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12.09.12

Withings Blutdruckmessgerät im Test: Wenn Oma Käthe ihren Blutdruck twittert...

Im Test hatten wir ein "Online-Blutdruckmessgerät" von Withings, das mit iOS-Geräten arbeitet. Wie schlägt sich das Gerät, wie sieht denn die Zielgruppe aus - das haben wir uns mal genauer angesehen.

Jedem, der schon mal ein beliebiges Blutdruckmessgerät in der Hand hatte, fällt wahrscheinlich sofort auf: Das Withings Online-Blutdruckmessgerät hat keinerlei LCD-Anzeige oder Bedienelemente. Es ist nur eine Oberarm-Manschette mit einem Batteriefach, aus dem ein Kabel kommt. Für sich allein genommen funktioniert dieses "Ding" nicht, es kann nur mit einem iOS-Gerät betrieben werden. Man braucht also ein iPhone, einen iPod Touch oder ein iPad, um damit den Blutdruck zu messen. Das i-Endgerät speichert die Messdaten und liefert die Bedienoberfläche, nachdem man die Withings-App darauf installiert hat. Sehr schön: Es hat auch mit meinem "vintage iPod touch", etwa drei Jahre alt, ganz prima funktioniert. Die App findet man im iTunes Store, selbstredend kostenlos.

 

Was kann das Online-Blutdruckmessgerät?

Vor dem ersten Betrieb muss man die App installieren und ein persönliches Nutzerkonto einrichten. Leider ist die App zunächst englischsprachig eingestellt - das muss umgestellt werden, wenn man der Sprache nicht mächtig genug ist. Schließt man dann das Messgerät an, wird man jedoch in einfachen Schritten durch die Messung geführt.

Das Withings Messgerät erfasst den systolischen und den diastolischen Blutdruck - das sind die zwei Zahlen, die man immer zu hören bekommt etwa "120 zu 80" -, und es misst den Puls. Diese Messergebnisse werden in der App auf dem iOS-Gerät gespeichert und nach Angaben des Herstellers auch an den Server von Withings als Backup übertragen. Die Werte können als Zahlen angezeigt werden, und kippt man das i-Endgerät, wechselt die Anzeige zu einer Grafik.

Withings gibt an, dass man die Daten mit Microsoft HealthVault und Google Health synchronisieren kann, und dass eine Verknüpfung mit dem persönlichen Facebook- oder Twitter-Account möglich ist.

Das Withings Online Blutdruckmessgerät gibt es für rund 130 Euro beispielsweise hier.

Braucht man das?

Ob man nun darauf steht, seinen Blutdruck zu twittern, ist ganz sicher Ansichtssache. Meinen Geschmack trifft das eher nicht. Und wenn ich mir überlege, wie denn die Zielgruppe für so ein Blutdruckmessgerät aussieht, habe ich meine Zweifel, ob das ein sinnvolles Gerät ist.

Menschen im Alter meiner Eltern - so um die 60, 70+ - interessieren sich meist zwangsläufig irgendwann für ihren Blutdruck. Im Alter steigt der an, das ist nicht gut fürs Herz und muss eventuell behandelt werden. Insofern schaffen sich die meisten Senioren irgendwann mal so ein Gerät an.

Da gibt es die etwas teureren Ausführungen mit Oberarm-Manschetten und es gibt die mit Handgelenk-Manschetten. So oder so: Standard sind auf jeden Fall solche Blutdruckmessgeräte, bei denen man auf einen Knopf drückt und dann nach dem Aufpumpen und Luftablassen die Werte auf einem LCD angezeigt bekommt. Diese Alternative bietet Withings nicht. Und nun stelle ich mir vor, wie meine Mutter auf ihrem (dann anzuschaffenden) i-Dings ein Programm installiert, das erstmal nur Englisch mit ihr sprechen will. Und dann stelle ich mir den Twitteraccount "@bloodmom" oder "@momunderpressure" vor, und wie wohl ihre Facebookseite aussehen würde... ähm, nein!

So schön und bequem es ist, dass das Withings Blutdruckmessgerät die gemessenen Werte speichert - auch die Darstellung als Grafik ist toll -, ist es dafür vielleicht noch etwas zu früh. Es gibt sicher noch viele Senioren, die sich von so viel moderner Technik überfordert fühlen. Auch der Preis ist mit rund 130 Euro (UVP des Herstellers ist sogar noch höher) vergleichsweise happig. Kürzlich fiel mir die Werbung für ein ähnliches Produkt für rund 70 Euro in die Hände. Die ganz normalen Blutdruckmessgeräte kosten so ab etwa 40 Euro aufwärts. Wer übrigens bemängeln möchte, dass die Billigklamotten nicht geeicht sind: Ja, das ist insbesondere bei den günstigen Geräten tatsächlich der Fall. Aber ein Messgerät, was beim Kauf geeicht war, müsste eigentlich nach etwa einem Jahr ebenfalls neu geeicht werden.. Am Besten ist es also, zur Messung in die Apotheke oder zum Arzt zu gehen. Für ältere Leute bedeutet das gleich noch einen Spaziergang und Sozialkontakte. Außerdem gibt es da zudem die richtigen Maßnahmen, falls der Blutdruck aus der Norm fällt. Aus all diesen Gründen kann ich keine Kaufempfehlung aussprechen, auch wenn ich das Gerät ganz witzig finde - ich selbst brauche es ja zum Glück noch lange nicht.

Messbereich des Withings Online Blutdruckmessgerätes laut Hersteller:

  • Blutdruck: 0 bis 285 mmHg mit einer Genauigkeit von 2 Prozent des Messwertes
  • Puls: 40 bis 180 Schläge pro Minute mit einer Genauigkeit von 5 Prozent des Messwertes

Abmessungen: 13 x 15 x 9 cm - Passend für Armumfang von 22 bis 42 cm

Übrigens: Kürzlich hat sich meine Kollegin Nadine Dressler mit einem verwandten Thema befasst und die neue Waage von Withings vorgestellt.

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