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29.11.12 07:31

, von Jürgen Vielmeier

Will.I.am, Dr. Dre und 50 Cent: Der sonderbare Ausflug von Rap-Stars in die Technikwelt

Die Karriere als Musiker scheint einige Stars der Hip-Hop-Szene nicht gänzlich auszufüllen: Sie wagen einen Ausflug in die Technikwelt. Nach Dr. Dre und 50 Cent hat nun auch Black-Eyed-Peas-Rapper Will.I.am eine eigene Marke für Smartphone-Zubehör vorgestellt. Sie soll das Funktionsspektrum des iPhones und anderer Mobiltelefone erweitern. Was aber treibt ausgerechnet Popstars in die Technikwelt?

Will.I.am hier mit Kopfhörern seines Protegés Dr. Dre

Der Rapper 50 Cent hat alle Höhen und Tiefen des Entertainment-Geschäfts erlebt. Um sich gegen die atmosphärischen Unwägbarkeiten der Karriere zu wappnen, hat er früh sein eigenes Label G Unit gegründet, unter dem er Kleidung, Computerspiele, Klingeltöne oder Bücher vermarktet. Eine 10-prozentige Beteiligung an dem Vitaminwasserproduzenten Glaceau brachte ihm bei der Übernahme durch Coca Cola geschätzte 400 Millionen US-Dollar ein. Finanziell nötig hatte er es nicht, auch noch Kopfhörer auf den Markt zu bringen. Dennoch folgte er seinem Entdecker Dr. Dre und stellte im vergangenen Jahr seine eigene Kopfhörerlinie vor: SMS Audio mit den Typen "Street by 50" oder "Sync by 50". Dr. Dres beliebte Beats-Kopfhörer waren zu der Zeit dank eines Bundles schon mit jedem zweiten HTC-Smartphone zusammen verkauft worden. Ihr Mitstreiter Will.I.am will es den beiden nun gleich tun.

Viel gesehen und gehört von der Welt

Der Black-Eyed-Peas-Musiker ist aktuell in einem Beats-Werbespot zu sehen - und setzt jetzt zusätzlich auf eigene Smartphone-Accessoires. Seine Marke I.am+ soll Smartphones zu "Genius Phones" machen, sie etwa mit besseren Kamera-Objektiven ausstatten. Als erstes geht die I.am+-Camera an den Start, die das iPhone 4/4S um eine aufsteckbare 14-Megapixel-Kamera erweitert. Der Rapper hat sie bereits in London vorgestellt, mit dem Online-Verkauf losgehen soll es am 6. Dezember. Der schmucke Kasten, in den man das iPhone steckt, verfügt außerdem über eine physische Tastatur. Für das iPhone 5 sollen weitere Modelle erst im kommenden Jahr folgen.

Die Frage nach dem Warum muss man vielleicht anders herum stellen: Warum nicht? Warum sollten Künstler, die viel von der Welt gesehen haben, nicht ein Faible für Technik entwickeln und ein Teil ihres oft stolzen Privatvermögens in neue Geschäfte investieren? Ein Hauch von Glamour wohnt mittlerweile auch der Technikbranche inne. Und die Technik kann durch den Einfluss von Mode und Kultur der Stars profitieren. Darüber hinaus haben Musikproduzenten wie Dre oder Will.I.am durchaus Erfahrung damit, wie gute Musik klingen muss. Und nicht zuletzt sollte sich damit auch eine Handvoll gutes Geld verdienen lassen. Also ruhig einmal an anderer Stelle ansetzen.

Dr. Dres Beats-Systeme mit integriertem Subwoofer haben den Markt für Kopfhörer und vor allem Smartphones verändert. HTC ist bei der Vereinbarung zwar mittlerweile kürzer getreten, dennoch hat es die Smartphone-Branche für besseren Sound sensibilisiert. Nokia etwa hielt mit erhältlichen Kopfhörer-Systemen von Monster dagegen, Apple bietet in seinem Online-Store ebenfalls hochwertige Soundsysteme von Sennheiser, Bose, Jawbone - und mittlerweile Beats als Zubehör für das iPhone an.

Den eigenen Traum einfach mal verwirklichen

Will.I.am ist in der Technikbranche kein Unbekannter mehr. Intel holte ihn Anfang 2010 als Kreativdirektor - auch wenn das mehr als Marketing-Gag anzusehen war. Die Idee zu dem Smartphone-Zubehör-Set kam ihm nach eigener Aussage laut dem britischen "Telegraph" bereits 2008. Er befand sich in einem Fotoshooting. Ein Model nahm ein Bild mit dem Smartphone auf, das bereits um die Welt ging, bevor das Shooting vorüber war. Will.I.am soll das Profi-Objektiv eines Fotografen und das Smartphone genommen und gesagt haben: "Stellt euch beides zusammen vor. Eines Tages werde ich das machen." Und er tat es.

Will.I.ams Song "Reach for the Stars" wurde im August von der neuen Mars-Sonder Curiosity auf dem Roten Planeten gespielt. Dem Musiker ging es angeblich darum, dass sich junge Leute für Wissenschaft und Technik begeistern. Ähnlich hehre Ansätze verfolgt demnach auch 50 Cent. Ein Teil der Verkaufserlöse seiner SMS-Kopfhörer kommt wohltätigen Zwecken zu Gute. Im vergangenen Jahr etwa spendierte sein Unternehmen beim Kauf eines Kopfhörers in den USA 250 Mahlzeiten für Bedürftige. Teile seines Vermögens fließen auch in ein gemeinsames Projekt mit Fiddy, um Hunger in Afrika nachhaltig zu bekämpfen.

Fragt sich nur, ob die Gemeinnützigkeit auch von den Käufern befürwortet wird, denn billig sind die jeweiligen Gadgets nicht gerade. 50 Cents Kopfhörer starten ab etwa 180 Euro, Dr. Dres Beats sind als Ohrhörer ab etwa 100 Euro zu haben, für Kopfhörer zahlt man etwa das Doppelte und mehr. Und Will.I.ams I.am+-Cameras für das iPhone kosten nach ersten Angaben im Vereinigten Königreich ab 199 Pfund (umgerechnet rund 245 Euro). Finale Euro-Preise dürften ähnlich ausfallen. Immerhin: Das Geld ist (teilweise) für wohltätige Zwecke, guten Sound und eben jetzt hohe Bildqualität gut angelegt. Und die Musiker zeigen, dass es gelingen kann, wenn man einfach mal seinem Traum folgt - und genug Geld hat, um ihn zu verwirklichen.

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