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11.01.15

Snail Games:Spielkonsole und Gaming-Smartphone mit Android. Ob das was wird?

Eine neue Spielkonsole und Handheld-Spielemaschine aus China? Was vielleicht nach weiteren Billig-Klonen klingt, könnte doch deutlich interessanter sein. Denn das Unternehmen Snail Games meint es mit der OBox und dem W3D ernst.

Erstmals auf der CES 2015 gezeigt: OBox und W3D. (Foto: Snail Games) Erstmals auf der CES 2015 gezeigt: OBox und W3D. (Foto: Snail Games)

Snail Games? Hierzulande ist der Konzern weniger bekannt, im Heimatland dagegen ist dies nicht nur ein erfolgreicher Browserspiele-Hersteller, sondern auch der fünfgrößte Mobilfunkanbieter Chinas. Zusätzlich stellt er auch Hardware her. Das gesammelte Wissen fließt nun in eine Spielkonsole und ein Smartphone.

Was steckt in der OBox?

Der Name mag nicht sonderlich kreativ sein, das Innere dagegen ist schon sehr interessant. Denn Snail Games stellt die modulare Bauweise in den Fokus. Einem älteren Dokument zufolge kann man später sogar den Prozessor bei Bedarf wechseln. Auf der CES 2015 war allerdings „nur“ von verschiedenen Modellen mit Festplatten zwischen 500GB und 4TB die Rede, ebenfalls sind zwei Fassungen mit unterschiedlichen Prozessor-Taktungen vorgesehen.

Stets wird Nvidias Tegra K1-SoC verwendet, der seine Stärken gerade bei Spielen beim Nvidia Shield Tablet unter Beweis stellte. Die 64bit-Variante werkelt im aktuellen Nexus 9 von Google und HTC. Bedauerlich ist ein wenig, dass sich Snail Games nicht für den auf der CES von Nvidia enthüllten Tegra X1 entschied, der deutlich leistungsstärker sein soll und in dieser Form womöglich bereits der Xbox One und der PlayStation 4 recht nahe kommen könnte. Der K1 dagegen konkurriert eher mit der Xbox 360 und PS3,  übertrumpft diese in der Theorie durchaus – sofern Entwickler die Möglichkeiten ausnutzen. Das geschah bisher noch nicht allzu oft, Spiele-Beispiele sind unter anderem „Half-Life 2“, „Portal“ oder „Dungeon Defenders Eternity“.

Ein aktueller Prototyp - fotografiert von The Verge auf der CES 2015. (Foto: The Verge) Ein aktueller Prototyp - fotografiert von The Verge auf der CES 2015. (Foto: The Verge)

Dennoch: Mit einem Einstiegspreis von 99 US-Dollar könnte OBox seine Käufer finden. Das Spitzenmodell soll dagegen bei fast 500 US-Dollar liegen, was doch recht happig anmutet. 3D und 4K-Auflösungen werden übrigens von Haus aus unterstützt.

Derzeit bleiben noch einige Fragen offen: Wird man freien Zugriff auf Google Play erhalten? Ist die OBox wirklich eine modulare Plattform, die man später aufrüsten kann? Und schafft es das Gerät nach Europa? Bisher ist nur von China (2. Quartal 2015) und USA bzw. Mexiko (3. Quartal 2015) die Rede. Persönlich finde ich wiederum sehr spannend, dass Snail Games seine eigene Marktposition ausnutzen möchte. So wird es eine OBox-Umsetzung des eigenen Onlinespiels „Age of Wushu“ geben, für die sich die aktuell fast sechs Millionen Spieler interessieren könnten. Es werden sicherlich so einige motiviert, sich die Konsole extra für ihr Lieblingsspiel zuzulegen.

3D-Display und mehr: Snail Games W3D

Auf der CES stellte Snail Games ebenfalls das erste eigene Smartphone vor: Das W3D sieht auf den ersten Blick wie eine reguläre Handheld-Konsole im Stil der PlayStation Vita aus. Auch hier gibt’s ein Steuerkreuz, vier Schultertasten, Buttons und zwei Analogsticks. Verbaut wird der MediaTek MTK6595 Octacore-Chip mit 2.2GHz, der 2GB RAM und 16GB Flash-Speicher zur Seite gestellt bekommt. Ein microSD-Kartenslot, wohl auch LTE und ein 4000 mAh Akku fehlen nicht.

Eine PlayStation Vita? Nicht ganz. (Foto: Golem) Eine PlayStation Vita? Nicht ganz. (Foto: Golem)

Das Highlight beim W3D ist das 5,5 Zoll große Full HD-Display mit 3D-Tauglichkeit. Ähnlich wie beim Nintendo 3DS wird keine 3D-Brille benötigt. Möglich wird die räumliche Tiefe durch ein Linsenraster. Jedem Auge werden individuelle Inhalte in einer Auflösung von 960 x 1080 Bildpunkten gezeigt. Dank Frontkamera (5 Megapixel) mit Infrarot ist sogar ein Betrachtungswinkel zwischen 50 und 70 Grad möglich, also auch leichte Schwenks zerstören den 3D-Effekt nicht. Wer das nicht braucht: Snail Games plant noch eine Fassung des Phablets ohne 3D. Dann heißt das Gerät nur W. So oder so gibt’s Android 4.4 als Betriebssystem. Ob ein Update auf Android 5 folgt?

Bereits Ende Februar 2015 soll das W3D in China erscheinen, der US-Markt folgt kurze Zeit später. Über die präzisen Preise ist noch nichts bekannt, vermutlich dürften die Smartphones im niedrigeren Preissegment angesiedelt sein.

Die Kollegen von Verge schauen sich OBox und W3D mal genauer an...

www.youtube.com/watch

Ob das was wird?

Allgemein sind die Ankündigungen von Snail Games für mich eine Mischung aus Skepsis und Neugierde. Einerseits haben wir die letzten Monate zahlreiche Spiele-Geräte mit Android als Betriebssystem scheitern sehen: Ouya, Mad Catz MOJO, Snakebyte Vyper und viele andere versuchten erfolglos, ihre Produkte zu etablieren. Die Probleme waren fast immer die gleichen: Schlechte Software, mieser Support, unausgereifte Hardware.

Die OBox. (Foto: Snail Games) Die OBox. (Foto: Snail Games)

Ob es Snail Games diesmal besser macht? Ich würde es mir wünschen, denn in der Theorie sind die mobilen Chips leistungsstark genug, um hochwertige Spiele zu ermöglichen. Und mit Android hat man zudem eine offene, flexible Plattform parat. Die nächsten Monate werden zeigen, ob es Snail Games schafft, die eigene Hardware zu etablieren. Oder eben nicht.

(via & via & via)

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