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04.12.12

Acht Projekte, ein Ziel: Endlich bequemer Schreiben auf Smartphone und Tablet

Eine virtuelle Tastatur mit Vervollständigungs-Funktion und Autokorrektur ist heute auf den meisten Smartphones und Tablets zu finden. Weil es sich damit aber trotzdem nicht besonders gut tippen lässt, gibt es verschiedenste Ansätze, das Problem zu lösen. Das Zeug zu einer echten Revolution hat allerdings nur einer.

Bei der Texteingabe auf Tablets und Smartphones siegt derzeit vor allem die Holzhammer-Methode: Microsoft beispielsweise rüstet das Surface-Tablet auf Wunsch mit einer vollwertigen, physischen Tastatur aus und Geräte wie das Archos 101 XS sind vor allem dafür da, um an ein Tablet auf Wunsch eine Tastatur anzudocken. Auch iPad und Android-Tablets lassen sich mit tragbaren Tastaturen erweitern, die per Kabel oder Bluetooth angeschlossen werden. Beim Wall Street Journal sieht man die Tastaturfrage gar als einen der Hauptgründe für den Trend hin zu immer größeren Touchscreen-Smartphones.

Physische Keyboards für Tablets gibt es für diejenigen, die eben doch ein wenig mehr tippen müssen, aber auf den sonstigen Komfort des Geräts nicht verzichten wollen. Wer will, kann gar eine projizierte Tastatur verwenden, wie Magic Cube des koreanischen Herstellers Celluon als nur einer von mehreren Anbietern dieses Prinzips: Die Texteingabe auf ein Smartphone erfolgt über eine virtuelle Tastatur, die auf eine harte Oberfläche projiziert wird. Hier seht ihr es im Video:

Etwas Ähnliches hat der Schweizer Student Florian Kräutli mit seinem Vibrative Virtual Keyboard entwickelt. Einmal kalibriert, ermittelt der Beschleunigungssensor des Smartphones Position und Eingabe der Tasten mit einer Genauigkeit von 80 Prozent.

Ein neuartiger Ansatz ist Tactus, eine Technik, die flexible Touchscreens nutzt. Auf der Oberfläche bilden sich dann Ausstülpungen in Form von Buchstaben oder Funktionstasten. Sie sollen es dem Nutzer erleichtern, die Tasten leichter zu treffen. Touché, ein Projekt von Disney Research (!), will Gesten auf verschiedenen harten Oberflächen ermöglichen, was allerdings eher ein Ersatz für Toucheingaben denn für ein Keyboard ist. Ziel dieser Bewegung ist es, Texteingabe größtenteils zu vermeiden. Zu den immer beliebteren Sprachassistenten auf Smartphones gesellt sich hier ein Anbieter wie ExpectLabs, der mit seiner Software MindMeld Voice-Chats auf dem iPad "mithört", Wörter entschlüsselt und diese im Hintergrund in Suchanfragen für Google umwandelt.

Projekte wie BeeRaider streben ein ergonomischeres Layout für physische und virtuelle Tastaturen an. Swype wiederum erlaubt, Wörter mit Hilfe von Wischgesten statt Tippen zu erfassen und kommt auf immer mehr aktuellen Smartphones zum Einsatz.

SnapKeys, die Revolution?

Am Hauptproblem allerdings schrammt das alles vorbei: Wir leben im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts und die fast 150 Jahre alte QWERTY/QWERTZ-Tastatur hat bis heute überlebt. Und das, obwohl die Anordnung der Tasten den Benutzer doch absichtlich vom schnellen Tippen abhalten sollte, wie QWERTY-Begründer Christopher Latham Sholes es 1868 vorsah. Seine mögliche Verbesserung, die Dvorak-Tastatur, hat es aufgrund bereits bestehender industrieller Standards nie geschafft.

Der klassische PC stirbt angeblich aus, sein Tastaturlayout bleibt. Dabei wäre eigentlich jetzt die Chance, QWERTZ für immer Lebewohl zu sagen.

Und es gibt auch Versuche, genau das zu tun: Von Snapkeys kommt der wohl revolutionärste Ansatz der Texteingabe seit T9 – das "blinde Tippen" auf einem "unsichtbaren Keyboard". Snapkeys erweitert den Ansatz von T9 (Text on 9 Keys) und will das Tippen mit nur 4 Tasten oder Druckpunkten möglich machen. Die Nutzung von Snapkeys 2i soll erstaunlich leicht zu lernen und noch einfacher zu bedienen sein. Bereits vor zwei Jahren vorgestellt, ist das Konzept der israelischen Firma allerdings noch nicht besonders weit in der Entwicklung. Es gibt diverse Beta-Versionen für iOS, Android und Windows Phone. Fest implementiert hat es bislang kein Smartphone-Hersteller, wohl auch, weil das Prinzip erst für eine Vielzahl von Sprachen getestet werden muss. Ein Video zeigt, dass es mit etwas Übung zumindest für Englisch schon einmal ganz gut funktioniert:

Im eigenen Produktblog rufen die Entwickler schon einmal großspurig das Ende von QWERTY aus. Und das zu Recht, wie ich finde. Denn Snapkeys hat in der Tat das Zeug dazu, die althergebrachte Tastatur auf Smartphones und Tablets überflüssig zu machen. Denn die Post-PC-Ära ist schon auf dem Weg, und einer der Hauptgründe, der die Menschen noch am PC festhalten lässt, ist die Tastatur. Wenn es darum geht, längere Texte zu schreiben, führt bislang noch kaum ein Weg daran vorbei. Bislang.

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