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11.03.14Leser-Kommentare

Schade, nur ein Werbegag: Timo Boll schlägt Kuka-Tischtennisroboter

Ein deutscher Hersteller für Industrieroboter warb in einem spannenden Spot mit einem Mensch-Maschine-Duell: Tischtennisprofi Timo Boll sollte sich an der Platte mit einem Roboter messen. Leider wurde es nichts mit einem echten Match, die Show entpuppte sich als inszenierte Werbeaktion.

Der schnellste Tischtennisspieler gegen den schnellsten Industrieroboter. Wer gewinnt? Alle Bilder: Kuka

Als technikbegeisteter Mensch, der gleichzeitig aktiver Tischtennisspieler ist, hat mich das natürlich interessiert. Timo Boll, deutsche Tischtennislegende, wollte das tun, was Schachweltmeister Garri Kasparow in den 1990ern vormachte: gegen einen Roboter antreten.

Der Augsburger Hersteller für Industrieroboter, Kuka, hat uns die Idee im Vorfeld als echtes Duell verkauft: Boll würde sich in einem Match dem Roboter stellen. Würde er es schaffen, gegen die Schnelligkeit und Kraft einer Maschine anzukommen? Nun zeigt sich leider: Das Ganze war nicht mehr als eine Werbeaktion, das Spiel letztlich inszeniert, ein echtes Match hat nie stattgefunden.

Und das ist schade, denn im Film hat es durchaus den Anschein, dass sich hier Mensch und Roboter auf Augenhöhe messen. Ein spannender Schlagabtausch hätte es werden können. Dass dieser so stattgefunden habe, das suggeriert auch das offizielle Werbevideo, das daraus entstanden ist:

www.youtube.com/watch

Darin sieht es zunächst so aus, als hätte Boll keine Chance gegen die Maschine. Der Roboter spielt mit ihm Katz und Maus. Doch Boll fängt sich und am Ende wird es noch einmal richtig spannend.

Dass die ganze Show inszeniert ist, ahnt man bereits beim Spielverlauf. Und das Making Of lässt dann jegliche Illusion verschwinden:

www.youtube.com/watch

Was also sollte das? Kuka schreibt auf der eigenen Facebook-Seite, das ganze sei ein Vorgeschmack gewesen. Ein Vorgeschmack darauf, was Industrieroboter in Zukunft zu leisten fähig sein sollen. Grund für die Promo-Aktion ist offenbar bloß die Eröffnung eines neuen Kuka-Werkes im chinesischen Shanghai. In China ist Tischtennis Nationalsport. Boll, der eine kurze Zeitlang auf Platz 1 der Weltrangliste rangierte und sich mit den dominierenden chinesischen Akteuren auf Augenhöhe traf, ist dort bekannter als Kanzlerin Merkel. Das Video allerdings wurde dem Vernehmen nach auch nicht in China, sondern in Bulgarien gedreht. Es bleiben viele Fragezeichen.

Dass ein Roboter einen Menschen im Tischtennis schlagen kann, sollte eigentlich kaum überraschen. In der schnellsten Rückschlagsportart der Welt kommt es auf Geschwindigkeit, Technik und Material an. Schwierigkeiten sollte ein Roboter hier eigentlich nur noch dabei haben, in der Kürze der Zeit die richtige Antwort auf einen entsprechend angeschnittenen Ball parat zu haben. Viel schneller als ein Mensch kann ein Roboter allerdings die Rotation des Balles schon im Flug registrieren und eine passende Antwort darauf finden.

Die Aktion erinnert an den ungleichen Kampf zwischen einem Mensch und dem Schere-Stein-Papier-Roboter. Hier ist die Technik in der Lage, die wahrscheinliche menschliche Reaktion binnen eine Millisekunde zu lesen und darauf zu reagieren. Der Mensch ist chancenlos. Ein Tischtennisroboter hätte den kaum schlagbaren Vorteil der Kraft. Mit voller Wucht auf einen Ball gedroschen, und das Geschoss wird derart schnell, dass ein Mensch praktisch nicht mehr in der Lage sein dürfte, darauf zu reagieren. Einzige Möglichkeit vielleicht - Achtung, Insider: sein Spiel mit langen Noppen zerstören.

Aber ein echtes Duell im Tischtennis, Tennis oder welcher Sportart auch immer würde uns in Zukunft interessieren. Und es steht zu befürchten, dass der Mensch hier nirgendwo noch lange mithalten kann.

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Kommentare

  • Wiggy

    11.03.14 (14:09:23)

    Ist doch ein schön gemachter Werbespot, natürlich reißerischer, als es nötig wäre... Aber was ich mich frage, und was weder im Video noch im Artikel noch im Making Of angesprochen wird: Wie hat das überhaupt funktioniert? Industrieroboter spielen in der Regel doch nur vorprogrammierte Bewegungsabläufe exakt ab (wenn auch mit beeindruckender Geschwindigkeit und Präzision). Der gezeigte Roboter hat ja keine Kamera oder andere Sensorik, mit der er erkennen könnte, wo der Ball überhaupt hinkommt, und erst recht nichts, womit er analysieren könnte, mit welchem Spin der Ball ankommt. Man müsste da ja in Echtzeit Position, Richtung, Geschwindigkeit und Spin des Balls mit großer Präzision bestimmen und dann noch eine entsprechende Reaktion des Roboters auslösen. Einfach nur den Schläger hinhalten reicht nicht... Sowas ist meines Erachtens mit dem aktuellen Stand der Technik schlicht nicht machbar. Das ist nochmal ein ganz anderes Kaliber als Schere-Stein-Papier zu erkennen oder einen Ball zu fangen. Diese Art der komplexen Echtzeit-Analyse ist auch nichts, was Kuka anbietet oder wofür die bekannt wären. Die sind zuständig für schnelle, hochpräzise Bewegungsabläufe, aber das sind i.d.R. "nur" vorab aufgezeichnete/programmierte Sequenzen, die halt abgespielt werden. Meine Vermutung: Für die Videos hat man den Roboter vorprogrammierte Schlagbewegungen abspielen lassen, und Timo Boll musste ihm die Bälle dann direkt auf den Schläger spielen. Alles andere halte ich für technisch nicht durchführbar. Nichtdestotrotz ist auch das natürlich trotzdem eine Riesenleistung. Wir wissen ja, wieviel Präzision ein vernünftiger Tischtennis-Schlag erfordert, da geht es um Millimeter und Sekundenbruchteile. Da dann überhaupt eine Bewegung des Roboterarms mit der notwendigen Genauigkeit und Geschwindigkeit hinzubringen, ist natürlich aller Ehren wert; sowohl von der Programmierarbeit her, als auch von der Präzision der Roboter-Mechanik (und um die geht es dem hersteller ja hauptsächlich). Nur hat das halt mit einem richtigen Ballwechsel, bei dem man nicht weiß, wohin der Gegner spielt und wie, rein garnix zu tun... Von daher halt ein netter Werbegag, aber eben alles reine Show. Grüße, Wiggy

  • Jürgen Vielmeier

    11.03.14 (14:18:06)

    Möglich ist das mit moderner Robotik schon. Du bräuchtest halt Kameras, die mit der Steuerungselektronik kommunizieren und dann den richtigen Gegenschlag berechnen, z.B. Vorhand-Sidespin wird gespielt, also: Schläger zumachen und gegenblocken. Die Zahl der möglichen Schläge ist doch überschaubar und die der Reaktionen darauf auch. Schwierig ist die Platzierung. Also ja: Entweder: die Zahl der Möglichkeiten war für den Roboter noch zu komplex und Boll hat nur halbe Kraft gespielt. Oder der Roboter war aufgrund der höheren Geschwindigkeit und Schlagkraft einfach schon zu stark. Weitere Möglichkeiten gibt es in meinen Augen eigentlich nicht. ;)

  • Hellchampion

    11.03.14 (14:49:43)

    Und hier mal ein Bastler in seiner Garage. https://www.youtube.com/watch?v=imVNg9j7rvU

  • Hellchampion

    11.03.14 (14:50:13)

    https://www.youtube.com/watch?v=imVNg9j7rvU

  • Wiggy

    12.03.14 (10:25:43)

    Sehr cool, wirklich beeindruckend! Aber das ist das, was ich meinte: Man braucht da Kameras, Analysesoftware usw., die in Echtzeit die Flugbahn berechnet und entsprechende Reaktionen ausführt. Davon ist in keinem der Videos was zu sehen. Und das sind Dinge, mit denen Kuka eigentlich nix am Hut hat. Um sowas geht es denen auch garnicht, denen geht es eben um Geschwindigkeit und Präzision ihrer Roboterarme. Wenn sie doch so ein Analyse-System gebaut hätten, was ja unbestreitbar eine Leistung ist (hat ja immerhin auch bei dem Bastler 2 Leute 2 Jahre Zeit lang beschäftigt, und das Kuka-System hätte dann noch einiges mehr können müssen wie Aufschläge, Schläge mit Spin abwehren etc.), dann hätten sie das ja auch entsprechend promoten können, oder zumindest mal irgendwo erwähnen. Man sieht im Making Of auch nirgends Kameras oder sonstige Sensorik. Der ganze Spot ist auch so zusammengeschnitten, dass man eigentlich nie sieht, wie der Roboter wirklich auf einen Schlag von Boll reagiert. Der Regisseur erzählt auch irgendwas von der Wahnsinns-Präzision, immer und immer wieder den Ball an die exakt gleiche Stelle zu schlagen und wie ihn das beeindruckt hätte. Damit kann ja eigentlich nur gemeint sein, dass Boll dem Roboter den Ball auf den Schläger spielt, den dieser vorprogrammiert an eine bestimmte Stelle hält. Das Einzige, was im Making-Of-Video gesagt wird, ist, dass sie diesen "Eventmanager" extra für den Dreh eingeflogen haben, damit er für den Spot den Roboter programmiert. Ein System wie das von dem Bastler in der Garage programmiert man nicht mal eben am Set während der Dreharbeiten, und ein "Eventmanager" programmiert eigentlich garnix... Ich wäre dafür, den Jungs aus der Garage so einen Kuka-Roboterarm zur Verfügung zu stellen, damit die damit ihr System perfektionieren. :) Ihr aktueller Roboterarm kriegt glaube ich Probleme, sobald es etwas schneller wird. Grüße, Wiggy

  • Pete Lambs

    12.03.14 (13:41:19)

    Das Video ist ein Fake! Bitte nicht weiter verbreiten...

  • Wolfgang

    12.03.14 (16:42:41)

    Ja, sehr schade. Ist ist eine große Chance vertan worden. Mit heßer Luft ist keinem gedient. Besser wäre es m.E. gewesen noch ein paar Jahre zu warten, bis wir tatsächlich so weit sind. So steht KUKA als großer Blender da, der zwar ein schönes Makrletingfilmchen gedreht hat, ansonsten aber den Eindruck hinterlässt, dass die Ingenieur-Kunst, die sie anbieten, nur in Werbefilmchen funkioniert. Schade.

  • Stephan

    26.03.14 (22:24:21)

    Ich wundere mich ehrlich gesagt ein wenig, dass ein Technik-Blogger wirklich glaubt, der Roboter könnte hier gewinnen. Das wird vermutlich in 20 Jahren noch nicht möglich sein. Wenn du sehen willst, wo die Robotik heute steht, dann empfehle ich das folgende Video (ab Minute 2): http://www.youtube.com/watch?v=A-M60igDQUY Da konkurrieren die besten Firmen der Welt in diesem Bereich um 2 Mio. Dollar Preisgeld. Wie schwer sich die Roboter tun, eine einfache Treppe autonom hochzugehen, das siehst du hier; wenn du das nun mit der Anforderung vergleichst, in Millisekunden autonom auf Bälle von Timo Boll zu reagieren, dann kann man sich vielleicht etwas besser vorstellen, ob das heute oder morgen möglich sein wird... Was so etwas an Sensorik und Rechenleistung erfordern würde, das muss man wohl nicht mehr weiter ausführen.

  • Stephan

    26.03.14 (22:32:19)

    P.S. der Bastler in der Garage und das Video sind natürlich auch ein Fake, ist wie gesagt technisch unmöglich. http://www.heise.de/hardware-hacks/meldung/Der-Tischtennisroboter-und-sein-Phantom-Tueftler-2154534.html

  • Jürgen Vielmeier

    27.03.14 (08:16:04)

    Weiß nicht genau, warum das für einen "Technik-Blogger" nicht möglich sein soll, sich das vorzustellen. Du brauchst keine humanoiden Roboter, wie sie in dem Video vorkommen, das du hier verlinkst. Es reicht ein schneller Industrieroboter, wie Kuka ihn hier hat. Bleibe dabei: Rotation und Geschwindigkeit des Balles erfassen reicht, die Anzahl der möglichen Reaktionen darauf liegt im zweistelligen, maximal im niedrigen dreistelligen Bereich. Ein Roboter muss diese Möglichkeiten anders als ein Mensch nicht mühsam lernen, er bekommt sie einprogrammiert. Größte Herausforderung: Die Koordination im Raum. Halte ich aber für machbar. Sensoren müssen da sein, ja, aber es reicht in meinen Augen, den Flug des Balles zu erfassen, nicht die Bewegung des Gegners. Der Schere-Stein-Papier-Roboter, der eine Bewegung des Menschen in Millisekunden registriert und darauf reagiert, zeigt die Richtung, in die das gehen kann: http://neuerdings.com/2013/11/07/schere-stein-papier-roboter/ Und dann kommt es auch noch auf die Taktik an: Gib dem Roboter genug Kraft, so dass er einen Ball mit 300 km/h über die Platte schießen kann, programmier ihn so ein, dass er das mit jedem Ball macht und ein Timo Boll sieht kein Land mehr. Wenn nicht jetzt, dann wird die Technik in ein paar Jahren so weit sein.

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