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22.01.13Leser-Kommentar

RIM: Alles, was ihr zum Start von Blackberry 10 wissen müsst

Nach einem Jahr des Wartens und ohne nennenswerte Neugeräte steht RIMs Comeback vor der Tür. Blackberry 10 startet kommende Woche und wird durchaus mit Spannung erwartet. Was werden wir kommende Woche sehen und wird es reichen, um die angeschlagene Marke zu retten?

Das Medieninteresse ist da, und die Häme scheint man sich (noch) größtenteils zu sparen: Blackberry 10 steht vor dem Start. Kommende Woche Mittwoch will der kanadische Smartphone-Pionier RIM das neue System, die Marschrichtung für die Zukunft und auch die ersten Neugeräte präsentieren. Was werden wir dann sehen, was wird anders sein und wird RIM noch eine Zukunft haben? Wir haben die Informationen der vergangenen Tage zusammengetragen.

Was kann Blackberry 10?

Blackberry 10 verfolgt ein anderes Konzept als Android oder iOS. Am ehesten erinnert es an die MeeGo-Oberfläche Harmattan. Statt eines App-Bildschirms stehen die Schaltzentrale Blackberry Hub und die Widget-Multitasking-Kombination Active Frames im Vordergrund. Es soll leichter werden, von Anwendung zu Anwendung zu springen. Bei unserem Hands-on im Dezember haben wir dem neuen System viel Positives abgewinnen können. Blackberry 10 wirkt nicht wie ein uninspirierter iOS-Abklatsch, sondern wie eine durchdachte Weiterentwicklung. Auch die Oberfläche ist eigentlich sehr augenfreundlich geworden. The Boy Genius Report hat noch einmal hundert aktuelle Screenshots gesammelt, für die, die sich da einzeln durchklicken mögen.

Welche Endgeräte erwarten uns?

Das erste Modell, das RIM aller Voraussicht nach vorstellen wird, ist ein Touchscreen-Modell mit dem Arbeitstitel Z10. Es erinnert von den Formfaktoren her ein wenig an das iPhone 5, verzichtet aber auf einen Home-Button. Dafür gibt es unter anderem einen Steckplatz für Speichererweiterung und LED-Notifications. In einem Video, das die Kollegen von Telekom-Presse über ein vorliegendes Vorserienmodell gedreht haben, wird klar warum: Das Z10 verfolgt ein anderes Design-Konzept:

Im Vergleich mit dem iPhone kommt es hinsichtlich Anwendungen, Geschwindigkeit und Funktionialität gut weg. Specs wie 1,5 GHz Dualcore, 2 GB RAM, 2.100 mAh-Akku oder 8-Megapixel-Hauptkamera lesen sich auf Augenhöhe mit denen der Konkurrenz. Echte Tests müssen natürlich zeigen, wie gut das in der Praxis funktioniert. Ferner ist in Leaks einiger Techblogs der Prototyp eines Blackberrys mit physischer QWERTY-Tastatur aufgetaucht, die nur noch wenig an frühere Modelle erinnert. RIM hatte angekündigt, im ersten Rutsch jeweils drei Touchscreen- und drei QWERTY-Phones für verschiedene Preiskategorien anzubieten. Es ist davon auszugehen, dass wir alle sechs Modelle noch in diesem Jahr sehen werden. Die Preise dürften in den Kategorien um 300, 450 und 600 Euro sein.

Leak eines möglichen Blackberrys mit QWERTY-Tastatur. Bild: BlackBerry Empire

Wie sieht es mit den Apps aus?

Laut RIM-Chef Thorsten Heins sollen zum Start von Blackberry 10 mindestens 70.000 Apps zur Verfügung stehen. Laut Supercass könnten es sogar über 100.000 sein. RIM hatte Entwicklern finanziell unter die Arme gegriffen und mit dem eigens ausgerufenen "Port-A-Thon-Event" am vergangenen Wochenende alleine 19.000 Apps von Android zu Blackberry portiert. Mehr als 2 Millionen US-Dollar wird RIM der Spaß alleine an diesem Wochenende gekostet haben. Masse ist nicht gleich Klasse, aber bei mehreren tausend Apps sollten die wichtigsten dabei sein. RIM misst sich damit gleich vom Start weg auf Augenhöhe mit Windows Phone und dessen rund 120.000 Apps. Eine Investition, die sich auszahlen dürfte.

Wie steht es finanziell um RIM?

Umsätze und Gewinne brachen zuletzt ein, die Zahl der Nutzer aber nur leicht um etwa 1 Million auf 80 Millionen. Heins sagte der "Welt" in einem Interview (Achtung, Springer-Link), die Marke sei vor allem in Ländern wie UK und Indonesien sehr stark. Die Kriegskasse sei mit 2,9 Milliarden US-Dollar noch gut gefüllt, man sei schuldenfrei und personell schlanker aufgestellt als noch vor einigen Jahren. Im Falle eines Falles könne man gar den Verkauf der Hardware-Sparte in Betracht ziehen.

Letzteres halte ich für ein Ablenkungsmanöver. RIM ohne eigene Hardware wäre wie Apple ohne iPhone. Zu stolz ist man auf die eigenen QWERTY-Modelle der Vergangenheit und Zukunft, und auch das geplante Touchscreen-Modell Z10 braucht sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken. Und die Vorstellung eines Blackberrys von Samsung oder HTC will einem irgendwie nicht so ganz in den Kopf. RIM wird den Teufel tun, von der eigenen Hardware zu lassen. Eher wird das Unternehmen komplett aus finanziellen Gründen zersplittet oder verkauft. Klar ist nämlich auch: Gefüllte Kriegskasse hin oder her - Blackberry 10 ist die letzte Chance für die Kanadier. Kommt die Plattform nicht an, dann dürfte es das wirklich gewesen sein. Die Börse ist allerdings optimistisch: Die Aktie der Kanadier steht aktuell auf einem 13-Monats-Hoch.

Und sonst?

Die Kamera in Blackberry 10 soll gleich von Haus aus über Kunstfilter à la Instagram verfügen. Bilder sollen sich direkt mit einer Vielzahl von Möglichkeiten bearbeiten lassen. Weitere News sind unternehmenspolitischer Natur. Die Blackberry App World wird in "Blackberry World" umbenannt, um RIMs Fokus weg von der bloßen App zu unterstreichen. Video und Musik soll es in der World ebenso zu kaufen geben wie Apps. Die eigene Entwicklerkonferenz heißt jetzt Blackberry Live statt zuvor Blackberry World und überlappt damit - mutigerweise - mit der Google I/O im Mai, der Entwicklerkonferenz des Webriesen, auf dem es meist neue spannende Produkte nur so herunterregnet.

Ungewisse Zukunft, aber eine gute Chance

Fassen wir mal zusammen: Blackerry 10 wird anders sein als Android oder iOS, aber dennoch leicht und intuitiv bedienbar. Die Hardware ist auf Augenhöhe mit der Konkurrenz, Apps gibt es genug, die Kriegskasse von RIM noch für einige Monate gefüllt, Häme liest man nur wenig. Erstaunliche Seitenhiebe kommen allerdings von Samsung, wie in diesem Video, wo man allerdings offenbar nicht verstanden hat, dass RIM mit Blackberry Balance gerade Privat- und Geschäftsanwendungen in zwei Welten innerhalb eines Geräts kombiniert:

Ich habe in den vergangenen Wochen viel mit Bekannten, anderen Journalisten und Lesern kommuniziert. Noch immer ist die Gruppe der iPhone-Fans groß, aber es gibt unverkennbar einen Gegentrend. Tenor: "Das iPhone gibt es seit nunmehr sechs Jahren, wir kennen das jetzt, was gibt es sonst noch?"

RIM tut eigentlich alles dafür, um etwas anders zu machen: Innovation aus blanker Not heraus, denn die Marktanteile sind massiv eingebrochen. Natürlich garantiert nichts dafür, dass der Umschwung gelingt. Viel hängt von ersten Tests und auch dem Preis ab: Sollten Kritiken vernichtend ausfallen und die Dinger schlicht zu teuer sein, dann könnte auch von RIM am Ende des Jahres nicht viel übrig bleiben. Ich glaube allerdings nicht, dass das schief geht. Die bislang positive Resonanz, die - wenn auch gekaufte - massive Unterstützung durch die Entwicklergemeinde und der Wunsch nach etwas Neuem werden Blackberry 10 langfristig zu einem Erfolg werden lassen. Es wird zweifelsohne ein hartes Jahr für RIM werden, an dessen Ende es aber gut sein kann, dass sich einige andere neu aufstellen müssen. Mehr dazu am 30. Januar.

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Kommentare

  • Knox

    18.06.13 (09:46:55)

    Ist ja schön, dass es zumindest noch von Blackberry immer wieder Geräte mit Volltastatur gibt, auch wenn mir ein Android lieber wäre...

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