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03.04.13

Smelling Screen: Der Bildschirm, der Duft versprüht

Japanische Forscher arbeiten an einem Bildschirm, der passend zum Inhalt Gerüche versprüht. Die Idee ist nicht neu, könnte diesmal aber einen Durchbruch feiern.

Smelling Screen

Sehen und Hören sind die beiden Sinne, die von der Unterhaltungselektronik unterstützt werden. Erste Projekte gibt es, um Oberflächenbeschaffenheiten zu verändern, um Dinge fühlbar zu machen. Fehlen noch die anderen beiden Sinne: Schmecken und Riechen.

Zumindest zu Letzterem gibt es seit Jahrzehnten Versuche und Experimente. Japanische Forscher tüfteln nun erneut an einem Patent, um Duftstoffe über einen speziellen Bildschirm zu versprühen: den Smelling Screen. An jeder der vier Ecken des Bildschirms sind kleine Kammern mit Duftstoffen angebracht, die mit einem Lüfter versprüht werden. Wann, in welcher Richtung und in welcher Intensität die Düfte versprüht werden, ist eine Frage des Algorithmus, der die Lüfter steuert. Je nachdem, aus welcher Ecke und in welcher Intensität ein Geruch versprüht wird, nimmt der Mensch vor dem Bildschirm ihn unterschiedlich wahr. Der Geruch, der über kleine Gel-Pellets versprüht wird, soll "pixelgenau" sein. Befindet sich eine Blume etwa im unteren, rechten Viertel des Bildschirms, sorgt die untere Duftkammer dafür, dass sich die Blume genau dort erschnuppern lässt.

Für den Anfang nur ein Duftstoff

Die drei Forscher Haruka Matsukura, Tatsuhiro Yoneda und Hiroshi Ishidader von der Universität für Landwirtschaft und Technik in Tokyo wollen diesen Bildschirm jetzt bauen. Interessant ist das Prinzip, weil es die Möglichkeit bietet, Gerüche zeitlich, inhaltlich und genau zu steuern. Einziges Problem dabei: Zunächst soll der Smelling Screen nur jeweils einen Duftstoff auf einmal versprühen können, was die Möglichkeiten stark einschränkt. Im nächsten Schritt wollen die drei Forscher den Bildschirm allerdings dahingehend erweitern, dass mehrere Duftstoffe möglich sind. So könnte man etwa Geruchskonserven mit wiederkehrenden Düften für eine Reihe von Computerspielen oder eine TV-Serie anbieten, auch wenn sich natürlich immer nur ein begrenztes Spektrum von Gerüchten abdecken lässt. Der Mensch kann etwa 10.000 Gerüche voneinander unterscheiden.

Smell-o-Vision: 30 Duftstoffe in einem Kinosaal

Berühmtester Einsatz von Gerüchen während eines Films war wahrscheinlich die Technik Smell-o-Vision. Sie kam einzig 1960 in dem Hollywood-Film "Scent of Mystery" zum Einsatz. Bei der Vorführung in einem New Yorker Kino setzten die Techniker Duftgürtel ein, die unter den Sitzen montiert waren und Gerüche aus Kammern über eine Nadel freisetzten. 30 verschiedene Duftstoffe kamen so zum Einsatz. Der Erfolg war allerdings bescheiden: Kinobesucher beschwerten sich über eine zu starke Abgabe der Gerüche und darüber, dass der Duft der meisten Stoffe sie zu spät erreichte. Größtes Problem dürften aber die Kosten gewesen sein: Ja nach Größe soll es die damals astronomischen Summen von 15.000 bis 1 Million US-Dollar verschlungen habe, um ein Kino für Smell-o-Vision umzurüsten.

Auch heute wäre eine Umrüstung für Bildschirme oder Kinos natürlich teuer. Ob sich das für mehr als ein paar besondere Filme oder Spiele überhaupt lohnt, ist auch noch einmal die Frage. Nimmt man eine Sendung oder ein Videospiel intensiver wahr, wenn man es mit mehreren Sinnen erleben kann und wird das eines Tages vielleicht sogar zum Alltag gehören? Ich denke, so schnell wird sich das nicht duchsetzen. Aber wir werden in den kommenden Jahren sicher noch weitere solcher Experimente sehen.

Quellen: The Verge, NCBI

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