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22.02.08 08:49

, von Kurt Haupt

Test Archos TV+ Teil I/II Unterhalter und digitaler Videorekorder

Der Archos TV+ ist ein Chamäleon. Einerseits ist er eine intelligente Festplatte, welche Videos und Musik direkt an der Stereoanlage oder auf dem TV ausgibt. Daneben ist er aber auch ein Internetsurfbrett, das YouTube-Videos einfach in die Stube bringt. Auf Wunsch sucht er ferner Mediendateien im Heimnetzwerk zusammen und spielt sie im Wohnzimmer ab. Und weil der TV+ ein wirklicher Alleskönner ist, arbeitet er in seiner Freizeit zusätzlich noch als digitaler Videorekorder. Zeitgesteuert erstellt er mit Hilfe einer eigener digitaler Fernsehzeitschrift Aufnahmen von Settop-Boxen oder Sat-Receivern. Dem TV+ mangelt es aber an HD-Fähigkeiten und einer einfachen Benutzeroberfläche.

Archos TV+ Lifestyle

Das Design des Archos TV+ erinnert stark an die Konkurrenz von Apple. (Bild: Archos)

Dass Archos ihre Realisierung der Apple-Idee als TV+ bezeichnet, ist berechtigt. Die hübsche Box der Franzosen kann nämlich einiges mehr, als das Apple-Vorbild. Hat dafür aber andere Schwächen.

 

Als Apple den "Apple TV" brachte, hofften viele auf die perfekte Symbiose zwischen Stubenunterhaltung und digitalen Inhalten. Doch Apple hat seine Lösung zu stark nach aussen abgeschottet, um damit erfolgreich zu sein. Eine Zweitauflage hat nun die gröbsten Fehler ausgebügelt.

Was passiert, wenn man einen universellen tragbaren Unterhalter in eine hübsches Gehäuse verpackt? Man hat einen TV+. Im Inneren des weissen Kunststoffgehäuses befindet sich nämlich die bewährte Hard- und Software des portablen Multimediaplayers Archos 605 WiFi. Dieser zählt zu den cleversten tragbaren Unterhaltern am Markt, belastet seine Besitzer aber auch mit fetten Massen und grossem Gewicht.

Mittels einer Dockingstation liess sich bereits der 605 mit einem Fernseher verbinden und als Rekorder nutzen.

Beim TV+ hat man die Dockingfunktionen bereits eingebaut. An der Rückseite der Multimediabox warten eine HDMI-Dose sowie Komponentenstecker auf einen guten Fernseher oder einen Beamer. Sound lässt sich wahlweise über HDMI sowie optisch oder analog ausgeben.

ARCHOS TV+ back

Reichhaltiges Anschlussangebot des Archos TV+ (Bild: Archos)

Keine HD-Auflösung

Die grösste Enttäuschung bereitet der TV+ kurz nach dem Anschliessen. Er unterstützt nämlich nur die Videoausgabe bis 576p (720 x 576 Bildpunkte). Echtes HD mit 720p oder 1080i wird nicht unterstützt. Archos hat zwar ein Update auf 720p versprochen, der Firmware-Upgrade von Februar 2008 brachte aber noch keine Besserung. Im Vergleich hat der Apple-TV mit seiner 1080i-Auflösung eindeutig die Nase vorn. Unschön ist auch, dass der Archos standardmässig auf das Bildformat 4:3 skaliert und mit 16:9-Displays nur mässig zurecht kommt.

ARCHOS TV+ Screen Menu

Die Bedienoberfläche stammt von den Archos Mobilplayern.

Happige Schwächen zeigt TV+ auch bei der Benutzeroberfläche. Das ist hauptsächlich auf den Software-Klau beim 605 WiFi zurückzuführen. Der portable Urvater verfügt nämlich über ein Touch-Display, das beim TV+ fehlt. Stattdessen wird ein Infrarot-Mini-Keyboard mit integrierter Mauswippe geliefert. Während man sich also beim 605 schnell durch die Listen per Fingerspitze tippt, mühen sich die Finger beim TV+ mit den mickrigen Tasten ab. Da wünscht man sich schon fast seine übliche Fernsehfernbedienung zurück. Was dem TV+ fehlt, ist eine Bluetooth-Schnittstelle für eine passende Maus und eine richtige Tastatur.

ARCHOS TV + Remote

Die Infrarot-Fernbedienung des Archos-TV (Bild: Archos)

Einfacher Zugriff via Ethernet und WLAN

Nach der Kritik zum Einstieg sei aber auch gleich eine besondere Stärke des Archos-Medienplayers hervorgehoben. Das Gerät verbindet sich nicht nur problemlos via WLAN und Ethernet in das heimische Netzwerk, sondern ist dabei auch sehr offen. Man kann beispielsweise mit dem in den TV+ integrierten Filemanager beliebige Ordner aus dem Netzwerk auf die interne 80-Gigabyte-Festplatte kopieren. Der TV+ kann aber seinerseits ebenfalls als Freigabe im Windows-Netzwerk auftauchen. Dann kopiert man also vom PC aus beliebige Multimediadateien auf den TV+.

Eine weitere Datenschnittstelle ist via USB möglich. Einerseits lässt sich die TV+ wie eine beliebige externe Festplatte an einen Rechner anschliessen und so mit Musik und Videos füllen. Andererseits kann man an den Archos auch eine übliche USB-Festplatte anstöpseln und so seine Speicherkapazität erweitern oder ihn mit Multimediadaten befüllen. Die USB-Dose schluckt auch herkömmliche USB-Sticks sowie Speicherkartenleser, die sich gegenüber Windows wie ein Laufwerk verhalten. Wer Glück hat, kann also seine Fotos ohne PC-Mitwirkung auf den TV+ transferieren.

ARCHOS TV+ UPnP

Medien lassen sich via UPnP-Netzwerk abspielen.

Noch mehr Offenheit gefällig? Bitte sehr! Der TV+ bindet sich auch problemlos in ein UPnP-Netzwerk als Multimedia-Renderer ein. Sprich die Musiksammlung auf dem Windows-PC erscheint sauber geordnet nach Interpreten und Titel auch auf dem Archos und kann direkt abgespielt werden. Die Dateien müssen dazu nicht vorgängig auf die Festplatte des Archos transferiert werden. Das ist vor allem bei fetten Videodateien ein grosser Vorteil. Der Datenaustausch via UPnP funktioniert auch problemlos mit externen Netzwerkfestplatten. Im Test war so eine Synology-Disk stromsparender Speicher für mein Videoarchiv.

Schwächen bei Videodarstellung

Als Musikclient vermag TV+ zu überzeugen. Über die Tastatur kann man recht flink innerhalb des Musikarchivs durch Eintippen des ersten Buchstabens springen. Die Steuerung innerhalb einzelner Songs ist einfach. Vermisst haben wir allerdings eine Taste, um einzelne Songs einer Abspielliste zuzufügen. Wünschenswert wäre auch, wenn der TV+ die Musik "auf die Schnelle" mit einer Diashow kombinieren würde. Hier zeigt Apple, wie man solche Funktionen hübsch gestaltet.

ARCHOS TV+ Musikwiedergabe

Der Musikwiedergabe-Screen hätte mehr Fantasie verdient.

Bei der Videodarstellung mangelt es an der HD-Auflösung. Videos mit mehr als 576 Zeilen werden gar nicht abgespielt. Ansonsten sind Bildqualität und Formatunterstützung gut. Befindet sich die Videoquelle nicht auf der integrierten Festplatte, ist leider schnelle Navigation innerhalb des Filmes nicht möglich.

Im Teil 2 werden Internetfunktionen und die Rekorderfunktion des TV+ detailliert getestet.

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