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14.11.06

Ärger total über die TV-Rechnereien vom Facts

288304[1]Das " Facts " empört sich in der Titelgeschichte " Ärger total " (ePaper nur für Abonnenten), wie sehr das neue, digitale Fernsehen am Bedarf der Zuschauer vorbei geht. Die erste Seite des Artikels ziert ein Foto von Oliver Nanzig mit einem unweit der Facts-Redaktion scheinbar aus dem Fenster geworfenen Fernseher (gähn...) mit dem Untertitel: "Erboste Zuschauer sehen die Grundversorgung in Gefahr".

 

Wer sich im Zürcher Kreis 4 auskennt, sieht auf dem Foto (gross) am Kino "Plaza" im Hintergrund, dass der Fernseher beim Helvetiaplatz liegt, Ecke Ankerstrasse/Stauffacherstrasse. Auf der linken Seite ist das Volkshaus, gegenüber das "Kanzlei"-Gebäude, hinter dem Betrachter das Sozialamt. Die nächste Privatwohnung dürfte mindestens 50 m entfernt sein. Wer auch immer da so erbost war - er konnte in seiner Wut verdammt weit werfen...

Aber zur Sache. Falsche Aussagen werden nicht richtiger dadurch, dass man sie oft wiederholt. Im Moment haben viele Journalisten ihren Spass daran, in der komplizierter gewordenen "Triple-Play"-Landschaft (Telefon, Internet und TV können alle beim selben Anbieter bezogen werden) die Preise so zusammenzusetzen, dass möglichst eindrückliche Zahlen herauskommen. Im Facts-Artikel wird lustig in alle Richtungen polemisiert: gegen Cablecom, Swisscom und die SRG - natürlich kann man alle drei kritisieren, aber es geht immer um völlig verschiedene Sachverhalte.

Der Preis von Bluewin TV wird im Editorial fröhlich irgendwie addiert:

Facts Aerger-total S3 2006-11-09

... und im Text auf Seite 18:

Eine Woche nach dem Start (von Bluewin TV) ist die Ernüchterung gross: Von wegen mehr Konkurrenz bringt tiefere Gebühren: Selbst in der Minimalvariante kostet Bluewin TV rund 64 Franken im Monat. (...) Fazit: noch ein High-End-TV für ein paar Tausend Freaks, denen nur das beste gut genug ist.

Das ist natürlich totaler Quatsch, denn hier werden Telefon- und Internetanschluss mitgerechnet. Ein paar Seiten weiter sieht man in einer Übersicht, dass die Autoren das durchaus wissen:

Facts Aerger-total S22 2006-11-09

Wie eingangs gesagt, in der neuen Welt, in der nicht mehr der Telefonanschluss von Swisscom und der Kabelanschluss von Cablecom kommen muss, kann man sich alles irgendwie zusammenrechnen. Tatsache ist aber unbestreitbar, dass bisher die meisten Leute noch nicht gewechselt haben. Ich muss mal die Zahlen nachschlagen, aber wahrscheinlich telefonieren mindestens 80% der Leute mit Swisscom und schauen Fernsehen mit ihrem lokalen Kabelanbieter, und dann haben auch noch mehr als 50% der Haushalte inzwischen Breitband-Internet (und zwar nicht die Minimalvariante - hier wäre das Wort berechtigt - "ADSL 150" für 9 Franken, sondern eine für 40 bis 80 Franken. Diese Leute geben also im Moment sowieso schon zwischen 60 und 100 Franken für Kommunikation aus - das digitale Fernsehen kommt dann noch dazu bzw. neue Pakete substituieren die anderen Angebote.

Man kann natürlich argumentieren, dass man auch 29 Franken viel zu teuer findet, dass Bluewin es auch nicht besser macht als Cablecom, dass die meisten Wohnungen mehrere Fernseher haben und so weiter, was alles Andreas Ahlenstorf in der Infoweek tut. Aber wie hier im Facts mehrfach zu behaupten, Bluewin TV koste "in der Minimalvariante 64 Franken" ist meiner Meinung nach absichtlich böswillig.

(Disclaimer: Meine Firma Zeix arbeitet für Swisscom Fixnet, auch für "Bluewin TV". Ich hatte mit dem Projekt, das im letzten Jahr während meines Vaterschaftsurlaubs anlief, allerdings nichts zu tun. Ich habe Bluewin TV als ganz normaler Abonnent bestellt und werde in unserem Blog neuerdings.com in den nächsten Tagen einen mehrteiligen Erfahrungsbericht posten.)

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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