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13.09.15

Zavarius Nachtsichtgerät im Test: Bei Nacht sind alle Wiesen...weiß!

Wer nachts durch ein Fernglas guckt, sieht oft - nichts. Es ist ja dunkel. Kann man da nicht mit etwas Licht nachhelfen? neuerdings.com testete das Zavarius Nachtsichtgerät DN-300.

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Spezielle Nachtsichtgeräte benutzten früher Restlichtverstärkerröhren. Diese waren teuer, schwer und energiefressend, zudem konnte schon ein helles Licht eines plötzlich ins Bild kommenden Scheinwerfers zum Einbrennen führen.

Viele heutige Foto- und Videokameras haben bereits gute Nachtsichteigenschaften. Zeitweise gab es sogar bei Sony-Kameras spezielle Nachtsichtmodi, in denen der Infrarotfilter abgeschaltet wurde - weil die Japaner diesen Modus stattdessen nutzten, um Damen in der Öffentlichkeit unter die Röcke zu sehen (einige Kunstststoffe sind für Infrarot durchlässig), verschwand er jedoch wieder.

Auch Ferngläser mit integrierter Foto- und Videofunktion gibt es inzwischen. Das Zavarius Nachtsichtgerät DN-300 integriert für weniger als 150 € all dies in einem kompakten und mit 325 g auch sehr leichtem Gerät. Was bietet es in der Praxis?

Hier ist zu unterscheiden zwischen der rein passiven Nachtsicht und der zusätzlichen aktiven Beleuchtung der Szenerie mit Infrarot-Leuchtdioden.

Erstere ist auch für Objekte in weiter Ferne nutzbar, beispielsweise für Jäger auf der Pirsch. Hier scheint das ZN-300 zunächst ein deutlich helleres Bild zu bieten als das Auge - doch ist dies daurch bedingt, dass es im Nachtmodus Infrarotlicht bei 850 nm nutzt und hier Wiesen, Bäume und alles andere Grüne reflektieren, also "weiß" erscheinen. Einen Hasen im Gras wird man so tatsächlich besser erkennen, eine Katze auf der Straße dagegen nicht.

Wenn man die Leuchtdioden aktiviert, so ist das Ergebnis wie bei einer Blitzaufnahme: vorne hell, hinten dunkel. Zum Jagen sicher nicht geeignet und natürlich auch nicht beliebig weit reichend. Für die Sicht in der näheren Umgebung beispielsweise mitten im Wald dagegen schon. Den Kampfsportverband "Rechte Hacke" damit bei seinen nächtlichen Übungen zu beobachten, wäre dagegen keine gute Idee, denn auch wenn das Infrarotlicht für das Auge unsichtbar ist, so wird es in Kameras oder anderen Nachtsichtgeräten hell aufleuchten und damit eine perfekte Zielmarkierung abgeben.

Das DN-300 hat leider eine begrenze Auflösung von nur 640 x 480 Pixeln, was der notwendigen Empfindlichkeit geschuldet sein dürfte. Der Vorteil ist allerdings, dass auch eine micro-SD-Karte mit geringer Kapazität bereits für viele Bilder und Videos ausreicht.

Störender, falls man fotografieren oder filmen will, ist die im Nachtmodus bei größeren Entfernungen lange Belichtungszeit: Die Bilder sind eigentlich immer etwas verwackelt und ein durchs Bild fahrender Zug wird sogar schräg verzerrt. Auch dies ist natürlich der Nachtsicht geschuldet. Zudem treten bei maximaer Helligkeitseinstellung der Leuchtdioden Bildstörungen auf.

Bei der Benutzung am Tag wird ein Infrarotfilter vorgeschaltet; dann ist auch eine Wiedergabe mit Farben möglich.

Etwas knifflig ist das Menü - gerade im Dunkeln kommt man aus der Frage "Speicherkarte formatieren?" unter Umständen mit der falschen Antwort heraus. Die Bilder meines ersten Nacht-Spaziergangs gingen so verloren. Es sind aber noch genug da.

Um bei einem Vollmondspaziergang noch mehr zu sehen, ist ein gutes, großes normales Fernglas definitiv die bessere (und teurere) Lösung. Wer dagegen auf Wanderungen nachts mal komplett im Dunkel steht, hat mit dem DN-300 eine leichte, kleine Hilfe dabei. Wer Wert auf Foto und Film legt und hierbei mehr Qualität will, dürfte mit dem bereits erwähnten Sony-Fernglas besser bedient sein - allerdings auch zu einem weit höheren Preis und fast dreifachem Gewicht.

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