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12.05.17Kommentieren

Ratgeber

So wechseln Sie auf VDSL-Internet und VoIP-Telefonie

W.D. Roth


(Bild: Pixabay)

Vom zuverlässigen, doch auslaufenden ISDN zu schnellem DSL mit Voice over Internet Protocol (VoIP) – klappt diese Umstellung ohne Probleme? Und was machen Sie mit der vorhandenen Telefonanlage? Unser Ratgeber zeigt, wie Sie (endlich) schnelles Internet bekommen.

Schluss mit Dorf-DSL – aber wie? 

Manches Unternehmen auf dem Land ist froh, überhaupt Internet zu haben. Doch DSL-Anschlüsse der Anfangszeit mit ein oder zwei MBit/s oder gar „DSL light“ mit 384 kBit/s sind für Büros mit mehreren Mitarbeitern wenig geeignet: Ein Download lässt die restlichen Arbeitsplätze lahmen, Streams abreißen und zeitkritische Anwendungen scheitern. Ebenso blockiert ein Versand einer größeren Datei das Büro für einige Minuten.

Internet-Alternativen wie TV-Kabelanschluss oder LTE sind für professionelles Arbeiten oft ungeeignet, weil sich dort viele Nutzer eine Leitung bzw. Funkzelle teilen und dann im Gewerbegebiet die eigentlich erhoffte Geschwindigkeit erst nach Feierabend zustande kommt. Zudem ist Kabelanschluss meist nur in Wohngebieten verfügbar.

VDSL:  Mehr Tempo ohne große Umbauten

Zur Förderung der Breitbandversorgung wird mittlerweile sogar auf dem Land Glasfaserkabel gelegt, wenn das betreffende Gebiet auch gewerblich genutzt wird. Alternativ bietet die Telekom VDSL an, weil sie dafür weiterhin ihre bereits verlegten Kupferleitungen nutzen kann und so Kosten spart. Die Glasfasterleitung geht hier nur bis zum Verteilerkasten auf der Straße.

Auch der Kunde spart, da er ebenso keine größeren Umbauten vornehmen muss: Die Telefonleitung ist ja bereits vorhanden, es muss auf seinem Grundstück nichts aufgegraben oder im Keller des Gebäudes neu verlegt werden. Lediglich an der TAE-Dose muss eventuell etwas umgesteckt werden, dazu später mehr.

VDSL besitzt Einschränkungen: Eine spätere Geschwindigkeitssteigerung dürfte kaum mehr möglich sein, die Technik ist mit 50 Mbit/s Downlink und 10 Mbit/s Uplink bzw. 100 Mbit/s Downlink und 40 Mbit/s Uplink bis auf weiteres ausgereizt. Glasfaser-Lösungen bieten dagegen bereits 200 oder 1000 MBit/s.

Zudem ist VDSL mit Vectoring lediglich von der Telekom verfügbar; andere Anbieter können nur als Reseller auftreten, weil aus technischen Gründen bei Vectoring keine einzelnen Kabelstränge an andere Anbieter verpachtet werden können: Das Verfahren ist darauf angewiesen, alle Leitungen in einem Kabelstrang gemeinsam kontrollieren zu können.

Wenn Störungen schnell behoben werden sollen

Für den beruflichen Einsatz ist das Nutzen eines VDSL-Resellers wie 1&1 oder Vodafone weniger zu empfehlen, da Störungen nur vom eigentlichen Netzbetreiber, also im Fall von VDSL ausschließlich der Telekom, behoben werden können. Der Kunde kann aber nur mit seinem Vertragspartner direkt sprechen, der dies dann dem Netzbetreiber weiter reichen muss. Dies führt zu zusätzlichen Verzögerungen und nichtssagenden Rückmeldungen.

Bei Geschäftskundentarifen versprechen Reseller zumindest eine Reaktion innerhalb von acht Stunden; bei einem normalen Privatkundentarif kann es deutlich länger dauern. Für den gewerblichen Einsatz sollte man jedoch lieber direkt bei einem Netzbetreiber buchen.

Vorsicht, VDSL-Werbetricks!

VDSL beeinträchtigt den Kurzwellenempfang beeinträchtigt, wenn auch weniger intensiv als Powerline-Lösungen. Auch hier ist Glasfaseranschluss die bessere Abhilfe, nur muss dieser eben tatsächlich verfügbar sein. Vorsicht: Eher zweifelhafte Anbieter werben mit dem schnellen Glasfaseranschluss im eigenen Netz, um dem so geköderten Kunden dann doch nur einen Reseller-VDSL-Anschluss anzubieten, weil sie an dessen Standort gar kein eigenes Netz haben. 

Ist VDSL lokal verfügbar, so ist dies also die unkomplizierteste Lösung, den Internetanschluss upzugraden. Im Gegensatz zu den langsameren DSL-Varianten wird hier auch eine tatsächlich garantierte feste Bitrate angeboten und kein „bis zu“, bei dem sich ein „bis zu 6 MBit/s“ in der Praxis gerne mal auf nur 2,2 MBit/s reduziert.

Vectoring ist verfügbar

Telekom-VDSL gibt es aktuell nur in den beiden genannten Geschwindigkeiten 100 MBit/s Download bzw. 40 MBit/s Upload mit und 50 MBit/s Download bzw. 10 MBit/s Upload ohne Vectoring. Mit Vectoring ist der Download also theoretisch doppelt und der Upload viermal so schnell, was den geringen Aufpreis gerade im gewerblichen Einsatz wert ist. Allerdings ist nicht an jedem Standort Vectoring möglich und es werden nicht immer die vollen 100 MBit/s Download erreicht. Umgekehrt wird auch bei der niedrigeren Geschwindigkeit mitunter Vectoring genutzt, um die Verbindung stabiler zu halten.

Kauf oder Miete?

Wird an einem Standort VDSL verfügbar, so ist zu überprüfen, ob die vorhandene Hardware hiermit umgehen kann. Der Router muss schnell genug sein, was kabelgebunden meist gegeben ist. Ältere WLAN-Standards sind jedoch an VDSL Datenbremsen. Zudem muss das DSL-Modem VDSL beherrschen.

Man kann bei der Telekom VDSL-Modem und Router mieten oder kaufen. Ebenso können aber auch andere VDSL-kompatible Geräte verwendet werden, die man dann natürlich anderweitig einkaufen muss. Die AVM Fritzboxen sind sehr beliebt, weil praktisch zu bedienen und mit Modem, Router und Telefonfunktion ausgerüstet. Für VDSL kommt die AVM Fritzbox 7490 in Frage.

Wurde zuvor bereits eine AVM Fritzbox genutzt, können deren Daten direkt in die neue Box überspielt werden. Diese kann dann auch bereits vor der Umstellung auf VDSL beispielsweise an einem Wochenende in Betrieb genommen werden, da sie auch die einfacheren DSL-Standards beherrscht. Lediglich die WLAN-Schlüssel sind bei älteren Fritzboxen kürzer als bei den aktuellen Modellen und dann nicht direkt ersetzbar.

Am Tag X ist dann lediglich der bisher benötigte DSL-Splitter aus dem Signalweg zu nehmen, weil bei der Umstellung auf VDSL auch ISDN oder Analog-Telefonie abgeschaltet wird und damit keine Aufteilung in Telefon- und DSL-Zweige mehr existiert: Die Fritzbox ist nun direkt am TAE-Anschluss anzustöpseln.

 Fazit

Insgesamt ist die Umstellung von Analog- oder ISDN-Telefonie und getrenntem DSL auf VDSL mit VoIP-Telefonie weit unproblematischer als befürchtet und der neue, schnelle VDSL-Anschluss ist nun nicht teurer als die alte ISDN/DSL-Kombination. Man muss sich also nicht vor der Umstellung auf das neuere System fürchten: Die VDSL- und VoIP-Systeme haben Praxistauglichkeit erreicht. Sie mögen zwar nicht die alte ISDN-Zuverlässigkeit erreichen, doch definitiv die der früheren Analogtelefonie, bei der Fehlverbindungen, Übersprechen und gar ungewollte „Vierer-Konferenzen“ durch Verkoppelung zweier Telefonate an der Tagesordnung waren.

Dafür bietet IP-Telefonie ganz neue Komfort-Optionen wie die Möglichkeit, Anrufe auch von unterwegs beliebig umzuleiten oder sich über WLAN in die Anlage einzuklinken und unter seinen Festnetz-Nummern zu telefonieren. Wenn auch unter einem etwas erhöhten Sicherheitsrisiko wegen des freizuschaltenden externen Zugriffs, der natürlich auch missbraucht werden könnte.

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