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07.08.12

neuerdings.com Spezial: Tablets in der Uni – ein Praxisbericht

Tablets erleben weiterhin einen Boom und bieten sich auch als Begleiter fürs Studium an. Sie sind oftmals günstig in der Anschaffung, zugleich ultraportabel und glänzen mit langen Akkulaufzeiten. Welche Hürden es in der Praxis trotzdem gibt, beleuchtet dieser Bericht.

Tablets sind immer mehr im Kommen und sollen künftig Laptop und vielleicht gar Desktop-PC ersetzen. Verstärken wird sich dieser Trend zum Ende des Jahres, wenn Microsoft als dritter großer Player mit Windows 8 in den Ring steigt. Auf der Computex, die auch die letzte große Messe vor dem Windows-8-Start ist, konnten bereits einige Tablets der großen Hersteller wie Asus, Acer und Toshiba bestaunt werden. Viele der 10 Zoll großen Tablets zeichnen sich durch eine optional ansteckbare Tastatur aus, die das Tablet in ein vollwertiges Laptop verwandelt. Auch Microsofts eigenes Tablet namens Surface setzt darauf. Hier hatten wir es auf neuerdings.com vorgestellt.

Ganz gleich jedenfalls ob Android, iOS oder das zukünftige Windows 8: Tablets finden immer mehr Interessenten. Auch für das Studium können diese Geräte in Frage kommen, sind sie doch innerhalb von Sekunden betriebsbereit und halten viele Stunden durch. Ein normaler Uni-Tag sollte mit einem vollen Akku ohne Probleme durchzuhalten sein. Die Tablet-Modelle beispielsweise von Asus halten ca. acht Stunden durch und können durch eine ansteckbare Tastatur erweitert und in ein Notebook verwandelt werden. Darüber hinaus ist in der Tastatur ein weiterer Akku integriert, der die Betriebszeit des Tablets noch einmal um ca. zehn Stunden verlängert. Oftmals existieren in Vorlesungsräumen keine oder nur sehr wenige Steckdosen. Eine freie Platzwahl ist nicht immer möglich und klassische Laptops machen bereits nach drei bis vier Stunden schlapp.

WLAN ist nicht überall

Im Normalfall gibt es auf dem gesamten Campus der Uni ein ausreichend starkes WLAN, in das man sich einklinken kann. Neben dem Uni-WLAN existiert an den meisten Hochschulen auch das Netzwerk "Education Roaming" (eduroam), auf das man zurückgreifen kann. Damit hat jeder Student und Hochschulmitarbeiter die Möglichkeit, an allen anderen teilnehmenden Universitäten das Internet zu nutzen. Auf der deutschen Seite des deutschen Forschungsnetzes (DFN) kann man auf einer Karte einsehen, welche deutsche Hochschule eduroam anbietet. Studenten in der Schweiz  und Österreich können auf eigenen Länderseiten die teilnehmenden Hochschulen ebenfalls einsehen. Daher sollte vor dem Kauf eines Tablets einmal geprüft werden, ob an den entscheidenden Orten auch ein ausreichend starkes Signal verfügbar ist. Nichts ist ärgerlicher, als die in der Vorlesung benötigten Dokumente nicht aufrufen zu können, weil das Tablet das Uni-WLAN nicht empfängt.

Die richtige Größe finden

Wer bereits einen Text als PDF auf einem Smartphonedisplay ansehen wollte, weiß wie nervig die zu kleine Schrift oder das ständige Hin- und Herschieben des Dokuments sind. Bequem einen längeren Text zu lesen ist so kaum möglich. Anders ist es bei speziell angepassten Texten, die auch auf Smartphonedisplays gut zu lesen sind. Doch das ist im Uni-Alltag kaum bis gar nicht vorhanden. In der Regel entscheiden Professoren selbst, wie sie Inhalte bereitstellen. Der Standard liegt in den meisten Fällen bei PDF- oder Word-Dokumenten.

Dabei gilt: Je größer das Display desto einfacher auch der Umgang mit Dokumenten und den darin enthaltenen Informationen. Tablets mit 10-Zoll-Displays sind an dieser Stelle deutlich im Vorteil. Sie haben eine ideale Größe, um Dokumente im Ganzen anzeigen zu können. Bei 7-Zoll-Displays wird es bereits etwas schwieriger. Sie haben eine ideale Größe, um schnell in die Jacken- oder Handtasche gepackt zu werden. Die eben erwähnten Standard-Texte im Word- oder PDF-Format sind dabei noch akzeptabel lesbar.

Besonders das günstige Nexus 7 von Google könnte für einige sehr interessant sein. Es bietet gute Hardware, das pure Android ohne zusätzliche Oberfläche eines Herstellers und ist zu einem schlanken Preis (vermutlich um 199 Euro ab Herbst) erhältlich. Hier hatten wir das Nexus 7 vorgestellt. Allerdings fehlt bei diesem Gerät derzeit eine optionale Tastatur, um in der Vorlesung schnell eigene Ideen mit zu tippen. Auf diesen Geräten ist auch eine virtuelle Tastatur vorhanden, diese lässt sich aber in Vorlesungen nicht in annehmbarer Zeit bedienen. Bleibt als Ausweichmöglichkeit eine Bluetooth-Tastatur, wobei man dann noch separat eine Halterung oder einen Ständer fürs Tablet braucht.

Die Cloud gibt Unabhängigkeit

Bei der Organisation des Studiums kommt es darauf an, wichtige Inhalte stets verfügbar zu haben. Cloudbasierte Dienste können an dieser Stelle enorm weiterhelfen. Bekannte Vertreter sind hier Dropbox, Box und Google Drive, es gibt aber noch zahlreiche andere Anbieter.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Zusammenarbeit mit Kommilitonen und Professoren/Dozenten. Beispielsweise könnte man sich bei gemeinsamen Projekten und Arbeiten auf Google Drive festlegen. Der Clouddienst macht das recht geschickt und bietet einige Funktionen, die besonders bei Gruppen- und Projektarbeiten sehr hilfreich sind. So lassen sich einzelne Dateien oder ganze Ordner für mehrere Personen freigeben. Kollaboratives Arbeiten ist dadurch möglich und es existiert immer die aktuellste Version. Damit entfällt das stetige Hin- und Herschicken von Word- oder PDF-Dokumenten, wenn Änderungen vorgenommen wurden.

Google Drive ermöglicht zudem, Dateien offline zu nutzen. Dadurch kann man auch in solchen Situationen Dokumente öffnen und bearbeiten, in denen keine aktive Internetverbindung verfügbar ist. Ein Weiterarbeiten in der Vorlesung ist somit gewährleistet. Wenn wieder eine Internetverbindung verfügbar ist, werden Änderungen übernommen und somit die Dokumente auf den neuesten Stand gebracht. Dank Cloud ist nicht zuletzt freies Arbeiten an jedem beliebigen Rechner möglich.

Das Buch bleibt vorerst fester Begleiter der Studenten

Auch wenn Professoren und Dozenten die Skripte und weitere Unterlagen digital zur Verfügung stellen, bleiben noch die für das Studium notwendigen Bücher. Bisher kann man sich die bei einer Biobliothek auf dem Campus ausleihen. Und genau hier haben wir eine erhebliche Schwachstelle, um digital zu arbeiten: Fachliteratur existiert bislang nur im seltensten Fall als digitales Exemplar. An einigen Hochschulen gibt es eine "Campuslizenz", so dass Studenten der Hochschule im jeweiligen Netzwerk Zugriff auf digitale Versionen von Fachliteratur haben können. Doch dies ist noch immer die Minderheit bei der verfügbaren Literatur und derzeit führt kein Weg an der gedruckten Version vorbei.

Ein erstes Projekt, um Schulbücher digital bereitzustellen wurde mit dem Projekt Digitale Schulbücher angegangen, das zum kommenden Schuljahr 2012/2013 startet. Bisher wurden 27 Verlage für dieses Projekt gewonnen, darunter Cornelsen, Klett und Duden. Die Auswahl ist derzeit noch begrenzt, aber sehr vielversprechend. Mit den digitalen Schulbüchern kann eine Lizenz für ein benötigtes Buch erworben und über den Browser genutzt werden.

Fazit

Bereits heute ist es durchaus möglich, mit einem Tablet bequemer den Uni-Alltag zu bewältigen. An einigen Stellen kommen aber auch moderne Universitäten nicht mit der technischen Entwicklung mit. Bibliotheken ermöglichen ihren Studenten nur teilweise den Zugriff auf digitale Ausgaben ihrer Bestände. Hauptsächlich müssen Bücher immer noch auf klassischem Wege ausgeliehen werden. Für einzelne Seiten sind Scanner-Apps für Android und iOS kostenlos im jeweiligen Store verfügbar und können dadurch das Ausleihen bzw. Kopieren vor Ort ersetzen.

Tablets bieten eine große Mobilität durch ihre allgemein deutlich bessere Akkuleistung als klassische Laptops und minimieren das täglich in die Uni zu schleppende Gewicht. Clouddienste wie Google Drive oder Dropbox ermöglichen das Arbeiten an Dokumenten von jedem Ort mit der stets aktuellen Dokumentenversion.

So gesehen ist mein persönliches Fazit: Tablets erleichtern bereits jetzt den Uni-Alltag und sind ein wertvoller Unterstützer für Studenten bei der Verwaltung und Organisation des Studiums.

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