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03.06.14

Aggregator für Freizeitunternehmungen: Timply liefert personalisierte Empfehlungen für Aktivitäten

Das Berliner Startup Timply aggregiert Aktiväten von verschiedenen Ticket- und Eventdiensten und verspricht, Nutzern die Unternehmungen vorzuschlagen, die am ehesten zu ihren Interessen passen.

Timply Langeweile gilt nicht unbedingt zu den typischen Problemen, mit denen Menschen in der digitalen Ära konfrontiert sind. Eher im Gegenteil: Dank des Internets und dessen schier unerschöpflichem, mit wenigen Klicks abrufbarem Fundus an Informationen, Unterhaltung und Inspiration liegt die Herausforderung heutzutage eher darin, aus der Menge an existierenden Freizeitaktivitäten die für einen im jeweiligen Moment richtige zu finden. Wer dann trotzdem jeden Tag viele Stunden vor dem Fernseher hängen bleibt, der leidet tendenziell an der Qual der Wahl statt an fehlenden Alternativen. Hier kommt das im April offiziell lancierte Berliner Startup Timply ins Spiel. Die Gründer Oskar Hasinski und Joshua Martinez bezeichnen den Dienst als weltweit ersten persönlichen Freizeit-Tippgeber. Es handelt sich bei Timply um einen Aggregator für unterschiedliche Arten von Aktivitäten, der sich etwa aus dem Bereich der Entdeckung von Medieninhalten bekannter Empfehlungsmechanismen bedient, um Anwendern maßgeschneidert und stimmungsabhängig Vorschläge für Erlebnisse und Unternehmungen zu machen.

Timply bezieht seinen "Content" über eine Reihe von etablierten Ticket- und Aktivitätsplattformen, von GetYourGuide und Virtualnights bis Eventim und Ticketmaster. Das Startup bietet keine eigene Buchungskomponente an sondern fokussiert sich komplett auf die Aufbereitung und individualisierte Empfehlung von Aktivitäten, die von Usern dann auf Drittwebsites gebucht werden können. Für Timply resultieren daraus Affiliate- und Vermittlungserlöse sowie Gelegenheiten, Gutscheine und prominent hervorgehobene Einträge zu verkaufen.

Timply

Über 100.000 Aktivitäten, einsortiert in 13 Hauptkanäle, von "Abenteuer" und "Events" bis "Reisen" und "Sport", umfasst das Angebot. Wer es sich einfach machen möchte, nutzt das Stimmungs-Tool, um Vorschläge passend zur Laune zu erhalten. Timply verspricht auch, im Zeitverlauf die Präferenzen und Interessen der User zu erlernen - unter anderem durch einen Like- und einen "Dislike"-Button, der zu jeder Empfehlung angezeigt wird.

Das Duo hinter dem schon 2012 gegründeten, 2013 in der geschlossenen Beta-Phase getesteten Dienst muss sich nicht vorwerfen lassen, kein Problem zu lösen. Eine personalisierte Orientierungshilfe in der der Frage, was man am kommenden Wochenende unternehmen könnte, tut Not. Die meisten Veranstaltungskalender und Ticketportale haben das Thema individueller Empfehlungen bislang ziemlich vernachlässigt - oder beschränken sich nur auf ihre eigene Plattform.

Leider lässt die Umsetzung von Timply noch einige Wünsche offen. So existiert Timply aktuell nur in einer Browser-Version für den Desktop. Mobile Apps sind laut Co-Founder Joshua Martinez zwar geplant, aber ein Releasedatum gibt es noch nicht. Seiner Aussage nach biete eine Desktop-Variante zum Start eine größere Reichweite als Anwendungen für iOS und Android. Theoretisch mag das stimmen. In der Praxis aber ist ein Angebot wie Timply prädestiniert für den Einsatz auf mobilen Geräten - etwa am Sonntagmorgen im Bett oder beim Kaffee mit Freunden.

Indem sie das mobile Web vernachlässigen, hindern die Timply-Macher nicht nur unternehmungslustige Nutzer am unkomplizierten Stöbern von unterwegs sondern riskieren auch, dass sich ein anderer Akteur dazu animiert sieht, die Rolle des "Tinder für Aktivitäten" (klingt einfallslos, aber das wäre es, was aus Timply werden könnte) einzunehmen.

Auch wirkt Timply einen Tick zu überladen mit überflüssig erscheinenden Funktionen. So bietet der Service beispielsweise Sektionen für die Empfehlung von Medieninhalten an. Das ist gut gemeint, aber verwässert das eigentlich sehr klare Produktversprechen.

Richtig in Angriff genommen könnte ein Service wie Timply viele Freunde finden. Doch ich glaube, dass die Macher des aus eigenen Mitteln sowie mit Kapital eines nicht näher genannten Investors finanzierten Startups sich dazu noch besser in die Situationen hineinversetzen sollten, in denen User von einem derartigen Angebot am ehesten Gebrauch machen. Simplizität und mobile Optimierung sind die zwei Kriterien, die meines Erachtens nach unbedingt erfüllt sein müssten - neben treffgenauen Vorschlägen natürlich. /mw

Link: Timply

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