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02.07.13

ZTE Open: Verlockender Preis für das Firefox Phone

Mozilla, Verfechter des offenen Webs, hat gestern voll Stolz den Start der beiden ersten Smartphones mit dem eigenen Betriebssystem Firefox OS vorgestellt. Das ZTE Open wird in Spanien nur 69 Euro kosten. Und genau genommen nicht einmal das, wenn man die 30 Euro Startguthaben abzieht. Ein verlockender Preis, trotz der schwachen Hardware.

Firefox OS - die große Hoffnung für Carrier wird es auf Hardware zu günstigen Einstiegspreisen geben. Bilder: Mozilla, ZTE

Wir haben uns in den vergangenen Monaten oft gefragt, wie sehr die Preise bei den Smartphones noch ins Rutschen kommen. Nokias Asha-Serie für Preise unter 100 Euro ist in seiner Funktionalität nicht mit modernen Smartphones zu vergleichen. Doch auch halbwegs solide Verteter mit Android oder Windows Phone sind bereits unter 200 Euro zu haben.

Dass es nun auch "echte" Smartphone-Betriebssysteme für weit unter 100 Euro gibt, beweisen ZTE und Mozilla: Das ZTE erhält man in Spanien bei Telefónica stark subventioniert für nur 69 Euro. 30 Euro davon sind ein Startguthaben.

 

 

Billighardware

Für den Preis erhält man nichts, was mit heutigen High-End-Telefonen oder gar denen am unteren Spektrum vergleichbar wäre. Das ZTE Open hat einen 3,5-Zoll-Bildschirm mit einer denkbar geringen Auflösung von 480 mal 320 Pixeln, der Akku fasst nur 1.200 mAh (Topgeräte haben heute 2.000 mAh und mehr). Ebenso gering sind die Auflösung der Kamera (3,2 Megapixel, Standard sind heute 8) und der Arbeitsspeicher mit 256 MB (512 sind es eigentlich überall sonst mindestens). Der Hauptspeicher wirkt mit 512 MB gerade zu lachhaft klein, auch wenn er sich mit einer MicroSD-Karte aufrüsten lässt. Der Hersteller, der heute nicht mindestens 8 GB in sein Smartphone packt, wird für gewöhnlich in Grund und Boden geschrieben.

Doch unterm Strich steht dieser Preis: 69 Euro. Und da ist die 4 GB große MicroSD-Karte schon mit drin. 30 Euro Prepaid-Guthaben natürlich auch noch. Und eben Firefox OS. Das wirkt optisch stark wie eine Mischung aus dem alten iOS und Android 2.3, soll sich aber vor allem ressourcenschonend und anwenderfreundlich zeigen. Apps, die in HTML5 programmiert werden, sollten denn auch nicht zu viel von den 512 MB Speicher wegnehmen. Mozilla preist vor allem seine adaptive App-Suche an. Wer im Firefox OS etwas sucht, erhält nicht nur Ergebnisse der Websuche und des Systems, sondern auch passende Apps. Wer etwa nach Musikstücken sucht, soll auch Angebote für Konzerttickets und ähnliches finden. Populäre Apps, die von Anfang an dabei sind, sind etwa AccuWeather, Facebook, Twitter, SoundCloud und Nokia Here Maps.

Goldgräberstimmung bei Carriern?

Machen wir uns trotzdem nichts vor: Firefox OS wird nicht das gleiche Nutzer-Erlebnis bieten wie Android und iOS. Tests müssen es genau zeigen, aber ich erwarte bis auf wenige eigene Clues wie eben die adaptive App-Suche wenig anderes als das, was iOS und Android vor drei Jahren schon hatten.

Aber bitte: 69 Euro, oder eigentlich 39? Da wird man nicht viel falsch machen, wenn man das einfach einmal ausprobiert. Und gerade solche Technikinteressierten könnten Mozilla und die Carrier-Partner mit solchen Preisen zusätzlich zu den anvisierten Kunden in Schwellenländern anlocken. Die Carrier wie eben Telefónica sehen in dem neuen System eine wahre Schatztruhe, haben sie doch die Möglichkeit, das System anzupassen, eigene App Stores darauf zu installieren und dann endlich, endlich am florierenden mobilen App- und Content-Markt mitzuverdienen. Da lohnt es sich auch, die Geräte, wie im Falle des ZTE Open, kräftig zu subventionieren. Auch die Deutsche Telekom will dieser Tage einen Preis für das ähnlich ausgestattete Alcatel OneTouch Fire bekannt geben, das zunächst in Polen verkauft werden soll. Hier darf man ebenfalls Preise unter 100 Euro erwarten.

Es ist die bekannte Billigstrategie. Aber sie kann aufgehen, wenn das Nutzererlebnis stimmt. Und hier sehe ich bei Firefox OS größere Chancen als bei Nokias Asha, dem die fehlende Klasse im Vergleich zu Android deutlicher anzusehen ist. Es wird spannend sein zu sehen, wie teuer stärker ausgerüstete Firefox-Geräte werden und wie die Konkurrenz auf einen möglichen Erfolg des Systems reagieren wird.

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