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05.09.16Kommentieren

Automobiltechnik

Markt der Zukunft: Selbstständig fahrende Fahrzeuge

Jürgen Kroder

Google und Mercedes erproben es, Tesla hat es teilweise und Yandex will es haben. Wovon wir reden? Vom autonom fahrenden Fahrzeug. Seit ein paar Jahren hört und liest man zunehmend von Firmen, die mit „Roboter Autos“ experimentieren. Wir geben einen Überblick.


(Bild: Mercedes-Benz)

Autonom fahrende Autos liegen im Trend

Tesla ist in aller Munde. Einerseits, weil sich die Modelle zunehmend besser verkaufen. Andererseits, weil der Autopilot für Unfälle sorgte – sogar für tödliche. Trotzdem steckt das kalifornische Start-up den Kopf nicht in den Sand, sondern arbeitet weiterhin an der Idee, ein komplett selbstständig fahrendes Auto auf den Markt zu bringen. Denn: Obwohl der Name „Autopilot“ suggeriert, der Bordcomputer würde einem zu 100 Prozent das Fahren abnehmen, stimmt das nicht. Stattdessen handelt es sich hierbei um ein Assistenzsystem, mit dem man beispielsweise für kurze Zeit auf der Autobahn fahren kann, ohne die Hände am Steuer zu haben. Mehr nicht.

Das komplett eigenständig agierende Fahrzeug gibt es noch nicht - zumindest nicht in einem richtig massentauglichen Stadium. Doch es vermelden immer mehr Unternehmen, dass sie daran arbeiten. Zum Beispiel tüftelt Google bereits seit 2009 an selbstständig agierenden Fahrzeugen, Mercedes schicke 2013 eine entsprechend umgebaute S-Klasse auf die Autobahn. Auch die Fahrdienstvermittler Uber und Lyft erproben sogenannte „Roboter Autos“. Audi möchte 2017 einen A8 mit Teilautonomie auf die Straßen bringen, wodurch pilotiertes Fahren bis 60 km/h möglich sein soll. Ford, Volvo und GM erproben ebenfalls schon autonom fahrende Autos.

Man könnte die Liste mit namhaften Playern fortführen. Sicherlich kommen noch einige hinzu. Vielleicht wird auch Apple dazugehören? Es ist sicher, dass die Company aus Cupertino im Bereich Automotive aktiv ist. Was allerdings hinter dem ominösen Namen „Project Titan“ ausgeheckt wird, ist – wie immer – streng geheim. Vielleicht wird es ein Robo-Auto? Vielleicht sind es auch „nur“ Software- und Hardware-Komponenten für die Vehikel von morgen?

Robo-Autos sind nur ein Teil der Zukunft

Das autonom fahrende Auto ist ein Ziel, das diverse Teams verfolgen. Das Ergebnis könnte unter anderem in einer neuartige Form von Taxis münden, die man per Smartphone oder Smartwatch bestellt. Doch die Möglichkeiten für selbstständig fahrende Fahrzeuge sind viel größer, als Menschen ganz individuell von A nach B zu bringen - zum Beispiel im Segment des Massentransports im öffentlichen Nahverkehr. Hier gibt es bereits erste handfeste Ergebnisse, die schon über die Straßen rollen. Zum Beispiel kommen in Griechenland, in der Schweiz und in Finnland eigenständig agierende Busse zum Einsatz. Und der russische Suchmaschinen-Betreiber Yandex möchte ab 2017 den Markt erobern.

Taxis und Busse sind naheliegende Einsatzzwecke für „Roboter Fahrzeuge“. Das ist aber nicht alles.  Ein weiteres Forschungsfeld sind selbstständig fahrende LKW, welche eigenständig die Waren abholen und ausliefern. Auch die Landwirtschaft soll autonomer betrieben werden. Beispielsweise, indem man wie bei den Prototypen von New Holland seine Traktoren mittels App programmiert, damit sie sich ohne menschliche Unterstützung um die Äcker kümmern.


(Bild: New Holland)

Wann kommt das massentaugliche, selbstständig fahrende Auto?

Obwohl man bei so viel Innovationskraft den Eindruck erhalte könnte, die selbstständig fahrenden Autos, Laster, Busse und Traktoren könnten schon morgen Taxi-, Bus- und LKW-Fahrer sowie Landwirte arbeitslos machen, so täuscht das. Die Disruption der Automobilbranche hat erst begonnen. Die Technologie ist noch nirgends so ausgereift, dass man sie im großen Stil auf die Straße schicken könnte.

Es gibt noch viele Fragen zu klären. Und das in technischer, rechtlicher und auch ethischer Hinsicht. Zum Beispiel: Wie soll sich ein Bordcomputer entscheiden, wenn plötzlich ein Kind auf die Straße springt? Soll das Kind geschützt werden, indem ein waghalsiges Ausweichmanöver vollführt wird, bei dem dann der Fahrer oder andere Menschen in Lebensgefahr kommen könnten?

Dass die „Robot Cars“ im großen Stil kommen, darüber besteht kaum Zweifel. Doch Experten gehen davon aus, dass nicht vor 2020 die ersten großen Flotten die Straßen erobern werden. Wahrscheinlich wird es eher 2025 oder 2030, bis sich viele Autobesitzer während der Fahrt zurücklehnen können oder die Taxifahrer sich einen neuen Job suchen müssen.

Bis dahin vergehen noch einige Jahre. Spannende und herausfordernde Jahre, in denen die fortschreitende Digitalisierung nicht nur die Automobilbranche bewegt, sondern viele andere Branchen. Es ist eben nichts so beständig wie der stetige Wandel… 

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