Hier finden Sie weitere Artikel aus der Themensammlung Technik

22.05.13

Xbox One: Das Ende der klassischen Spielkonsole

Sind die Spieler mittlerweile zu verwöhnt oder liegt es an der allgemeinen Sättigung? Die neu vorgestellte Xbox One kann viele nicht so recht begeistern. Dabei ist doch der Ansatz gar nicht verkehrt? Ein Multimedia-Alleskönner fürs Wohnzimmer - alles in einer Kiste vereint?! Wieso bleibt  die Vorfreude trotzdem aus?

Die neue Xbox One macht Kinect zur Pflicht für alle. (Foto: Microsoft)

Wer am gestrigen Abend im Livestream die Vorstellung der Xbox One verfolgt und vor allem bei Twitter unter dem Schlagwort #XboxReveal geschaut hat, konnte sich schnell ein Bild von der neuen Multimediaschaltzentrale Microsofts machen. Wie schon bei der Ankündigung der PlayStation 4 war es der Unmut der Coregamer, der sich rasend schnell verbreitete.

Zugegeben, ein wenig  steckte der mich auch an. Das sollte also wirklich die dritte Xbox sein? Ein Monstrum, das wie ein riesiger CD-Wechsler aus den 1990er Jahren aussieht? Und wozu dieses „One“? Schon die Bezeichnung klang nach einem Rückschritt. Als die Moderatoren noch ständig über die vielen TV-Optionen sprachen und ein paar Mal der Sprachsteuerungsbefehl „Xbox Go Home“ fiel, war die Ernüchterung perfekt.  Der teils abwertende, vorwiegend sarkastische Humor war die logische Folge.

 

Ein bisschen Spaß muss sein, oder?

Insgesamt dominiert gegenwärtig wie bei Sonys neuer Konsole vor ein paar Monaten der negative Grundtenor.  Es ist nicht so, als würde uns Microsoft dazu zwingen, die Xbox One zu kaufen - das scheinen einige Gamer zu vergessen. Nüchtern betrachtet, kann man dem Redmonder Konzern nicht einmal den konsequenten Schritt Richtung Massenmarktprodukt verübeln. Weg vom nerdigen Konsolenimage, hin zum Entertainment-Vergnügen für das Heimkino und die ganze Familie. Die Xbox 360 deutete diese Weg in den letzten Jahren an. So gesehen ist die Xbox One also eine Weiterentwicklung, ohne Experimente und unnötigen Schnickschnack. Dafür bekommen die Verantwortlichen von den Coregamern jetzt eins auf die Nase? An sich unverständlich!

Skepsis

Bewegungs- sowie Sprachsteuerung, Filme und TV-Serien, Spiele und Musik - all das bietet auch die Xbox 360 mit Kinect als zusätzliches Zubehör. Bei der Xbox One wird der Sensor zur Pflicht und gehört demnach zum Lieferumfang. Erfreuen kann mich das nicht, auch wenn Kinect 2.0 schneller, genauer, besser reagieren soll. Denn Kinect auf der Xbox 360 nervte mich mehr, als dass es mir Spaß bereitete. Und jetzt werde ich wieder damit belästigt? Puh! Genauso lernten die Verantwortlichen nicht aus den Fehlern der Vergangenheit und hörten nicht auf die Spieler. Die 500GB große Festplatte kann nicht gewechselt werden, stattdessen gibt’s wenigstens einen USB 3.0-Anschluss für externe Datenträger. Ein weitere externe Festplatte, die ich neben den Fernseher stellen muss?!

Das Dashboard wird dezent überarbeitet. (Foto: Microsoft)

Schwerwiegender sind die Tatsachen, dass Gebrauchtspielekäufer vermutlich extra zur Kasse gebeten werden, eine permanente Onlineverbindung für das sinnvolle Verwenden der Konsole nötig und eine Abwärtskompatibilität nicht vorhanden ist. Letztgenanntes liegt an der veränderten Hardware-Architektur - weg vom speziellen Xenon-Prozessor, hin zum regulären x86-8-Kern-Prozessor von AMD. Zusammen mit den 8GB RAM, WIFI, HDMI und besagter Festplatte erinnern die Angaben an die der PlayStation 4. Zufall? Sicherlich nicht, schließlich sollen beide Konsolen für Entwickler leichter zu programmieren sein als ihre Vorgänger. Mit etwas Glück können sich PC- und Mac- Spieler auf mehr Konsolenportierungen denn je freuen.

Letztlich muss Microsoft (wie auch Sony) beweisen, was in der eigenen „NextGen“-Konsole steckt. Seit jeher gilt das ungeschriebene Gesetz in diesem Bereich: Software sells Hardware. Es braucht also gute Spiele, im besten Fall Exklusiventwicklungen und starke Marken. Hier ist es noch viel zu früh, um sich schon festzulegen, ob die Xbox One etwas taugt. Ein FIFA 14 und ein Call of Duty: Ghosts wären nur dann für viele ein Kaufargument für eine Konsole, würden sie ausschließlich für die Microsoft-Maschine erscheinen. Und davon ist nicht auszugehen. Alles weitere? Auf der E3 im Juni!

TV-Gedöns

Aber vielleicht ist man bei Microsoft schon einen Schritt weiter? Die TV- und Film- Inhalte sollen neue Käufer ansprechen; die Heimkinofans, die Cineasten, die Serienliebhaber?! Nur mal ehrlich: Haben diese nicht längst entsprechende Geräte vor dem (Smart-)TV stehen? AppleTV, x-beliebige Receiver, womöglich PS3 und Xbox 360 mit ihren jetzt schon gar nicht mal schlechten Angeboten? Vielleicht sogar einen Google TV-Player, der bezogen auf das Durchschleifen des TV-Programms eines Sat- oder Kabelreceivers genauso wie die Xbox One funktioniert? Sicher, die Konsole vereint theoretisch das Beste aus allen Entertainment-Welten (TV, Filme, Musik, Spiel) in einem Windows-basierten PC - nur das reizt zumindest mich nicht sonderlich.

Der Sensor. (Foto: Microsoft)

Ich hatte mir bei der „Enthüllung“ besondere Alleinstellungsmerkmale abseits von Steven Spielbergs produzierter Halo-Webserie und ein, zwei exklusiven Spielen gewünscht. Frische Akzente, mutige Ideen, womöglich auch für mich als Spieler überraschende Funktionen wären schön gewesen. Da diese sichtlich nicht vorgesehen sind, muss Microsoft jetzt ordentlich klotzen, um mich mit den überarbeiteten (Xbox Live-)Diensten und originären Spielen zu packen sowie zum Kauf der Konsole zu animieren. Ähnliches gilt auch für die PlayStation 4. Spannend wird der Wettkampf zwischen beiden Geräten in jedem Fall - vor allem dann, wenn PC-Hersteller mitziehen und in einer Preisklasse von zirka 500 Euro ähnlich ausgestattete Multimedia-PCs fürs Wohnzimmer veröffentlichen. Stichwort Steam Box.

Das Ende

Es ist gut möglich, dass die klassische Spielkonsole mehr und mehr stirbt, weil Hersteller meinen, Kunden verlangen unendlich viele Medien-Inhalte, Social-Elemente, Smartphone-Kontrolle, Bewegungs- und Sprachsteuerung sowie Cloud-Anbindung. Der aktuelle Misserfolg der Wii U, die in erster Linie zum Spielen gedacht ist, deutet dies vielleicht auch an. Nur Nintendos „NextGen“-Konsole fehlt es schlicht an Spielenachschub. Wie es wohl bei einer Xbox One aussehen würde, gäbe es nur ein paar Games und dafür massig TV- und Stream- Inhalte, von denen wir Europäer vermutlich nur die Hälfte nutzen können? Wir werden es wohl frühestens Ende des Jahres zum Launch erfahren.

Mein Wunsch als Spieler ist vorerst nur, zwar gerne kritisch zu bleiben, aber nicht alles im Vorfeld zu verteufeln. Microsoft verfolgt konsequent einen eigenen Weg. Den muss niemand mitgehen, wenn er nicht gefällt. Noch ist vieles offen, also brauchen wir auch nicht prophezeien, die Xbox One wäre ein sicherer Flop. Ich vermute eher, dass die Xbox One gemeinsam mit der PlayStation 4 das Ende der Spielkonsole, wie wir sie kennen, einläutet - weil wir es vermutlich nicht anders wollen. Ob ich mein Hobby dann an den „Nagel hängen“ kann? Solange Spiele für meinen Universal-Medienplayer erscheinen, gibt’s dazu keinen Grund...

Schlagworte zu diesem Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer