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24.01.13

Transcend SD-Card mit WLAN im Test: Günstiges Wi-Fi für die Digitalkamera

Mit der SD-Card von Transcend bekommt man nicht nur Speicher für seine Digitalkamera, sondern gleich auch noch WLAN mit hinzu. Wie gut das funktioniert, haben wir ausprobiert.

Am 8. November 2012 hatte der Speicherspezialist Transcend angekündigt, sich den Vorreitern  Eye-Fi und Toshiba anzuschließen und seine eigene WLAN-fähige SD-Speicherkarte auf den Markt zu bringen. Der Clou dabei: Anstatt vergleichsweise langsamer Klasse-6-Karten verwendet Transcend von Anfang an Klasse 10 und ist dennoch deutlich günstiger als die Konkurrenz. Mit einem empfohlenen Verkaufspreis von 69 US-Dollar für 16 GB Class 10 liegt die WiFi-SD satte 30 Dollar unter der entsprechenden Karte von Eye-Fi. Oder anders herum: Für nur zehn Dollar weniger als bei Transcend gibts bei Eye-Fi lediglich Class 6 und 8 GB. Im Internet ist die Transcend Karte mit 16 GB mittlerweile sogar schon unter 50 US-Dollar zu haben. Dafür ist der Funktionsumfang der Software etwas geringer.

Einmal in der Kamera eingesteckt, ermöglichen die Karten im Prinzip sowohl die lokale Speicherung von Fotos und Videos als auch die drahtlose Übertragung via WLAN auf einen Computer, ein Tablet oder ein Smartphone. Gratis-Apps für Android und iOS erleichtern die Bedienung und erlauben eine unmittelbare Resultatkontrolle am größeren Bildschirm. Das dürfte insbesondere ambitionierte Fotografen ansprechen. Aber auch Reisende, die ohne viel Kabel- und Gerätesalat ein Backup auf das Smartphone oder direkt in die Cloud vornehmen wollen, sind mit so einer Wi.Fi-Card gut bedient. Gerade was die Kompatibilität angeht, haben jedoch sämtliche Karten noch ihre Probleme. Leider ist davor auch die Transcend Karte nicht gefeit, wie sich in meinem Praxistest herausstellte.

Der Test

Nachdem die Karte offenbar während Monaten nicht lieferbar war – jedenfalls hier in der Schweiz – habe ich vor einigen Tagen endlich eine 16-GB-Version erhalten. Voller Freude habe ich die App auf iPhone und iPad heruntergeladen und die Karte gemäß den Anweisungen im Quickstart Guide in der Kamera installiert. Leider tat sich daraufhin gar nichts. Zwar konnte ich Bilder aufnehmen, von WLAN war aber weit und breit nichts zu merken. So stellte sich heraus, dass die Liste der als kompatibel erklärten Kameras zurzeit noch relativ kurz ist, wenngleich sie ständig erweitert wird. Die Liste der inkompatiblen Geräte ist indes auch nicht so kurz, wie man sich das wünschen würde. Meine Olympus OM-D E-M5 ist zurzeit noch ungetestet und somit nicht offiziell kompatibel. Nach etlichen Versuchen, die Karte zum Laufen zu bringen, beschränkte ich mich somit auf den Test in der GoPro HD Hero (Version 1.0). Hier funktionierte die Karte auf Anhieb problemlos.

Funktionsumfang

Die Wi-Fi-SD-Karte lässt sich in zwei Betriebsmodi schalten, was durch das Löschen eines speziellen Bildes auf der Karte erreicht wird – oder die Karte bootet in den default Modus, welcher sich per App oder Browser einstellen lässt.

Der erste Modus ist Direct Share, in welchem die Karte als Hotspot fungiert und man mit bis zu drei Geräten gleichzeitig auf diese zugreifen kann. Idealerweise geschieht dies mit einer iOS- oder Android-App, die nebst Zugriff auf die gespeicherten Bilder auch einen Shoot & Review Modus kennt. Schießt man nun mit der Kamera ein Foto, erscheint dieses wenige Sekunden später auf dem Bildschirm des Smartphones oder Tablets. Das ist einerseits für ambitionierte Fotografen interessant, die sofort auf einem hochauflösenden Bildschirm die Resultate begutachten wollen, wie man das vom tethered shooting kennt, andererseits ist die Funktion aber gerade auch in Kombination mit einer "blinden" Actionkamera, wie etwa der GoPro, von Vorteil. So lässt sich nämlich einfach kontrollieren, ob der gewählte Blickwinkel dem gewünschten entspricht. Natürlich ist auch dies nur sinnvoll, wenn man nicht schon einen Bildschirm oder ein Wi-Fi-Modul an seiner Actionkamera hat.

Im Direct Share Modus lässt sich die Karte auch mit einem Computer im Browser ansteuern. Allerdings ist die Shoot & Review Funktion dort nicht verfügbar. Lediglich die Einstellungen können verändert und die gespeicherten Bilder angeschaut und heruntergeladen werden.

Der zweite Modus heißt Internet Mode. Hier greift die Karte auf ein bestehendes WLAN zu und stellt die Inhalte als Client auf dem Netzwerk bereit. Dies hat den Vorteil, dass so auch die Internetdienste nutzbar werden, sofern das WLAN einen Gateway ins Internet hat. Leider steht diese Funktion nur den iOS- und Android-Apps zur Verfügung. Mit ihrer Hilfe lassen sich Bilder dann zudem direkt an Facebook oder E-Mail weiterleiten. Ein vollautomatisches Backup auf Flickr oder einen Cloud-Speicher wie bei der Eye-Fi steht nicht zur Verfügung. Allerdings ist der Transfer der Bilddaten im Internet Modus deutlich langsamer als im Direct Share Modus, womit auch der Shoot & Review Modus hier etwas weniger interessant ist. Die Wi-Fi-SD-Karte kann die Zugangsdaten von bis zu drei verschiedenen Drahtlosnetzwerken speichern, so dass man nicht jedes Mal mühsam umkonfigurieren muss, wenn man zwischen daheim und seinem Lieblings-Starbucks hin und her geht.

Performance

In einer kompatiblen Kamera steht nach dem Einschalten die Wi-Fi-Funktion nach rund 30 bis 40 Sekunden zur Verfügung. Das ist relativ lang und bedeutet somit auch, dass man ständiges An- und Abschalten der Kamera vermeiden sollte, wenn man von der Funktion profitieren will. Auch Ruhezustand- und automatische Abschaltfunktionen der Kamera sollte man gemäß Transcend deaktivieren. Das gekoppelt mit dem relativ hohen Stromverbrauch der Wi-Fi-Elektronik führt natürlich zu einer deutlich kürzeren Batterielaufzeit der Kamera. Das ist weiter kein Problem, aber man muss sich dessen bewusst sein.

Ist die Verbindung zwischen Kamera und Zweitgerät einmal hergestellt, funktioniert die WLAN-Verbindung erstaunlich zuverlässig und relativ flott. Für den Transfer eines 10 MB Bildes braucht die Karte ca. 5 bis 10 Sekunden. Die Reichweite ist dabei groß genug, dass Kamera und Zweitgerät nicht unmittelbar nebeneinander stehen müssen. Gemäß anderer Tests schnitt die Transcend-Karte im Vergleich zu den Konkurrenzprodukten bisher gut ab, sie gilt als schneller und zuverlässiger – wenn sie denn funktioniert.

Nach langem Probieren konnte ich die Karte schließlich auch in der OM-D testen. Der Trick ist, die Karte erst in die Kamera zu stecken, wenn die Kamera bereits eingeschaltet ist. Dies ist bedauerlicherweise kein empfehlenswertes Vorgehen, aber es besteht die Hoffnung, dass ein Firmware-Update für die Karte oder die Kamera das Problem in Zukunft beheben werden. Hier ist eine Liste der Kameras, die offiziell getestet und für kompatibel befunden worden sind.

Insgesamt überzeugen die Karte und die dazugehörige Software also durchaus, auch wenn beim Funktionsumfang der Software eindeutig noch mehr drin wäre – und vorausgesetzt die eigene Kamera ist kompatibel. In Anbetracht der Tatsache, dass viele neue Kameras mittlerweile mit Wi-Fi frei Haus kommen und andererseits im High-End-Bereich nach wie vor viel Compact Flash Karten verwendet werden, ist es jedoch fraglich, wie populär die WLAN-fähigen SD-Karten werden, bevor sie obsolet sind. So steht nun zwar mit der Transcend WiFi-SD eine günstige Minimallösung für den drahtlosen Bildversand zur Verfügung, auf fortschrittlichere Features wie automatisches Cloud-Backup oder WLAN-Geotagging muss man bei der Billigvariante noch warten.

Die Transcend Wi-Fi-SD-Karte ist u.a. bei Amazon erhältlich: Die 32-GB-Version kostet derzeit rund 68 Euro. Die 32-GB-Version knapp 48 Euro.

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