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25.05.13Leser-Kommentar

Google Glass, Smartwatches & Co: Unsere Zukunft als Cyborg

Wearable Computing - mit diesem eher unspektakulären Ausdruck wird eine spezielle Nische in der IT bezeichnet, die uns seit einiger Zeit beschäftigt. "Tragbare Technik" könnte man auf Deutsch sagen, aber "tragbar" steht hierbei nicht für das geringe Gewicht des Gadgets, sondern dafür, dass es am Körper getragen wird. Jüngste Beispiele sind Google Glass und zahlreiche Smartwatch-Konzepte.

Beispiele für Wearable Computing Beispiele für Wearable Computing

Die Idee von Gadgets, die man am Körper trägt, ist nicht neu. Zahlreiche Science-Fiction-Geschichten leben bereits jetzt die Aussichten, die uns bevorstehen könnten. Erwartet den Menschen eine Zukunft als Cyborg? Das klingt vielleicht absurd und witzig, aber die Mischung aus Mensch und Maschine ist gar nicht mehr so fern, wie wir es vielleicht vermuten. Das Technik-Upgrade des Menschen steht bereits vor der Tür, braucht aber noch etwas Entwicklung, bis es serienreif ist. Einige Konzepte sind im vergangenen und in diesem Jahr vorgestellt worden, doch woher kommen diese Entwicklungen und wie sieht ihre Zukunft aus? Sind wir schon bereit für Google Glass, Smartwatches und andere Produkte?

Urvater aller Head Mounted Displays (Smart Glasses)

sutherland Das erste Head Mounted Display

Das scheinbar so revolutionären Google Glass hat eine lange Vergangenheit. So genannte Head Mounted Displays gibt es bereits seit 1966. Damals experimentierte Ivan Sutherland zusammen mit Raymond Goerth an einem Prototypen dieser Brille.

Sutherland gilt auch heute noch als einer der Pioniere der Computerwelt, wie wir sie kennen. Bereits damals experimentierte er mit digitaler Grafikverabeitung und legte damit den Grundstock für unsere modernen Anwendungen. Er entwickelte mit der oben genannten Brille das erste Virtual-Reality-System, auch wenn es damals natürlich hierfür kaum einen praktischen Nutzen gab. Erst fast 50 Jahre später sollte Google Glass das allgemeine Interesse der Bevölkerung auf sich ziehen. Hier hatten wir euch Google Glass und ähnliche Projekte vorgestellt.

Oculus Rift

In einem anderen Bereich gibt es derzeit ebenfalls Entwicklungen rund um Head Mounted Displays. Gerade beim Gaming waren die so genannten Videobrillen ein immer wieder aufflammender Trend. In den 80ern und 90ern sah man sie vermehrt. Wer heute eine Videobrille möchte, bekommt sie problemlos für mehrere hundert Euro in großen Internetshops.

Ein Erfolg ist die Gamer-Brille Oculus Rift bereits jetzt. Während ein erster Prototyp aufgrund von technischen Einschränkungen nicht für das Gaming geeignet war, entwickelten Palmer Luckey und John Carmack die Oculus Rift Brille, wie wir sie kennen.

Um das Projekt zu finanzieren, setzte man Kickstarter ein. Innerhalb von nur vier Tagen wurde das Projekt komplett finanziert und zum Ende des Finanzierungszeitraums konnte man sich mit 2.437.429 US-Dollar mehr in den Taschen an die Weiterentwicklung machen.

Zu den Förderern dieser Brille gehören darüber hinaus zahlreiche große Spieleentwickler, die bereits jetzt an der technischen Umsetzung ihrer Games für Oculus Rift arbeiten. Die Kritiken zur Brille waren fast durchweg positiv. Lediglich die Auflösung solle man verbessern und das nahmen sich die Entwickler zu Herzen und so soll die finale Version der Videobrille eine höhere Auflösung anbieten, damit keine Subpixel mehr erkennbar sind. Die Krümmung des Bildes gibt einen besseren Raumeindruck und verschiedene Sensoren reagieren auf die Bewegungen des Spielers. Die Kollegen von iFixit hatten die Oculus Rift auseinandergenommen und Einblicke in die Innereien gegeben.

Während die Brille derzeit noch in der Entwicklung ist und Entwicklerkits an die Spielefirmen gegangen sind, wird der Endbenutzer ab 2014 die Möglichkeit haben, Oculus Rift sein Eigen zu nennen. Bis dahin sollten viele Spiele die Brille unterstützen. Ob Oculust Rift ein Strohfeuer ist oder zusammen mit Google Glass die Basis für allgemein akzeptierte und eingesetzte Head Mounted Displays schafft, kann uns nur die Zeit sagen.

Nicht nur Brillen, auch Uhren und Armbänder

Pebble Smartwatch Pebble Smartwatch

Wearable Computing beschäftigt sich aber nicht nur mit Brillen, auch wenn Augen und Ohren als wichtige Sinnesorgane praktischerweise beide am Kopf befindlich sind. Tragbare Gadgets gibt es auch in anderen Ausführungen. Sogenannte Smartwatches werden in diesem und mindestens auch noch im nächsten Jahr die Meldungen dominieren. Apple soll eine iWatch geplant haben und auch Samsung, LG und Sony stehen "im Verdacht" an schlauen Uhren zu arbeiten.

Ob Smartwatches unsere Smartphones und Tablets ersetzen oder einfach nur erweitern sollen, ist noch nicht ganz geklärt. Es gibt aber bereits Uhren, die sich mit dem Smartphone verbinden und wichtige Mitteilungen direkt auf die Uhr senden, ohne dass man das Smartphone aus der Tasche holen müsste. Eines dieser Produkte ist die Sony Smartwatch, die sich über Bluetooth mit einem Android-Smartphone verbindet. Oder natürlich die Pebble.

Im Bereich Sport gibt es derzeit ebenfalls Entwicklungen bei den Wearable Gadgets. Mit Fitnessarmbändern wie dem Jawbone Up oder Fitbit Flex lassen sich Sportaktivitäten automatisch festhalten und danach mit einer App speichern und auswerten. Gadgets wie diese sind im Bereich Sport vor allem deshalb praktisch, weil ein Smartphone unterwegs unhandlich ist. Ein Gadget, das man am Körper trägt, passt hier zur Aktivität sehr viel besser.

Intelligente Kleidung

Schuhe mit GPS Schuhe mit GPS und LEDs

Ein weiterere und derzeit noch etwas zurückgestellte Sparte der tragbaren Gadgets ist die der Kleidung. Es gibt zwar schon einige Projekte dazu, aber noch ist das nicht massentauglich. Die Probleme hierfür liegen auf der Hand: Kleidung wird schließlich getragen und gewaschen – das ist nicht die beste Bedingung für ein technisches Produkt. Zum anderen sehen die derzeitigen Prototypen nicht unbedingt modisch aus und sind deswegen nichts für die breite Masse, die ihre Kleidung vor allem nach dem persönlichen Geschmack auswählt.

Ein Beispiel, was man in Kleidung alles integrieren könnte, hat Designer Dominic Wilcox entwickelt. Es handelt sich dabei um ein Paar Schuhe, in das eine voll funktionsfähige GPS-Navigation eingebaut ist. Auch das Schuhdesign wurde neu entworfen und der Schuh extra angefertigt. Auf dem linken Schuh befindet sich ein LED-Kreis, der die Richtung angibt, in die man laufen muss. Auf dem rechten Schuh ist eine Anzeige, wie viel des Weges man bereits abgeschlossen hat. Leuchtet die letzte grüne LED, hat man sein Ziel erreicht.

Es gibt auch noch andere Beispiele wie T-Shirts mit Display, auf denen man Text einblenden kann. Jedoch ist der praktische Nutzen dieser Gadgets recht gering.

Zukunftsweisend wären meiner Ansicht nach Gadgets, mit denen man die bereits vorhandene Kleidung aufwerten kann. So müssen sich die Entwickler keine Gedanken mehr darüber machen, welchen Kleidungsstil sie treffen wollen, sondern könnten sich auf die Gadgets allein konzentrieren. Vielleicht ist das etwas, das wir in der Zukunft zu sehen bekommen.

Das ist alles erst der Anfang

Google Glass Google Glass

Auch wenn seit Erfindung der Video-Brille beziehungsweise des Head Mounted Displays fast 50 Jahre vergangen sind, stehen wir noch am Anfang der Entwicklung dieser Gadget-Sparte. Der mediale Erfolg von Google Glass könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Zeit gekommen ist, in der Gadgets wie diese auch den normalen Nutzer ansprechen.

Nächstes Jahr werden einige dieser Produkte für den Massenmarkt verfügbar sein. Ob sich unser Alltag dann wirklich verändert und verbessert, werden wir dann sehen. Ich bin neugierig und gespannt, wie diese Entwicklung weitergeht. Vielleicht werden wir keine Cyborgs, wie weiter oben prophezeit, aber wir werden eine engere Verbindung zu unserer Technik haben, als vor fünf Jahren und wenn das unser Leben erleichtert und verbessert, dann ist das eine Entwicklung in eine positive Richtung.

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Kommentare

  • Matze

    28.05.13 (15:07:05)

    Robocop lässt grüßen. Bin mal gespannt ob uns eines Tages auch ein Computer das Denken abnimmt! Das wäre bei vielen Menschen wünschenswert ;)

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