Hier finden Sie weitere Artikel aus der Themensammlung Technik

14.01.13

Vom iPhone 4 zum Nexus 4 (2): Erste Schritte auf fremdem Terrain

Endlich ist es da: Das Nexus 4, das mein iPhone 4 beerben soll. Aber was heißt "soll": Das hat es bereits getan, schneller als gedacht. Hier meine ersten Eindrücke von der Hardware, dem Betriebssystem Android und dem ganzen Drumherum eines Wechsels vom iPhone.

Nun also halte ich mein Nexus 4 in Händen. Die technischen Daten erspare ich euch, die könnt ihr hier nachlesen oder an Millionen anderen Orten. Nach den ersten paar Tagen des Ausprobierens und Nutzens kann ich auf jeden Fall schon einmal vorwegschicken: Die Hardware ist aus meiner Sicht über jeden Zweifel erhaben. Alles funktioniert schnell und flüssig: Apps öffnen, Scrollen, andere Animationen – es läuft alles so rund, dass es eine Freude ist.

Aber gute Komponenten aus dem Regal zu greifen, in eine Hülle zu packen und zu verkaufen, ist heute keine so große Kunst mehr. Es kommt aufs Gesamtpaket an. Und da hat man als ehemaliger iPhone-Nutzer ja durchaus seine eigene Sichtweisen...

Out of the box, into the light

Auspacken: Das Nexus 4 wird in einer schicken Box geliefert, und hat man den Deckel abgehoben, liegt es auch schon in seiner ganzen schlichten Pracht vor einem. Die Schutzfolie auf der Vorderseite weist auf die einzigen Knöpfe hin, die sich links und rechts am Gerät befinden. Ein längerer Druck auf den Knopf an der rechten Seite oben und das Gerät erwacht.

Einschalten: Die Einrichtung geht erstaunlich schnell vonstatten. Netterweise bekommt man danach hier und da Hinweise, wo man beispielsweise seine Apps findet und was es mit den Homescreens auf sich hat. Da ich schon einige Android-Geräte in der Hand hatte, ist mir das soweit vertraut. Aber so oder so ist es eine freundliche Geste für den neuen Nutzer. Die ersten Minuten mit dem neuen Gerät sind wichtig, das haben inzwischen auch andere jenseits von Apple kapiert. Habe ich mir das richtige gekauft? Hat sich das Geld gelohnt? Komme ich damit zurecht? Google und LG verstehen es, einen eventuell zweifelnden Nutzer zu beruhigen: Alles bestens, willkommen im neuen Zuhause. Setz dich doch erstmal...

Und warum das alles überhaupt auf sich nehmen? Bislang aber habe ich noch nie ein Android-Handy zum Hauptgerät erklärt. Die Testberichte habe ich immer anderen überlassen. Aber die Neugier war nun einfach zu groß. Die Entwicklung von Android habe ich mit großem Interesse und einer gewissen Faszination angesichts dieses Siegeszuges verfolgt. Und abgesehen davon ist das Nexus 4 nun einmal schlichtweg ein sehr gutes Smartphone zu einem extrem scharf kalkulierten Preis. Wer kann dazu schon Nein sagen? Über meine Gründe für den Wechsel hatte ich ja bereits im ersten Teil mehr geschrieben. Wer also wissen möchte, warum ich das überhaupt mache, liest das am besten dort nach.

Nach den ersten Minuten jedenfalls war klar: Doch, das könnte was werden mit uns beiden. Wie in jeder Beziehung tauchen natürlich früher oder später die ersten Komplikationen auf.

Die Sache mit dem Display: Hin- und hergerissen bin ich bei der Größe des Displays. Natürlich ist es schön, so viel Platz zu haben und das iPhone kommt mir schon jetzt unfassbar klein vor. Auf der anderen Seite ist es tatsächlich so, dass ich nicht jeden Punkt des Bildschirms so problemlos erreichen kann wie dort. Leider ist ausgerechnet in der linken oberen Ecke häufiger ein wichtiger Navigationspunkt zu finden. Und um diese Stelle zu erreichen, muss man umgreifen oder die zweite Hand zur Hilfe nehmen. Halte ich das Nexus 4 generell weiter oben, löse ich mit dem Handballen manchmal ungewollt unten Funktionen aus. Zwei Seiten einer Medaille – diese Erkenntnis wird sich durch den gesamten Text ziehen. An sich ist das Display aber meiner Meinung nach klasse: hell und scharf. Aber sowohl die Entwickler als auch Google selbst sollten überlegen, wie sie die Navigationselemente angesichts des Trends zu immer größeren Displays besser platzieren.

Die Sache mit den Buttons: In der Praxis erst einmal lästig ist, dass sich der Lautstärkeregler und der Sleep/Wake-Button gegenüber sitzen. Als Rechtshänder will ich den Sleep/Wake-Button mit meinem Daumen bedienen. Dabei kommt mein Mittelfinger immer ganz automatisch auf dem Lautstärkeregler zum Liegen. Drücke ich nun den einen, erwische ich oft beide, was eine ganz andere Funktion auslöst. Gewöhnungssache, ja. Man kann damit leben, ja. Aber besser wäre der Sleep/Wake-Button nun einmal oben platziert gewesen. Und dann vielleicht auch ein bisschen größer und besser "blind" zu finden, denn man braucht ihn doch sehr oft.

Die Sache mit dem Akku: Die hier und da geäußerte Kritik am Akku des Nexus 4 kann ich bislang nicht nachvollziehen. In Berichten hieß es, der sei ganz erstaunlich schlecht. Andere widersprachen dem. Letztlich hieß es, schlechte Akkulaufzeiten lägen an einer noch nicht finalen Software. Im Moment scheint mir der Akku ganz prima zu funktionieren und durchzuhalten. Eine genauere Aussage dazu kann ich jetzt allerdings noch nicht treffen. Das hole ich dann in einem der künftigen Teile dieser losen Serie nach.

Android vs. iOS

Im Internet werden schier endlose Debatten darum geführt, welches mobile Betriebssystem denn nun "das Beste" sei. Ich kann dazu nur sagen: Ich habe den Eindruck, dass alle auf einem sehr hohen Niveau unterwegs sind. Sie haben jeweils unterschiedliche Ansätze mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen. Ich sehe da keinen Gewinner.

Android hat jedenfalls enorme Fortschritte gemacht und es gibt keinen Grund, jemandem davon abzuraten und viele, es zu empfehlen. Was mir gut gefällt, ist beispielsweise das Notification Center, in dem ich sehr viel mehr Informationen finde als im iOS-Pendant. Bei Android spielt es aber auch eine viel zentralere Rolle, wie mir scheint, während es unter iOS nur ein Ort von mehreren ist, an dem ich informiert werde. Mir persönlich gefällt der zentralisierte Ansatz hier. Leider sind die Einstellungen dazu nicht so zentral, wie bei iOS. Man muss sie in jedem Programm einzeln bemühen. Ein anderer Pluspunkt ist das umfangreiche "Share"-Menü, mit dem man Dateien, Links etc. sehr einfach an eine andere App übergeben kann.

Mehrfach bin ich hingegen über Inkonsistenzen im Zusammenhang mit dem "Zurück"-Button von Android gestolpert. Wie ich im Internet nachlesen konnte, bin ich nicht allein und (wohl) auch nicht zu dumm, das System dahinter zu durchschauen. Offenbar wird er schlichtweg von den Entwicklern unterschiedlich genutzt, was dann leider zu manchmal verwirrenden Ergebnissen führt.

Manche Handgriffe muss ich noch verlernen. Zum Beispiel den schnellen Tap auf die Statusleiste oben, um den aktuellen Bildschirminhalt nach oben zu scrollen. Oder die Angewohnheit, auf den iPhone-Homebutton zu drücken, um einen schnellen Blick auf den Sperrbildschirm zu werfen. Dort sehe ich beim iPhone dann auf einen Blick die neuesten Notifications und kann entscheiden, ob ich aktiv werden will oder nicht.

Dafür gibt es neue Handgriffe zu lernen, die ich dann sofort auf dem iPhone vermisse. So kann man beispielsweise den Flugmodus sehr viel schneller einschalten, den ich im Alltag immer wieder benutze. Ein Widget mit wichtigen Grundeinstellungen (WLAN, Bluetooth etc.), liegt zudem auf einem meiner Homescreens bereit. Auch das ist sehr praktisch und beim iPhone so nicht vorhanden.

Das Design von Android kopiert nicht das iPhone, sondern geht einen eigenen, sehr schlichten Weg. Manchmal ein bisschen sehr schlicht für meinen Geschmack. In den Einstellungen hat man beispielsweise eine Liste vor sich, aber nichts weist darauf hin, dass man auf die einzelnen Punkte drauftappen kann (siehe Screenshots). Einmal ausprobiert, hat man's dann gelernt. Ein Grundproblem von Android zeigt sich beim längeren Ausprobieren, das nicht jeder überhaupt als Problem ansehen wird: Eine durchgehende Designsprache gibt es praktisch nicht. Dazu hat sich Android einfach zu häufig und zu sehr verändert und dazu interessieren sich manche Entwickler leider sichtbar wenig dafür, wie ihre App eigentlich aussieht. So jedenfalls mein erster Eindruck. Google gibt sich selbst einige Mühe, aber ansonsten geht es munter durcheinander.

Das Betriebssystem des iPhone hat sich dagegen optisch seit Version 1 praktisch nicht geändert. Das empfinden manche zu Recht als Langeweile, andere sehen es eben so zu Recht als Vertrautheit und Konsistenz: Apps, die vor drei Jahren entwickelt wurden, passen auch heute noch zu iOS. Auch hier wieder eine Frage, auf welche Art von Beziehungen man denn so steht und was einem wichtig ist... Um das klarzustellen: Auch auf dem iPhone gibt es hässliche Apps, die sich an keinerlei Designvorgabe halten. Nur haben die es in der Regel enorm schwer. Und welche Rolle das für einen spielt, muss jeder selbst entscheiden. Ich führe es hier auf, weil es mir persönlich eben auffällt.

Auf Seite 2 geht es weiter: App-Auswahl und PlayStore, Umzug der Daten und worauf ich dann doch verzichten muss.

App-Auswahl, PlayStore

Was ich schon vorher ahnte, hat sich bewahrheitet: In Sachen Apps war der Umstieg für mich unproblematisch. Ebenso wie im App Store ist die Auswahl in Googles Play Store groß und die Schwierigkeit ist hier ebenfalls hauptsächlich, das beste Programm für die eigene Aufgabe überhaupt erst einmal zu finden. Viele vertraute Namen sind bereits auf meinem Nexus 4 gelandet: Spotify, Evernote, Wunderlist... Und da diese drei Dienste ihre Daten alle in der Cloud haben, konnte ich gleich dort weitermachen, wo ich beim iPhone aufgehört hatte. Aber dazu gleich noch mehr.

Manche Apps wie den schönen und funktionalen Reeder gibt es leider nicht für Android. Aber in EasyRSS habe ich einen guten Ersatz gefunden. Er kann nicht alles, was Reeder kann, aber dafür den einen oder anderen Trick mehr: So kann man sich mit den Lautstärketasten durch die Feed-Elemente bewegen. Auf dem iPhone wäre so etwas undenkbar, weil von Apple nicht gewünscht.

Nach und nach füllen sich meine Homescreens. Das Suchen, Installieren und Wiederfinden der Apps ist dabei problemlos. Bevor man eine App installiert, wird man darauf hingewiesen, welche Berechtigungen sie haben möchte. Das ist informativ und hat zumindest in einem Fall auch dazu geführt, dass ich davon lieber Abstand genommen habe. Letztlich fürchte ich, dass es vielfach routiniert "weggeklickt" wird. Trotzdem: guter und wichtiger Service. Wichtig vor allem deshalb, weil Apps bei Android schließlich sehr viel mehr Möglichkeiten und Freiheiten haben als ihre iOS-Pendants. Auch das ist eine Medaille mit zwei Seiten, über die man sich stundenlang ergebnislos austauschen kann. Ich für mich begrüße diese Freiheiten und nehme eventuelle Nachteile in Kauf – zum Beispiel Apps, die im Hintergrund den Akku leersaugen. Dafür ist der Feedreader EasyRSS beispielsweise immer auf dem aktuellen Stand, sobald ich ihn aufrufe.

Die Sache mit dem Umzug: Wie kommen meine Daten von A nach B?

Beim Umzug hilft die Cloud enorm. Wenn es um Apps wie die schon genannten Spotify, Evernote oder Wunderlist geht, läuft der Wechsel praktisch nahtlos ab. Die Apps sind von Benutzerführung und Features her nicht immer deckungsgleich, aber Daten muss ich nicht umziehen. Einloggen, fertig. Das ist schon sehr praktisch. Ich will nicht das Fass aufmachen und hier grundsätzlich über die Vor- und Nachteile von Cloud-Diensten diskutieren. Klar ist nur: Hier spielen sie ihre Stärke aus. Das gilt ebenso für E-Mail, sofern man dort brav auf IMAP setzt, wo die Mails auf dem Server verbleiben.

Davon abgesehen ist es eine sehr individuelle Sache, wie simpel oder kompliziert der Wechsel von der Apple-Welt in die Google-Welt ist. Man muss dazu wissen, dass ich schon vorher in beiden Welten zu Hause war.

Glücklicherweise kommt der Mac trotz aller Streitereien zwischen Apple und Google gut mit Google-Diensten klar. Im Adressbuch von OS X reicht ein Häkchen, um es mit meinen Google-Account zu synchronisieren. Und im Kalender füge ich ebenfalls einfach den Account hinzu. Dann die vorhandenen Kalender exportieren und in den Google Kalender importieren. Fertig. Auf die Synchronisation dieser Daten via iCloud muss ich dann verzichten. Auf diese und andere Nachteile komme ich gleich noch zu sprechen.

Viel schneller als gedacht war mein Umzug komplett. Erst dachte ich, ich würde eine Weile parallel beide Geräte nutzen. Nun bin ich schon umgestiegen und bislang tun sich da keine Probleme auf.

Worauf ich verzichten muss...

Ein paar Dinge gibt es allerdings, die mir mit dem Wechsel auf Android vorerst verloren gehen.

Apples AirPlay habe ich immer mal wieder gern genutzt. Beispielsweise um ein YouTube-Video, das ich auf dem iPhone entdeckt habe, auf dem größeren Bildschirm abzuspielen. Oder um nach der Ankunft zu Hause, praktisch nahtlos die Musik über die Hi-Fi-Anlage weiterzuhören, die ich eben noch auf dem Kopfhörer hatte.

Und natürlich geht ein wenig Konsistenz verloren. Eigentlich haben sich Kontakte, Kalendereinträge, Erinnerungen usw. zwischen all meinen Geräten im Hintergrund abgeglichen. Das ist nun nicht mehr der Fall, denn das Nexus 4 nutzt hier logischerweise nicht Apples Dienste und die iCloud. Für mich ist das nicht so problematisch, da ich auf dem iPad diese Informationen sowieso selten genutzt habe. Wichtig ist, dass sie auf dem Laptop und dem Nexus gleich sind. Und das ist der Fall. Andere könnte das natürlich stören.

Eine andere Sache, für die weder Google noch LG etwas können: O2 bietet für Android kein "Visual Voicemail", obwohl das sogar im Betriebssystem vorgesehen ist, sofern ich das korrekt gelesen habe. Wer Visual Voicemail nicht kennt: Ich sehe in einer Liste auf dem Telefon alle Nachrichten auf meiner Mobilbox. Ich kann sie direkt auf dem Telefon auswählen, anhören, löschen, die Person anrufen etc. Das ist sehr bequem und gibt es beim iPhone seit Version 1. Bei meinem Nexus 4 muss ich nun wieder eine Telefonnummer anrufen und mich dort mit den Zifferntasten durchs Menü hangeln. Die Schuld trägt daran, wie gesagt, O2. Ein Verlust an Komfort ist es dennoch.

Erstes Zwischenfazit

Der Wechsel vom iPhone 4 zum Nexus 4 fühlt sich fürs erste sehr gut an. Es ist einfach ein tolles Stück Technik und man bekommt sehr viel für sein Geld. Android ist ein modernes Betriebssystem, das einem viele Möglichkeiten bietet, die ich hier noch gar nicht angesprochen habe. Das wird dann in zukünftigen Teilen dieser losen Serie sicherlich nachgeholt. Mir ging es erst einmal um das Nutzungserlebnis direkt aus dem Karton. Und das ist gut. Auf Dinge wie das umfangreichere Notification Center oder die große Auswahl im "Share"-Menü würde ich schon jetzt nur noch ungern verzichten wollen.

Zugleich kann ich aber verstehen, wenn jemand das iPhone als Gesamtpaket besser findet. So unterlegen, wie manche es gern darstellen, ist es nicht wirklich. Sagen wir es so: Beide könnten sich vom anderen noch ein paar Scheiben abschneiden und es wäre zum Besten aller Kunden.

Schaue ich mir an, welche Qualität und welche Funktionalität ich für den Kaufpreis bekomme, ist das Nexus 4 bei mir persönlich klarer Sieger.

Jetzt bin ich gespannt, wie sich Nexus 4 und Android in meinem Alltag bewähren. Wie weit werde ich vom ursprünglichen Android abweichen? Will und muss ich das überhaupt? Kann man mit dem Assistenten Google Now eigentlich etwas anfangen? Wie gut oder schlecht ist der Akku denn nun? Diese und andere Fragen stelle ich mir in den kommenden Wochen. Die Antworten gibt es dann wieder hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer