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30.05.12Kommentieren

Spiegellose Systemkameras (2/2): Die Digitalkamerastars im Marktüberblick

Während der erste Teil erklärt hat, wie sich die spiegellosen Systemkameras entwickelt haben und was sie besonders macht, werfen wir in diesem Teil einen Blick auf den aktuellen Markt. Die Auswahl ist groß und die Preisunterschiede sind enorm.

Panasonic Lumix G (Bild: Panasonic)Wir werden hier bei neuerdings.com in der nächsten Zeit die eine oder andere Spiegellose unter die Lupe nehmen und eine kleine Auswahl für euch testen. Diese Kamerakategorie erfreut sich deshalb solcher Popularität, weil man ähnlich flexibel agieren kann wie bei einer klassischen Spiegelreflexkamera: Es gibt Wechselobjektive und anderes Zubehör. Dabei sind die Geräte aber kompakter und leichter als die "Großen", was gerade Neueinsteiger locken kann, denn da spielen Systemtreue und Kompatibilität keine Rolle. Wer sich dagegen schon für ein Spiegelreflex-System entschieden hat, wird wohl nur in Ausnahmefällen alles austauschen, um auf ein anderes System umzusteigen.

Im ersten Teil hatte ich gezeigt, dass spiegellose Systemkameras gar nicht so neu sind, wie man glauben könnte. Ihr findet dort auch einige Hintergründe zur technischen Entwicklung und was diese Kameraklasse im Vergleich zu anderen besonders macht.

Herstellerüberblick

Die meisten renommierten Kamerahersteller haben inzwischen ein spiegelloses System im Angebot. Die Bandbreite ist ziemlich groß: Die Preise für so eine spiegellose Kamera liegen zwischen 300 und 1.600 Euro.

Wer spielt auf dem Markt mit, und wie heißen die Modellreihen? Ihr findet hier eine Namensübersicht von Marken und Modellen, mit Links auf die Hersteller-Informationsseiten. Angegebene Preise sind Preisempfehlungen der Hersteller, wenn es im Text nicht anders steht. Auf eine nähere Einordnung der einzelnen Modelle verzichte ich hier, denn es stehen ja noch Praxistests an.

In alphabetischer Reihenfolge sieht das dann so aus: FujiFilm, Nikon, Olympus, Panasonic, Pentax, Samsung, Sony. Ein Kommentar zu Canon und Ricoh bildet den Schluss, denn die beiden sind Sonderfälle.

  • FujiFilm bietet ganz neu und taufrisch die FujiFilm X-Pro1 an, erhältlich seit Mitte März 2012. Mit einem Preis von 1.599 Euro für den Body liegt die X-Pro1 zumindest monetär an der Spitze des Feldes.
  • Bei Nikon gibt es die Nikon 1 im Programm - in den Variationen V1 und J1, die eine mit, die andere ohne elektronischen Sucher. Die beiden Modelle sind seit Winter 2011 im Kit mit einem Standardzoom (10-30 mm) für 869 Euro (V1) und 599 Euro (J1) im Handel.
  • Von Olympus gibt es zwei Modellreihen, die Olympus PEN-Serie, die bei der E-P3 angekommen ist, und die OM-D im Retro-Design. Eine E-P3 gibt es für etwa 750 Euro, während für eine OM-D satte 1.099 Euro fällig werden.
  • Die Spiegellosen von Panasonic heißen Lumix DMC-G. Für eine Lumix DMC-G1 muss man 599 Euro anlegen, um nur ein Modell zu nennen.
  • Einer der kleinsten Player auf dem Kameramarkt, Pentax, hat inzwischen zwei Systeme vorgestellt. Der letzte Neuzugang ist die Pentax K-01, mit einem APS-C Sensor ausgestattet. Schon länger im Spiel ist das Q-System von Pentax - mit dem kleinen 1/2,3-Zoll-Sensor darf man aber keine großen Erwartungen in Sachen Bildqualität haben.
  • Die Systemkamera-Modellreihe von Samsung wird unter der Bezeichnung NX angeboten. Es gibt Modelle um 400 Euro, aber es geht auch anders: Ab Mai 2012 ist die NX20 im Kit mit Standardobjektiv für 1.099 Euro zu haben.
  • Sony bietet unter dem Namen Alpha NEX eine Reihe von Modellen an, die sich preislich zwischen etwa 400 und 1.200 Euro bewegen.

Besonderheit Ricoh

Ein Sonderfall ist das Ricoh GXR Modulsystem. Es handelt sich dabei um ein ähnliches Prinzip wie die Spiegellosen. Doch wechselt man bei der GXR nicht einfach nur das Objektiv, hier wird ein Block ausgetauscht, der aus Objektiv und Sensor besteht. Der Gedanke dabei ist fast schon genial, denn nicht jedes Objektiv arbeitet mit ein und demselben Sensor gut zusammen. Die Auflösung der Linsen und des Sensors können geradezu gegeneinander arbeiten, es können chromatische Aberrationen oder Vignettierungen auftreten. Das lässt sich umgehen, in dem man Sensor und Objektiv aufeinander abstimmt - und aus den beiden eine Einheit baut.

Der Kritikpunkt an Ricohs großartiger Idee: Es gibt eine zu kleine Auswahl an Modulen. Leider ist das Unternehmen einer der kleinen Player (auch jetzt, im Zusammenschluss mit Pentax), und verfügt nicht über die notwendigen Ressourcen, eine große Bandbreite von Zubehör auf einmal einzuführen. Die Vorstellung geschieht nach und nach, angepasst an die Innovationskraft und finanziellen Reserven des Unternehmens - und das ist leider sehr, sehr langsam. Vom Grundgedanken her ein tolles System, aber wahrscheinlich zum Schicksal der DAT-Recorder verdammt.

Und was ist mit Canon?

Von Canon gibt es derzeit noch kein spiegelloses Modell, doch gerüchteweise hört man, in 2012 werde etwas kommen. Canon und Nikon setzen auf dem Weltmarkt in Stückzahlen und auch in Wert mehr um, als alle anderen Kameramarken zusammen. Wieso macht einer der beiden "Großen" bisher nicht mit, wo das Segment doch ganz vielversprechend ist?

Das ist nicht so überraschend, denn dieses Vorgehen konnte man bei Canon auch schon früher verfolgen. Es sind durchaus clevere Strategen am Werk: Sie beobachten, wie Innovationen von den Käufern angenommen werden. Während die anderen Unternehmen Marketinggelder ausgeben, um bestimmte Themen bei Händlern und Endkunden bekannt zu machen, lehnt man sich bei Canon entspannt zurück. Die Entwicklungsabteilungen haben mehr Zeit, um ausgereifte Produkte zu entwickeln und auch, um aus den Fehlern der Mitbewerber zu lernen. Und irgendwann, wenn etwas etabliert ist, kommt Canon und rollt den Markt von hinten auf.

Man darf auf die diesjährige Photokina vom 18 bis 23. September gespannt sein - 2012 bleibt das Jahr der Spiegellosen.

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