Hier finden Sie weitere Artikel aus der Themensammlung Technik

22.03.13Leser-Kommentare

Gerüchte-Theater, 2. Akt: Smartwatches von Samsung gab es schon vor Jahren

Smartwatches sind einer der großen Trends des Jahres. Und jeder der Großen, der etwas auf sich hält, werkelt an einer oder hat zumindest Journalisten, die darüber etwas schreiben. Neuesten Gerüchten zufolge soll auch Google an einer Smart Watch beteiligt sein und der chinesische Anbieter Shanda will eine mit Firefox OS bauen. Auch LG wird eine angedichtet.

Samsung S9110. Smartwatch mit Telefonfunktion, vorgestellt: 2010. Samsung S9110. Smartwatch mit Telefonfunktion, vorgestellt: 2010.


Machen wir uns nichts vor: Gerüchte sind die Diva der Technikwelt. Es wäre fad ohne sie, aber man sollte sich manchmal auch vor ihr in Acht nehmen. Jati hatte euch vor Kurzem bereits vom Gerüchte-Theater um Apples vermeintliche Smartwatch berichtet. Jetzt zieht die Technikpresse den 2. Akt auf. Auch Google soll jetzt an einer eigenen Smartwatch arbeiten. Der chinesische Hersteller Shanda will eine mit Firefox OS ausstatten. LG arbeitet nach einem Bericht der "Korea Times" ebenfalls an einer Smartwatch - und an einem Konkurrenzprodukt zu Google Glass.

Samsung hat bereits bestätigt, an einer Smartwatch zu arbeiten. Und die ersten Medien wie Reuters schreien direkt "Kopie", dabei hat man von keiner dieser vermeintlichen Watches bisher etwas gesehen. Andere fanden derweil heraus, dass Samsung und Google im Prinzip schon vor Jahren Smart Watches im Programm hatten. Ein absurdes Theater mit garantiertem Feuerwerk am Schluss.

[photos name="Smartwatches - tatsächliche Modelle und Entwürfe"]

 

Medien in Stellung gebracht?

Manchmal fragt man sich, ob die großen Hersteller ihre eigenen Zeitungen haben und diese im Bedarfsfall für ihre Zwecke einsetzen. Bloomberg dürfte dann Apples Hauspostille sein - Gerüchte über neue Apple-Produkte und Verfehlungen der anderen kommen meist von dort. So auch in diesem Falle die Pläne einer Samsung-Smartwatch, die Apples Entwurf kopieren könnte. Derweil soll auch Googles Android-Abteilung die Arbeit an einer Smartwatch aufgenommen haben, berichtet die eher Google-freundliche "Financial Times" (Beitrag registrierungspflichtig). Passend dazu hat die FT ausgerechnet jetzt zwei alte Patente aus dem Jahr 2011 für eine Google-Smartwatch ausgegraben.

Warum eigentlich alle und warum gerade jetzt? Till Quack hat hierauf eine nüchterne Antwort: Die ehemaligen Hype-Themen Smartphones und Tablets sind durch. Wenn nun selbst Huawei, TCL und ZTE Tablets und Phones bauen können, die dem Niveau eines Nexus Tablets oder Galaxy SIII/S4 sehr nahe kommen, dann ist der Reiz daran langsam verflogen. Die Techniklandschaft und ihre angeschlossene Presse braucht allerdings ein neues Thema.

Überraschungserfolg Pebble

Nachdem das unbekannte Startup Pebble mit einem Kickstarter-Projekt für die gleichnamige Smartwatch einen Sensationserfolg hinlegte, wollen auch andere davon profitieren. Smartwatches wurden noch im vergangenen Jahr an allen Ecken und Enden vorgestellt. Projekte warben um Förderung und nur wenige gab es tatsächlich zu sehen. Und nun sollen die großen Hersteller folgen?

Sollten die Gerüchte wirklich platziert worden sein, dann können zwei Ursachen haben: Es könnte wieder einmal darum gehen, den anderen das Spiel madig zu machen. Zum anderen könnte es den großen Herstellern darum gehen, erst einmal zu beobachten, wie der Markt überhaupt auf Smartwatches reagiert. Vielleicht geht es ja nur mir so, aber das nächste große Ding sehe ich darin nicht. Wenn die Gerüchte sich derart überschlagen, dass einem das Thema bereits jetzt zum Halse heraus hängt, dann sollte hier niemand mit einem vergleichbaren Erfolg wie bei Tablets und Smartphones rechnen.

LG GD 910, Smartwatch aus dem Jahr 2010. LG GD 910, Smartwatch aus dem Jahr 2010.

Smartwatches von Samsung und LG gibt es seit Jahren

Nathaniel Mott von PandoDaily weist ganz nebenbei darauf hin, dass Smartwatches längst nichts Neues mehr sind, man hatte sie nur selten zu sehen bekommen. Samsung hat bereits vor mehr als zehn Jahren eine Smartwatch vorgestellt. Anfang 2010 versuchte man es erneut mit dem S9110, einem langsamen und teuren, aber sonst nicht einmal hässlichen "Watchphone". LG konterte nur wenige Wochen später mit der GD 910. Beide setzten sich nicht durch. Und wenn man so will, hat auch Google längst eine Smartwatch im Angebot: die MotoACTV vom übernommenen Gerätehersteller Motorola:

Motorola MotoACTV Motorola MotoACTV

Vermutlich werden jetzt schon wieder die Anwälte in Stellung gebracht, um das lächerliche Spiel fortzuführen, wer von wem abgekupfert hat. Auf all das habe ich diesmal wenig Lust. Spannend wird vor allem werden, welche Smartwatches aus welchem Hause wir in diesem Jahr denn tatsächlich zu sehen bekommen, ob sie weggehen wie warme Semmeln und vielleicht auch, wer seinen Ausflug in die Welt der Uhren vor Ende des Jahres schon wieder aufgibt. Bloomberg und FT finden bestimmt jemanden, der ihnen jetzt schon eine entsprechende Geschichte auftischt.

Beitrag nachträglich ergänzt um die LG-Meldung der Korea Times.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

  • Bob

    23.03.13 (11:48:29)

    Smartwatches scheinen auf den ersten Blick interesant. Doch welchen Nutzen bieten sie wirklich? Uhrzeit, Anzeige für verpasste Anrufe und Nachrichten. evtl. kann ich die Nachricht noch lesen, zum beantworten brauch ich dann schon ein Smartphone mit ausreichend großer Tastatur. Eine Zusatzfunktion für Pulsmessen wäre denkbar, aber dafür reichen auch einfache Armbänder bzw. Pulsmesser-Uhren. Vorteil einer Smartwatch: ich brauch das Handy nicht aus der Tasche holen um Statusmeldungen für Anrufe/Nachrichten zu prüfen. Marktchancen einer Smartwatch: siehe Kühlschränke mit Internetverbindung. Was die vermehrten Nachrichten über das (angebliche) Erscheinen bzw. in Entwicklung befindlichen Smartwatches betrifft, teile ich die Meinung des Autors. Die Meldungen werden verbreitet, um ein Interesse am Markt auszuloten. Wie im Artikel richtig erwähnt, ist der Hype um Smartphones und tablets vorbei. Wäre Interesse am Markt für eine Smartwatch vorhanden (was ich absolut nicht sehe. Es gibt solche ''Uhren'' schon seit geraumer Zeit, keine hatte Erfolg), ließe sich mit einer neuen Produktfamilie natürlich gut Geld verdienen. Nein, ich denke das die Smartwatches keinen Erfolg haben werden. Die einzige Firma, der ich überhaupt eine annähernd interessante Umsetzung zum Thema Smartwatch zutraue, wäre Apple.

  • Dawid Rynkiewicz

    25.03.13 (17:15:11)

    Wenn man aber Smartwatches und Uhrenhandies zusammendenkt (z.B. Neptune Pine) und dann noch flexible Displaytechnologie hinzufügt, bekommt das Thema für mich jedenfalls ein neues Gesicht. Im Grunde will ich ein Supersmartphone am Handgelenk, das nicht so klobig oder billig aussieht, wie die momentanen Uhrenhandies und ein flexibles Touch-Display, damit die Größe variiert werden kann. Wenn die Smartwatches allerdings nur eine Verlängerung des Handies bleiben, dann sehe ich darin auch keinen großen Mehrwert.

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer