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24.10.12

The Alpha Cardboard Bike: Fahrrad aus Pappe für 20 US-Dollar

Kann man ein benutzbares Fahrrad weitgehend aus Pappe konstruieren und dann für 10 US-Dollar das Stück herstellen? Das geht sehr wohl, sagt Izhar Gafni aus Israel. Sein neuester Prototyp sei bereit für die Massenproduktion.

Der 50-jährige Izhar Gafni hat in seinem Hauptberuf schon verschiedene Preise gewonnen: Er entwirft Maschinen für die Massenproduktion, die dann Granatäpfel schälen oder Schuhe herstellen. Zugleich aber ist er ein großer Fahrradfan und als er eines Tages hörte, dass jemand ein Kanu nur aus Pappe hergestellt hat, kam ihm eine ähnlich verrückte Idee: Könnte man ein Fahrrad aus Recycling-Pappe bauen? Vier Jahre und viele Prototypen später hat er die Antwort: Ja, man kann! Sein Cardboard Bike ist dabei mit insgesamt rund 9 kg nicht nur vergleichsweise leicht, sondern zugleich soll es noch stabiler als ein Carbonrahmen sein. So darf der Fahrer bis zu 220 kg wiegen... Und das Beste: Man könnte es für 10 US-Dollar das Stück herstellen.

[photos title=""] "The Alpha" nennt er sein Gefährt, das zu 100 Prozent aus recyceltem Material besteht. Somit ist es auf der einen Seite das vielleicht umweltfreundlichste Gefährt, das es derzeit gibt – was Kunden in aller Welt ansprechen sollte. Auf der anderen Seite kann es durch seinen verblüffend niedrigen Preis Menschen in Entwicklungsländern helfen.

Der Weg hin zum funktionierenden Rad war allerdings alles andere als einfach. Verschiedene Ingenieure erklärten Izhar Gafni, dass seine Idee schlichtweg nicht umsetzbar sei. Er selbst war da optimistischer, denn er wusste, dass Papier und Pappe sehr stabil sein können, wenn man sie richtig verarbeitet. "Einmal gefaltet, wird Papier dreimal stabiler", zitiert ihn die Seite fastcodesign.com. Er hat inzwischen mehrere Patente für seine Entwicklungen eingereicht. Anderthalb Jahre hat er allein gebraucht, um die Faltung der Pappe zu perfektionieren.

Als diese Hürden überwunden waren, verging ein weiteres Jahr, bis aus einem "Pappkarton auf Rädern" etwas wurde, das auch nach einem Fahrrad aussah. Zudem ist das Papprad sowohl gegen Regen als auch gegen Feuer geschützt.

Das folgende Video dokumentiert einen Teil des schwierigen Entwicklungsprozesses:

Und wie es scheint, steht Izhar Gafni kurz vor der Verwirklichung seiner Idee: Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters erklärte er, dass die Massenproduktion in wenigen Monaten beginnen könne. Und die greift natürlich auf ein hohes Maß an Automatisation zurück – Izhar Gafnis Spezialgebiet. Das Gute daran sei, dass man das Rad überall herstellen könne und die Produktion nicht etwa in ein Billiglohnland ausgelagert werden müsse, erklärte er gegenüber Reuters. Durch den Einsatz von Recyclingmaterial könnte mancherorts das Rad dank entsprechender Förderungen gar verschenkt werden. Bei einem Händler würde es vermutlich für 20 US-Dollar verkauft werden.

Wenn die Produktion anläuft, wird es dabei drei Fahrradmodelle geben: Das größte Fahrrad wird zusätzlich von einem Elektromotor angetrieben, ein weiteres, kleineres Modell ist für Kinder in Afrika gedacht und das kleinste im Bunde ist ein Lernrad für die Jüngsten. Darüber hinaus ist eine Hilfsorganisation auf das Projekt aufmerksam geworden und deshalb wird es neben den Fahrrädern noch ein weiteres Produkt geben: einen Rollstuhl. Auch er soll in Afrika zum Einsatz kommen.

Bei alldem sind die Pappräder nicht nur leicht und preisgünstig, sondern auch so wartungsarm wie nur möglich konstruiert. Deshalb hat das Rad einen Riemen statt einer Kette und deshalb sind die Reifen aus recyceltem Vollgummi und sollen 10 Jahre halten – Aufpumpen nicht notwendig.

Izhar Gafnis Zukunftsvision geht dabei noch sehr viel weiter, wie er Reuters verriet: Die nach seinen Methoden verarbeitete Pappe könne Metall an vielen Stellen ersetzen, sogar in Autos und in Flugzeugen. Davon würden vor allem Länder profitieren, wo man sich Metall als Material schlichtweg nicht leisten kann.

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