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15.09.14

“Abhörsichere VPN-Server”: Wie CyberGhost Crowdfunding nutzt, um seine Produktpalette zu erweitern

Nach elf Tagen hat eine Crowdfunding-Kampagne des ursprünglich aus Deutschland stammenden VPN-Anbieters CyberGhost das Finanzierungsziel erreicht. Das Unternehmen erkannte das Potenzial, das sich aus der Schwarmfinanzierung für das Marketing von Erweiterungen der Produktpalette ergibt.

Anfang Juni gab der in Deutschland gegründete , mittlerweile aber in Rumänien ansässige VPN-Anbieter CyberGhost seine Pläne bekannt, die Errichtung eines abhörsicheres Rechenzentrums in Teilen über Crowdfunding finanzieren zu wollen. Weitgehend unbeachtet von der Presse startete die 2004 in Ulm gegründete Firma um CEO Robert Knapp vor anderthalb Wochen die Kampagne . Elf Tage später und 50 Tage vor Ende der Aktion ist das Finanzierungsziel von 50.000 Euro durchbrochen worden. CyberGhost bezeichnet das Vorhaben, welches aus den über die Kampagne eingenommenen Geldern finanziert werden soll, als “#NoSpyProxy-Datencenter”. Während der Service bislang Server an zahlreichen Standorten in der Welt anmietet, soll mit der Einrichtung eigener Rechenzentren eine lückenlose Kontrolle der Hardware möglich werden. Denn bei der herkömmlichen Anmietung von Servern könne zwischen Hardwarechecks zumindest nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden, dass sich Geheimdienste an einer Infiltrierung versuchen. Indem CyberGhost, das laut eigenen Angaben seinerseits 50.000 Euro aus eigenen Mitteln in die Schaffung besagter Datencenter investiert, die Hardware selbst betreibt, wolle es das Risiko von Überwachung abermals verringern.

CyberGhost

Es ist interessant zu beobachten, wie CyberGhost eine über Indigogo abgewickelte Crowdfunding-Aktion nutzt, um ein neues Produkt zu lancieren und gleichzeitig Stammkunden zur Verlängerung ihrer aktiven Abos zu bewegen. Denn die Unterstützer-Pakete enthalten sowohl eine Verlängerung existierender CyberGhost-Premium-Abos als auch eine Erweiterung um die einzuführenden #NoSpyProxy-Datencenter. Dabei gewährt das Unternehmen recht umfangreiche Preisnachlässe im Vergleich zu den Listenpreisen. Genau genommen gibt es für Unterstützer keine Möglichkeit, als Gegenleistung für die Bereitstellung von Geldmitteln ausschließlich Zugriff auf die neuen, besonders abhörsicheren Server zu erhalten. Ein vollwertiges Premium-Konto für zwölf Monate ist immer dabei. Allerdings liegt die Preisdifferenz zwischen dem regulären Preis für ein Premium-Konto und einem über die Kampagne erworbenen Paket, welches Premium-Konto mit 328 regulären Servern sowie #NoSpyProxy-Server beinhaltet, bei jeweils nur rund 20 bis 30 Euro. Der alleinige Wert des Zugriffs auf die 48 #NoSpyProxy-Servers wird von dem Unternehmen mit 59,99 Euro angegeben.

Wer CyberGhost nutzt, erhält regelmäßig Newsletter von dem Unternehmen, in denen für die Verlängerung des Abos erhebliche Nachlässe auf die Listenpreise gegeben werden. Insofern darf man getrost davon ausgehen, dass diese sehr wenig darüber aussagen, zu welchem Preis die Mehrzahl der Anwender des Dienstes ihre Premium-Services erworben hat.

Theoretisch hätte das Unternehmen auch einfach eine Mail an alle Kunden schicken können, in der es auf die neuen abhörsicheren Servern hinweist und für Bestandskunden ein Upgrade für einen Betrag von rund 20 Euro anbietet. Dann aber wäre für andere Anwender nicht ersichtlich gewesen, wie groß das Interesse ist. Für ihre eigene Kaufentscheidung könnte dieses Wissen hilfreich sein. Zudem hätte das Unternehmen eine Leistung versprochen, die eine größere Anfangsinvestition (in den Kauf und die Unterbringung eigener Server) erfordert - was aufgrund der Gefahr einer schwachen Nachfrage ein größere Risiko mit sich gebracht hätte. Eine Crowdfunding-Kampagne löst alle Probleme und hat außerdem einen höhere Publicity-Wert.

Die Schwarmfinanzierung ist und bleibt ein wegweisendes und bahnbrechendes Finanzierungsmodell, das - wie CyberGhost zeigt - selbst für bestehende Firmen, die ihr Produktangebot erweitern und dabei erst einmal die Nachfrage testen wollen, eine Eignung besitzt. /mw

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