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13.06.11

Alternative zu Facebook: Diaspora eine zweite Chance geben

Die grundsätzliche Nachfrage nach einer Alternative zu den führenden Social-Web-Diensten scheint nach wie vor zu bestehen - ein Plädoyer, Diaspora eine zweite Chance zu geben.

 

Mein Artikel zum Wunsch nach einer Non-Profit-Alternative zu Facebook und Twitter hat für viele Reaktionen gesorgt. Ich scheine nicht der einzige zu sein, den der Gedanke nachdenklich stimmt, dass zwei Firmen in den nächsten Jahren die Hoheit über die digitale Kommunikation und Interaktion von bis zu einer Milliarde Menschen besitzen.

Und während - wie von einigen Kommentatoren angemerkt - die Bequemlichkeit der Nutzer (wobei "Netzwerk- und Lock-In-Effekte" die korrektere Bezeichnung wäre) eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einer ernstzunehmenden, reichweitenstarken Alternative ist, halte ich deren Entstehung dennoch nicht für ein Ding der Unmöglichkeit. Zumal das Ziel ja nicht sein soll, die zwei Netzwerkgiganten vom Thron zu stoßen und ihre Funktionalität so orginalgetreu wie möglich nachzubilden.

Vorrangig geht es darum, eine Ausweichlösung zu besitzen, die möglichst von vielen Millionen Menschen rund um den Globus verwendet wird und auch im Falle von internen oder externen Eingriffen bei den etablierten Anbietern (z.B. bedingt durch wirtschaftliche oder politische Interessen) zuverlässig verfügbar ist.

Auch wenn ich in meinem Artikel Diaspora nur noch geringe Chancen eingeräumt habe, diese Rolle einzunehmen, glaube ich, dass das von vier New Yorker IT-Studenten im vergangenen Jahr pressewirksam vorgestellte dezentrale Social Network dennoch von allen derzeit existierenden Alternativ-Lösungen der dafür am besten geeignete Kandidat ist.

Selbst wenn Diaspora bisher nicht signalisiert hat, ob es im Falle eines Durchbruchs in die kommerzielle oder nicht-kommerzielle Ecke steuern wird, so qualifiziert der Aspekt der dezentralen Vernetzung das US-Projekt meines Erachtens nach trotzdem als ideale Ausweichlösung zu Facebook. Wer seine Daten nicht auf den offiziellen "Pod" der Diaspora-Macher unter www.joindiaspora.com laden möchte, kann einfach den eines Drittanbieters verwenden oder seinen eigenen Pod starten.

Allein diese theoretische Möglichkeit taugt als Differenzierung von den bisher verbreiteten zentralen Social Networks, bei denen alle Verbindung, Nachrichten und Interaktionen von zwei Nutzern über einen zwischengeschalteten Server laufen, der vom sozialen Netzwerk kontrolliert wird.

In den letzten Monaten hat das Projekt Diaspora leider viel von seinem zum Start versprühten Enthusiasmus verloren - zu sehr beschränkten sich die Macher auf das Entwickeln im stillen Kämmerlein (wobei Mit-Gründer Maxwell Salzberg immerhin bei der re:publica in Berlin erschien, in seinem Vortrag allerdings blass blieb).

Auf der Plattform selbst jedoch geht es voran, und mittlerweile existieren nahezu alle essentiellen Funktionen, um gepflegtes Networking betreiben zu können (selbst das Publizieren zu Facebook und Twitter wurde implementiert).

Insofern hier mein Vorschlag: Wie wäre es, wenn sich alle diejenigen von euch, die der Ansicht sind, eine dezentrale Alternative zu Facebook wäre wünschenswert, heute bei Diaspora einloggen (ein Großteil von euch dürfte mittlerweile ein Konto bei joindiaspora.com haben) und zwei Aktionen (z.B. ein "Like", ein Status-Update oder einen Foto-Upload) durchführen?

Letztlich liegt das Schicksal von Diaspora nämlich in unseren Händen. Je mehr Zeit vergeht, ohne dass Diaspora zurück auf den Radar von Bloggern und Journalisten gelangt, desto geringer sind die Chancen, dass aus dem Projekt noch etwas Bedeutsames wird.

Lasst uns etwas Leben zu Diaspora bringen! Im schlechtesten Fall müssen wir uns anschließend nicht vorwerfen lassen, wir hätten es nicht wenigstens versucht. Und im besten Fall legen wir den Grundstein für eine positive Nutzerentwicklung.

Wer bisher kein Konto beim offiziellen Pod joindiaspora.com besitzt und nicht auf das Eintreffen einer Einladung warten will, kann aus dieser Liste einen anderen Server wählen.

Wer mich zu seinen Kontakten hinzufügen will: martinweigert@joindiaspora.com.

Update: Für alle, die tiefer in die Materie dezentraler Social Networks einsteigen wollen: Hier gibt es einen knapp zweistündigen Podcast zum Thema .

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