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11.09.07

17 Regeln für Startup-Ideen

Im Moment kriege ich hier in Boston viel über die Funktionsweise der amerikanischen Startup-Szene mit, und die europäische kenne ich aus eigener jahrelanger Anschauung. Aus mehreren eigenen Firmengründungen und weil ich selbst gerade wieder an einer neuen Startup-Idee bastle, weiss ich auch selbst sehr gut, wie schwer Unternehmertum ist.

Aber trotzdem bin ich oft ziemlich erstaunt darüber, mit wie viel (oft leider ungesunder) Naivität viele Firmengründer ihre Geschäftsideen zu lancieren versuchen. Und der Internet-Bereich scheint da manchmal eine besonders gefährliche Kombination von Blauäugigkeit, übersteigertem Weltveränderungs-Ehrgeiz und Get-Rich-Quick-Mentalität anzuziehen.

Inspiriert von diesen Erlebnissen darum hier ein paar Regeln für (Web-)Startup-Ideen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder absolute Richtigkeit.

Soll nicht besserwisserisch sein, sondern nur ein paar Einsichten komprimiert zusammenfassen:

1. Eine Idee allein ist nichts wert. Nur die Umsetzung zählt.

2. Ein paar Dutzend andere Leute hatten die gleiche Idee auch schon. Ein paar arbeiten schon an der Umsetzung.

3. Wenn die Idee so originell ist, dass sie wirklich noch niemand sonst hatte, ist sie fast sicher schlecht.

4. Man kann natürlich immer versuchen, eine schon existierende Sache deutlich besser zu machen. Haben Google oder Dell schliesslich auch geschafft. Aber dann muss man es auch wirklich sehr, sehr viel besser machen. Nicht nur ein bisschen.

5. Einfacher Test für Ideen zu konsumentenorientierten Internetdiensten: Welcher Prozentsatz des eigenen Bekannten-/Verwandtenkreises könnten und würden diesen Dienst gern heute benutzen (nicht in ein paar Jahren, nicht abhängig von technologischen Durchbrüchen, nicht abhängig von anderen Veränderungen)? Wenn es weniger als 20% sind, ist die Idee wahrscheinlich zu exotisch.

6. Einfacher Test für Ideen zu enterprise-orientierten Ideen: Kennt man einen potentiellen Kunden? Wie reagiert der, wenn man ihm von der Idee erzählt? Würde er das Produkt kaufen? Heute? Gegen einen ansehnlichen Geldbetrag? Wenn nicht: Zurück auf Start.

7. "Build it, and they will come" ist keine Strategie.

8. "Google/Microsoft/Yahoo/Rupert, bitte kauf mich möglichst früh" ist auch keine Strategie.

9. Ein klares Geschäftsmodell zu haben, ist keine Schande.

10. Das Geschäftsmodell in einem Satz erklären zu können, ist auch keine Schande.

11. Geschäftsmodelle ändern sich im Lauf der Zeit. Aber man muss immer eins haben. "Wir überlegen uns später, wie wir damit Geld verdienen" ist kein Geschäftsmodell.

12. Das beste Geschäftsmodell ist immer noch, von den Benutzern eines Produktes/Dienstes direkt Geld zu verlangen.

13. Wenn man indirekt Geld kriegt, z.B. über Werbung, wird es deutlich schwieriger. Wenn die indirekte Einkommensquelle über mehr als zwei Ecken geht, wird es praktisch unmöglich.

14. Werbung ist konjunkturabhängig. Das gilt auch für Internetwerbung. In der nächsten Rezession werden die Werbeausgaben unweigerlich schrumpfen, ohne dass man was dagegen tun kann. Das muss man überleben können, wenn man auf Werbeeinnahmen setzt.

15. Mashups sind cool, aber schlechte Geschäftsideen. Von einer anderen Plattform total abzuhängen, kann schnell tödlich enden.

16. Die meisten Gründer denken entweder zu wenig (gar nie) oder zu viel (ständig) über Exit-Strategien nach.

17. Die Umsetzung dauert immer länger als man denkt. Immer.

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