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09.06.14

18-Milliarden-Dollar-Startup: Wie Uber Taxiverbänden davonfährt

Uber sammelt 1,2 Milliarden Dollar ein und wird mit 18,2 Milliarden Dollar bewertet. Eine bessere Taxi-App, die keiner nutzt? Wer das glaubt, kann sich getrost an den Bahnhof setzen und zusehen, wie der Zug abfährt.

AutoGrundsätzlich müssen wir einen Fakt festhalten, um zu begreifen, warum viele Deutsche Uber nicht verstehen: Deutschland, der bisher größte unerschlossene Markt für Uber, funktioniert anders, als zum Beispiel San Francisco, wo der Unternehmen 2009 gegründet wurde. Wer dort mal versucht hat abends ein Taxi zu ergattern, sieht schnell ein, weshalb Uber in der "City by Bay" Potential hat. In Deutschland ist das anders: Taxis, und zwar mit einem höheren Sicherheitstandard als jede amerikanische Klapperkiste, gibt es an jeder Ecke. Außerdem fahren viele Menschen Fahrrad und profitieren von einem sehr guten Nahverkehrnetzwerk.

Trotzdem: Geplant ist, dass Uber noch dieses Jahr in sechs bis sieben weiteren Städten den Kunden die Türen aufhält. Uber und die Gesetze

Weltweit hat Uber mit unzähligen Klagen zu kämpfen. Während die einstweilige Verfügung in Deutschland unter anderem damit begründet wurde, dass die Limousinen nicht zurück an eine Zentrale fahren, wird in London angemarkert, dass es keine Taxameter gibt.

“Wir arbeiten mit [ein oder zwei] Anwälten und Lobbyisten [pro Stadt], die mit den örtlichen Regulierern sprechen”, erklärt Emil Michael, Senior Vice President of Business bei Uber, gegenüber dem Focus. Und fügt hinzu: “Wichtiger ist, dass wir die Unterstützung unserer Kunden und unserer Fahrer haben. Und wenn sie ihre Stimme erheben, hören politische Entscheider meist auch zu. Sie sind unsere mit Abstand wichtigsten Fürsprecher.”

Und hier liegt der entscheidende Unterschied: Unternehmen haben kein (großes) Problem, wenn die Konkurrenz sie nicht mag. Unternehmen haben ein Problem, wenn die Nutzer sie nicht mögen. Lieben Nutzer jedoch ein Unternehmen, stellen sie sich mit auf die Seite und boykottieren das feindliche Lager.

Dein Freund, der Kunde

Abgesehen von Taxiverbänden findet Uber jede Menge Fürsprecher. Dies passiert auf drei Ebenen: Den Nutzern, den Fahrern, den Kooperationspartnern.

Gegenüber INC. erklärt Uber CEO Travis Kalanick das noch mal genauer: “Was wir in Chicago gemacht haben und auch in allen anderen Städten machen, ist unseren Nutzern zu erklären, dass sie was unternehmen müssen – ihrem Bürgermeister oder Abgeordneten emailen.” Und fügt hinzu “Uber-Nutzer sind wohlhabende, einflussreiche Leute in ihren Städten. Wenn wir eine kritische Masse erreichen, wird es unmöglich werden uns zu verbieten.”

Weitere Uber-Freunde: Die Fahrer

Auch, wenn es von Uber -Fahrern einiges zu bemägeln gibt: Uber versucht auch auf Fahrerseite Freunde zu finden. So hat Michael mit Toyota und GM spezielle Deals für Uber-Fahrer abgeschlossen, damit diese günstiger Wagen bekommen können. Deals gebe es außerdem mit Tankstellenfirmen. Die rekrutierten Fahrer werden zudem von Uber ausgebildet und man zeige ihnen, wie sie die Kosten niedrig halten, erklärt er. Viele Fahrer sind wichtig für Uber, denn diese liefern –angeblich– 22 Millionen US-Dollar Umsatz – PRO WOCHE.

Partnerschaften: Gemeinsam in die Zukunft

Wenn partnern, dann richtig. Zum Beispiel mit Google Maps, um im Transportmittelvergleich neben zu Fuß, mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch noch Uber als Funktion angezeigt zu bekommen – und direkt zu buchen. Und das kann ein Killerfeature sein: Die Zeitersparnis im Verhältnis zu anderen Fortbewegungsmitteln zu sehen und sofort zu buchen, schießt den Gedanken, eine weitere App zu öffnen und irgendwie ein Taxi zu rufen, komplett ins Aus.

Weiter äußerte Michael großes Interesse an Googles selbstfahrenden Autos. Das wird, allein aufgrund der Regulierer, aber wohl noch etwas brauchen.

Fakt ist dagegen, dass Uber ab diesem Sommer auf allen von AT&T angebotenen Android-Smartphones vorinstalliert sein wird. Es finden sich verschiedene Statistiken, ob das nun förderlich ist oder nicht, aber sind wir mal ehrlich: Schaden wird es auf keinen Fall, eher das Gegenteil ist zu erwarten.

Menschen transportieren ist gut, für Menschen zu transportieren ist besser

Denn Menschen gibt es viele, aber Sachen, die es auszuliefern gibt, gibt es noch viel mehr. Uber machte von sich reden, zum Beispiel mit der Aktion “Ausliefern von Wehnachtsbäumen” (oder viel mehr die Mithilfe) oder dem Versuch, New York City mit Eiscreme zu versorgen (oder: wie aus #OMGUberIceCream #OMGUberFail wurde). Ganz neu: Uber liefert die technisch ausgeklügelten Klimaanlagen von  Quirky in New York aus. Nicht etwa in einer schwarzen Limousine, sondern, so Fast Company, in einem einem gebrandeten Eiswagen. Alles zum Ladenpreis.

Das ist alles? Nein: Uber "liefert" auch Mexikanische Bands in San Francisco und bietet in sieben Städten Eis-Lieferservices an.

Zurück in die Zukunft

Was soll der Quatsch, ist die eine Frage. Was heißt das für die Zukunft, wäre die andere.

Es geht nicht mehr lange um das Herumfahren von Leuten. Schaut man sich das “Big Picture” an, könnte Uber irgendwann zum All-in-one Delivery Service werden. Warum nicht einen Dienst für – überspitzt gesagt – Pizzalieferung, Supermarkteinkäufe und das neue iPhone, das man gerade auf Ebay ersteigert hat, anbieten?

Die Lieferung am selben Tag ist ein großes Thema, aber sie ist für einzelne Händler zu teuer. Uber gewöhnt die Nutzer langsam daran, dass sie zum Beispiel ihre Klimaanlage mit der App ordern können. Was immer als nächstes kommt, wird mit Sicherheit dankend angenommen.

Für Händler könnte dies durchaus attraktiv werden. Anstatt die Logistik erst selbst auf die Beine stellen zu müssen, könnten sie mit Uber kooperieren.

Uber, das bessere Taxi? Nein, sagt Emil Michael.  “Uber befriedigt eine Nachfrage, für die es zuvor einfach gar kein Angebot gab."

Das sei mal so dahingestellt.

Doch statt das eigene Konzept weiterzuentwickeln, basteln alteingesessene Unternehmen an ihrem Untergang. Sie klagen und beschäftigen sich mit dem Kleingedruckten, während Uber das Ablenkungsmanöver nutzt und ganz entspannt verschiedene Märkte aufrollt.

Sollten hier irgendwann Exklusivverträge auf dem Tisch liegen, verstehen wir vielleicht, dass nicht die App, sondern die langfristige Strategie 18,2 Milliarden Dollar wert sein kann, und dass Uber damit zum wertvollsten Tech-Unternehmen aller Zeiten wurde.

Foto: Close up human hand opening car door, Shutterstock

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