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15.06.12

Sony Xperia S im Test: Sonys schönes Schlachtschiff

Das Sony Xperia S gehört zu den Geheimtipps im Smartphonebereich: guter Preis, enorm viel Leistung und einige interessante Anpassungen, die über das vorerst fehlende Android 4.0 Ice Cream Sandwich hinwegtrösten.

Sony Ericsson ging es lange schlecht: rote Zahlen, unzufriedene Käufer und wenig erfolgreiche Smartphones, wie das eigentlich vielversprechende Xperia Play. Das war nicht immer so, Ende 2006 lag Sony Ericsson sogar noch auf Platz 1 der Kundenzufriedenheit. Nun sind fünf Jahre vergangen, Sony hat sich von den Schweden Ericsson getrennt und schlägt einen neuen Weg ein. Mit dem Sony Xperia S setzen die Japaner auf Design und Funktion.

Aussehen

Das Xperia S zeigt wieder das, wofür Sony lange Zeit stand: Design, das das Auge anspricht. Die konvexe Rückseite und das optisch abgesetzte Unterteil sieht man so bei keinem anderen Smartphone. Das angerauhte Plastik fühlt sich hochwertig an und entlockt mir ein bewunderndes "Ooh". Der durchsichtige Zwischenraum unten wird durch ein weißes Licht ausgefüllt. Technische Daten:

  • 4,3 Zoll TFT bei 1.280 x 720 px
  • 1,5 GHz Dual-Core CPU
  • Android 2.3.7, Update auf 4.0 soll kommen
  • 32 GB Speicher und 1 GB RAM
  • WiFi-Direct, DLNA, BT 2.0, NFC, HDMI-Out, kein microSD-Slot
  • 12-Megapixel-Kamera, Full-HD-Video
  • 1.750 mAh Akku

Funktion

Sony hat alles richtig gemacht. Obwohl man "nur" mit Android 2.3.7 zurechtkommen muss, vermisse ich zu keinem Zeitpunkt die neue Version 4.0 ICS. Die Verbesserungen an der originalen Oberfläche sind tiefgreifend und bemerkenswert. Zwar kann man die Anzahl der Homescreens nicht verringern oder erhöhen, doch zieht man zwei Finger zusammen, schweben alle Widgets auf dem Display und man kann das gewünschte schnell auswählen. Aus Spaß lässt sich der Screen dann durch Schütteln auch temporär mischen. Das Tastaturlayout ist sehr gelungen, sieht gut aus und bietet intelligent die passenden Zeichen im richtigen Moment. Lediglich die Wortvervollständigung schludert etwas: Erkennt das Wörterbuch ein Wort, wird es in manchen Fällen durch die Leertaste an das bereits Geschriebene angehängt. Dann kann es manchmal so aussehen: "neuerneuerdings".

Die Bedienung der Softkeys gestaltet sich sehr gewöhnungsbedürftig: Nicht die beleuchteten Symbole müssen gedrückt werden, sondern die unscheinbaren winzigen Metallpunkte. Auch birgt die Zierleiste aus Plexiglas keinen erkennbaren Vorteil. Weder zur Benachrichtigung, noch für andere Zwecke ist die Leiste zu gebrauchen – eine verpasste Chance.

Multimedia

Die Kamera liefert 12 Megapixel aus einem hintergrundbeleuchteten Exmor-Sensor, das soll für bessere Lichtempfindlichkeit und höhere Qualität sorgen. Bei allen Aufnahmen ist jedoch ein Rauschen zu sehen – Farbpixel sind an Stellen, wo keine sein sollten. So kriegt man zwar eine gute Bildqualität mit vielen Details und schönem Weißabgleich, doch das Rauschen nötigt den Nutzer, die Bilder auf eine Auflösung von ca. 4 Megapixel zu reduzieren. Interessanterweise liefert das "billigere" Modell Xperia P etwas bessere Bilder ab. Die Qualität ließe sich mit der Schulnote "2" bewerten und liegt somit über dem Durchschnitt.

Wo sich Sony richtig wohlfühlt, sind Musik und Videos. Der Ton klingt über den Kopfhörerausgang ausgewogen und satt. Weniger gut ist das Display gelungen. Zwar löst es so fein auf, dass keine Pixel mehr zu erkennen sind, auch zeigt es schöne Farben, doch es ist blickwinkelabhängig: Die Farben verändern sich bereits bei kleinen Abweichungen. Das ist ein Umstand, den man bei einem Smartphone dieser Preisklasse nicht erwartet.

Einfach nur NFC zu verbauen gefällt Sony nicht, deshalb gibt es den LiveWare Manager, darüber weist man einem NFC-Chip bestimmte Aktionen zu. Beispielsweise kann man bei Betreten des Büros WLAN aktivieren und den Kalender starten oder man wechselt im Auto auf Bluetooth, startet die Navigations-App, den Musikplayer und aktiviert Bluetooth. Dabei ist man noch nicht einmal auf NFC angewiesen, auch das Einstecken des Kopfhörers oder der Anschluss an den Fernseher kann man mit einer Aktion koppeln – die Möglichkeiten sind schier grenzenlos. Da ist es dann nur konsequent, dass bei Anschluss über HDMI die Fernbedienung mittels HDMI-CEC auch das Smartphone kontrollieren kann. Manche Funktionen sind allerdings nur mit Sony-Fernsehern kompatibel.

Der große Akku begeistert ebenfalls. Selbst längere Gespräche, ausgedehnte Surftouren und das ein oder andere Spiel können der Laufzeit nichts anhaben. Man nimmt das Xperia S morgens vom Stecker und erst abends muss es wieder dran.

Fazit

Ein abschließendes Urteil fällt in diesem Fall sehr schwer. Einerseits überzeugen die Leistung des Dual-Core-Prozessors, die intelligenten Anpassungen und das Design. Andererseits ist das Display nicht ganz ausgewogen, die Kamera ein klein wenig zu verrauscht und natürlich fehlt eine Erweiterungsmöglichkeit über microSD. Doch für 400 Euro gibt es nur wenig Konkurrenz, die dem Xperia S das Wasser reichen kann:

  • Das HTC One S kostet rund 50 Euro mehr,
  • hat die gleiche Prozessorleistung,
  • nur die Hälfte an internem Speicher,
  • eine geringere Auflösung, trotz sehr gutem AMOLED mit beachtlicher Bildqualität,
  • und weder HDMI-Ausgang noch NFC
  • Auch das Motorola XT910 kommt in Betracht,
  • kostet rund 30 Euro mehr,
  • muss aber mit einem schlechter auflösenden Display auskommen,
  • hat eine schwächere CPU, kein NFC
  • dafür aber einen microSD-Slot zur Erweiterung.
  •  

Somit steht fest: Sony hat seine Nische gefunden und das Xperia S ist für 400 Euro eine sehr gute Investition.

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