unter einem erheblichen Aufmerksamkeitsproblem. Abgesehen von Tech-Blogs wie diesem und einigen IT-Portalen interessierte sich kaum jemand für sie, was auch die Nutzerakquisition deutlich schwieriger machte.

In den letzten Monaten jedoch steht die hiesige Internetlandschaft verstärkt im Rampenlicht - nicht nur der deutschsprachigen Medien, sondern auch auf internationaler Bühne. Verantwortlich dafür: Die allgemeine Euphorie um die neue Webhauptstadt Berlin sowie eine Reihe junger, global geprägter Startups. Plötzlich ist er da, der lange vermisste Hype.

Doch mit ihm kommen auch die Nörgler, die sich an der Aufregung um einzelne, in ihren Augen wertlose Startups stören. Schnell fallen Vorwürfe, Blogger und Journalisten ließen sich instrumentalisieren oder würden auf irgendwelche Züge aufspringen. Besonders der gestern vorgestellte Dienst Amen scheint bei manchen Kommentatoren (z.B. hierhier oder hier) Unverständnis über die Intensität und Art der Berichterstattung hervorzurufen (Artikel finden sich u.a. bei heise online, Stern.de, Welt Online sowie einflussreichen US-Blogs wie TechCrunch oder VentureBeat).

Die Denkhaltung, die dabei meist durchschimmert: "Wie kommt es, dass überall über diesen Mist geschrieben wird, während anderen, sinnvolleren Diensten nicht eine Zeile gewidmet wird?!"

Ich kann diesen Gedankengang zum Teil verstehen, halte ihn aber dennoch für vollkommen falsch. Denn: Ein Startup ist mehr als seine Funktionen, ist mehr als das Produkt.

Wenn ich auf netzwertig.com Amen ausführlich vorstelle, dann nicht, weil es das nächste große Dinge wird, oder weil sich hinter dem Service revolutionäre Technologie verbirgt (was meines Erachtens nach beides nicht der Fall ist). Nein, was mich an Amen beeindruckt, ist das Stelldichein von Hollywood-Stars, Silicon-Valley-Geeks und internationalen Investoren (siehe). Das gab es in dieser Form für ein Startup aus Deutschland noch nie.

Aber genau diese Konzentration von aufmerksamkeitswirksamen Faktoren und Glamour benötigt die hiesige Startup-Landschaft, um weiter an Leistungsfähigkeit und Stärke zuzulegen. Denn sie zieht weitere Geldgeber, Gründer, Entwickler und Berichterstatter an. Das ist die Voraussetzung, um das zweifelhafte Copycat-Image der hiesigen Onlinebranche ein für alle Mal zu beseitigen.

Ja, sicherlich ist es schade, dass anstelle von Amen nicht ein deutsches Jungunternehmen mit dem Ziel der Bekämpfung des Welthungers einen deartigen Hype ausgelöst hat. Doch all das kann im nächsten Schritt durch die Beachtung möglich werden, die Amen (und andere gefeierte Trend-Startups) derzeit dem digitalen Standort Deutschland bescheren.

Wer Amen oder ein anderes, nach eigenem Empfinden zu Unrecht gelobtes Startup aus konzeptionellen Gesichtspunkten kritisieren möchte, soll dies tun. Wer im selben Kontext aber die Frage stellt, wieso trotzdem jeder über den jeweiligen Dienst berichtet, hat nicht begriffen, dass zu einem erfolgreichen Startup-Launch mehr gehört, als eine Site online zu stellen und eine Pressemitteilung zu versenden. Amen hat hier viele Dinge richtig gemacht, an denen sich andere Startups die Zähne ausbeißen. Und ist allein deshalb als Objekt einer Berichterstattung attraktiv.

Jedes junge deutsche Startup kann von der derzeitigen internationalen Aufmerksamkeit für den einheimischen Internetstandort profitieren. Gewinner sind die Gründer und Dienste, die diese Gelegenheit nutzen - während andere sich noch immer über die Dynamik des Startup-Ökosystems und die ungerechte Berichterstattung beklagen.

(Illustration: Flickr/bixentro, CC-Lizenz)

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