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31.03.11

+1: Googles jüngster Schritt zu mehr Miteinander

Google spendiert sich und seinen Usern mit dem +1 button ein Gegenstück zu Facebooks Like-Button. +1 soll die Suche sozialer und relevanter gestalten und in Kürze auch auf externen Websites auftauchen.

 

Eine gefühlte Ewigkeit ist es nun her, dass erstmals über Googles angebliche Pläne eines Facebook-Konkurrenten gemunkelt wurde. Dass der Such- und Werbegigant dem aufstrebenden sozialen Netzwerk etwas entgegensetzen muss, um im Rennen um die Aufmerksamkeit und Zeit der Nutzer nicht den Anschluss zu verlieren, ist zwar offensichtlich. Doch Details ließ sich das Unternehmen aus Mountain View so gut wie keine entlocken.

Stattdessen beschränkte es sich in den letzten Monaten darauf, die ein oder andere Funktion umzubauen und die eigenen Webangebote für den geplanten Vorstoß in den Social-Web-Bereich fit zu machen. Hier Justierungen bei der Suche, dort ein Profil-Redesign - auf den mit einem großen Knall einhergehenden Launch eines Facebook-Angreifers mussten User und Beobachter bisher warten.

Ob dieser überhaupt kommt, ist fraglich. Immerhin hat Google eher weniger gute Erfahrung damit gemacht, Produkte aufmerksamkeitsstark vorzustellen (wir erinnern uns an Google Wave oder Google Buzz). Oder anders ausgedrückt: Nochmals möchte der nach dem Rückzug von Eric Schmidt gerade wieder auf dem Chefsessel eingetroffene Firmengründer Larry Page sicher nicht die ganze Welt auf ein Feature hinweisen, welches sich später als Flop herausstellt.

Ganz von der Nutzerschaft unbeachtet werden sich die sozialen Elemente, die Googles Herrschaft im Netz auch für die neue Dekade sichern sollen, aber in keinem Fall etablieren lassen. Auch dann nicht, wenn Google diese zu Beginn nur im experimentellen Status zur Verfügung stellt - wie den am Mittwochabend präsentierten +1 button.

Der +1 button lässt sich am einfachsten als Googles-Äquivalent zu Facebooks Like-Button beschreiben. In der ersten Phase taucht die Schaltfläche neben Websites und Anzeigen auf den Google-Ergebnisseiten auf. Sie signalisiert einerseits, wie viele User das jeweilige Angebot für gut befunden haben, und erlaubt andererseits, dieses durch einen Klick selbst zu favorisieren.

 

Google erläutert in diesem Blogbeitrag, dass der +1 button relevante Empfehlungen liefern soll. Deshalb berücksichtigt er in erster Linie die Aktivitäten der Google-Kontakte. Demnächst sollen jedoch auch Kontakte aus dem erweiterten Netzwerk (wie z.B. von Twitter) einbezogen werden, deren Empfehlungen ja bereits heute im Rahmen von Googles Social Search im Umfeld von Suchergebnissen auftauchen. Das Google Dashboard gibt unter dem Punkt "Social Circle and Content" einen Überblick über das bisher über Google gesponnene Kontaktnetz.

In einigen Wochen sollen +1 buttons auch auf anderen Google-Sites sowie bei Drittanbietern erscheinen, was einmal mehr die Parallele zu Facebooks Like-Button unterstreicht. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass sämtliche Aktivitäten rund um die Buttons (derzeit noch) nicht wie bei Facebook in einem Newsstream landen, sondern sich primär auf die Suchergebnisse auswirken: Je mehr Vertreter aus dem persönlichen Kontaktnetzwerk eine Site mit einem +1 versehen haben, desto relevanter ist diese in den Augen von Google für den Nutzer.

Sämtliche durch das Betätigen des +1 buttons ausgedrückten Präferenzen für Onlineangebote sind grundsätzlich öffentlich, können also anderen Usern auf den Google-Ergebnisseiten sowie in einem späteren Stadium auf externen Sites präsentiert werden. Das persönliche Google Profil soll sämtliche Sites auflisten, die man mit einem +1 versehen hat. Diese Zusammenstellung ist in der Grundeinstellung nicht öffentlich, kann jedoch auch anderen zugänglich gemacht werden.

Um bereits heute die +1-Funktionalität ausprobieren zu können, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein: Zum einen benötigt man ein Google Profil, das hier angelegt werden kann. Außerdem muss man in das eigene Google-Konto eingeloggt sein, das brandneue Feature im Experimental-Bereich von Google aktivieren (auf "Join this Experiment" klicken) und zudem Google.com in der englischen Sprachvariante verwenden. Und selbst wenn all dies erledigt wurde, kann es sein, dass in den SERPs trotzdem keine +1 buttons auftauchen (wie es bei mir der Fall ist). Dann ist ganz einfach etwas Geduld angebracht.

Abgesehen von der Tatsache, dass 1+ auch neben Google-Anzeigen erscheint und so generierte "Likes" den gleichen Status besitzen wie +1-Favorisierungen "normaler" Suchergebnisse, und dass Googles Namenswahl (gerade in anderen Sprachen) zu allerlei rheotorischen Verrenkungen führen wird (im Blogpost wird "+1’d" tatsächlich als Verb im Präteritum verwendet), lässt sich aktuell nicht viel mehr zu der Neuerung sagen - zumindest nicht, bevor man sie nicht über einige Zeit in Aktion gesehen hat.

Potenzial hat +1 sicherlich. Aber diese theoretische Aussage gilt für die meisten Produkte, die der reichweitenstarke Webgigant entwickelt. Lassen wir uns überraschen, wie die Funktion (nach ihrem offiziellen Launch) von den Nutzern angenommen wird und sich auf externen Websites außerhalb des Google-Territoriums verbreitet. Beides sind wichtige Faktoren, die über Erfolg oder Misserfolg von +1 entscheiden. Zudem dürfte Googles Bestreben, seine Angebote besser miteinander zu verknüpfen und sozialer zu gestalten, mit +1 noch nicht abgeschlossen sein.

Update: Nun ist +1 bei mir aktiviert. Hier findet ihr z.B. mein öffentliches Google Profil mit meinen via +1 favorisierten Sites (der Reiter muss bewusst aktiviert werden und ist in der Standardeinstellung für fremde User unsichtbar).

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