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13.04.13Leser-Kommentare

Smartphones für Einsteiger und Schwellenmärkte: Es muss immer noch billiger gehen

Nokia hat eins, Samsung wechselt seins gerade aus und auch Blackberry wird den Teufel tun, seins den Geiern zu überlassen: Betriebssysteme für Smartphone-Einsteiger, abseits der Hochglanzplattformen Windows Phone, Android und BB10. Es geht um Marktanteile in Schwellenländern. Denn auch dort will man zunehmend Smartphones nutzen. Ein Milliardenmarkt, vorübergehend.

Alt aber vielseitig: Nokias S40 wird 14 Jahre alt. Bilder: Hersteller Alt aber vielseitig: Nokias S40 wird 14 Jahre alt. Bilder: Hersteller

Ist es schon Smartphone oder noch Feature Phone? Nokias Asha-Linie taucht je nach Meinung der Analysten mal in der einen und mal in der anderen Statistik auf. Fakt ist: Die Geräte kosten fast durchgehend weniger als 100 Euro, haben einen Touchscreen ohne Multitouch. Und Multitasking, wenn man es so nennen kann, ist nur über einen Launcher für drei Hauptfunktionen möglich. Im Hochformat unterstützen Touchscreen-Ashas keine QWERTZ-Tastatur, sondern nur die alte T9-Eingabe. Aber es gibt einen App Store, Apps wie Twitter, Facebook und WhatsApp und Smart-Features für Nutzer ohne Datenvertrag wie Nokia Life+. Nokia setzt hierfür das Altsystem S40 ein, das im Laufe seiner langen Lebensspanne seit 1999 über 1,5 Milliarden Mal ausgeliefert wurde.

Das Alter sieht man der Plattform an. Richtig Spaß wird damit niemand haben, der schon einmal mit einem iPhone oder einem aktuellen Android-Phone gearbeitet hat. Aber immerhin: Die Asha-Linie bietet rudimentäre Smartphone-Funktionen zu Preisen ab 60 Euro, die auch für Menschen mit schmalerem Geldbeutel interessant werden. Eine Preisklasse, in der Nokia zunehmend Besuch bekommt. Mozilla wird ab Sommer dieses Jahres mit Firefox OS dagegen halten. Blackberry-Chef Torsten Heins hat angekündigt, das alte Blackberry 7 für Einstiegsgeräte weiter zu unterstützen. Jolla hebt mit Sailfish OS das alte MeeGo auf die nächste Stufe, plant einen Start zunächst in asiatischen Schwellenmärkten. Der Markt ist umkämpft.

Es geht um die Kategorie abseits der Spitzenklasse mit iPhone 5, HTC One, Lumia 920 und Galaxy S4, die teils zu Preisen um 700 Euro gehandelt werden. Es geht darum, Menschen mit wenig Geld in der Tasche den Umstieg vom Handy (Dumb Phone) auf das Smartphone zu erleichtern. Es geht um die Preiskategorie von 200 Euro und noch weit, weit darunter. Nokia verkauft sein günstigstes Einstiegsgerät mit Windows Phone 8, das durchaus gut ausgerüstete Lumia 520, schon für 199 Euro. Günstige Android-Einstiegsgeräte wie das Sony Xperia J oder das LG Optimus L7 spielen in der gleichen Preiskategorie mit. Es soll aber noch billiger gehen. Und ehe die bessere Hardware im Preis fallen kann, müssen Übergangslösungen wie S40 her. Die alte Plattform bietet gerade für Schwellenmärkte noch einige weitere, nicht zu unterschätzende Vorteile: Längere Akkulaufzeit, weniger Speicherhunger, Handlichkeit, oft Dual-SIM, soziale Services auf SMS-Basis – dort, wo Datentarife zu teuer sind.

Billigere Hardware macht es möglich, dass auch weitere Nischenanbieter hierhin vordringen wollen: Mozillas Firefox OS, das eine verblüffende Ähnlichkeit mit Apples iOS aufweist, ist ganz klar als Smartphone-System konzipiert, soll aber ebenso schon für preisgünstige Einstiegshardware zur Verfügung stehen wie Jollas Sailfish OS. Samsung bastelt zusammen mit Intel am Bada-Nachfolger Tizen, der zwar auf Phones in allen Preiskategorien angeboten werden soll, aber wohl nur im niedrigen Preissegment eine echte Chance hat. Das weiß auch Blackberry-Chef Torsten Heins, wenn er das noch nicht einmal zwei Jahre alte Blackberry 7 für einige Einstiegsgeräte in Schwellenmärkten weiter verwenden will. Preise um 150 Euro sind für die Einstiegsklasse der Blackberrys zu erwarten, die in vielen Ländern immer noch ein Statussymbol sind.

Blackberry 7 - Auslaufmodell soll in weiteren Geräten zum Einsatz kommen. Blackberry 7 - Auslaufmodell soll in weiteren Geräten zum Einsatz kommen.

Akku und Offline-Verfügbarkeit als Knackpunkt

Mehr als 1,7 Milliarden Mobiltelefone wurden laut Gartner im vergangenen Jahr verkauft, 472.000 allein im 4. Quartal. Noch nicht einmal die Hälfte davon allerdings (207.000) waren Smartphones. Langfristig dürfte aber weiterhin mit Verkäufen von rund 1,7 Milliarden Stück pro Jahr zu rechnen sein, wobei der Anteil der verkauften Smartphones deutlich steigt. Bieten Nokia, Samsung, ZTE und andere hier ihre Geräte zu den gleichen oder kaum höheren Preisen an wie bisher ihre Dumb Phones, warten milliardenschwere Absätze auf sie.

Langfristig geht der Trend eher hin zu vollwertigen Systemen zu geringeren Preisen. Windows Phone 8 schlägt S40 um Lichtjahre, was Leistung und Nutzerfreundlichkeit angeht. Sollten auch hier Preise unter 100 Euro möglich sein, wie Chef Stephen Elop einst verkündet hatte, kommt es eigentlich nur noch auf zwei Haupteigenschaften an, die ein Dumb Phone den Smartphones noch voraus hat: Akkuleistung - und Offline-Services. Kaum ein Anbieter moderner Systeme macht sich über Offline-Verfügbarkeit Gedanken. Was aber nutzen datenhungrige Widgets und Apps in Märkten, in denen Datenvolumina unbezahlbar oder Netze nicht darauf ausgelegt sind? Solange die Anbieter anderer Systeme das Problem nicht erkennen, bietet Nokias S40-Reihe hier echte Vorteile und wird noch eine ganze Weile weiter leben.

Kommentare

  • Bob

    13.04.13 (09:14:52)

    Erst einmal Danke dafür, das auch mal abseits der Top-Smartphones über Einsteiger-Smartphones ohne Android-OS berichtet wird, insbesondere über die Asha Serie. Und noch dazu nicht ausnahmslos negativ. Ich besitze selbst ein Nokia Asha 311. Daher möchte ich hier auf zwei kleine Fehler hinweisen: 1. Die Modelle Asha 308/309 und das Asha 311 haben im Gegensatz zu den restlichen Asha-Modellen einen kapazitiven touchscreen und sind sehr wohl multitouch-fähig. 2. Die oben genannten drei Modelle können im Hochformat wahlweise von dem typischen Tastenhandy-Layout auf Hochformat-QWERTZ umgestellt werden. Wenn dasTastenhandy-Layout eingestellt ist und das Asha 308/309/311 um 90 Grad gedreht wird (landscape), springt das Layout automatisch auf QWERTZ um. Apps für Twitter und Facebook sind vorinstalliert, ebenso eine App 'Soziale Netzwerke'' (kann darüber aber nichts näheres sagen, da ich solche Dienste nicht nutze). Ansonsten bin ich mit den Aussagen im Artikel einverstanden (auch den negativen). Ich habe dieses Handy ganz bewusst gekauft. Gerade weil es so simpel ist. Ich bin momentan noch nicht so 100% von WinPhone8 überzeugt, wäre aber für mich die momentan einzige OS-Alternative für ein Smartphone. Sollte mein Asha vorzeitig den Geist aufgeben, wäre das Lumia 520 meine erste Wahl. Allerdings erhoffe ich mir auch etwas frischen Wind von Ubuntu for Smartphone.

  • Johannes

    15.04.13 (14:02:29)

    Danke für den Artikel. Hab mich schon seit längerem nach ein Smartphone mit ein paar wenigen Funktionen was günstig ist um mein "richtiges" Smartphone zu schonen. Das Asha würde dabei tatsächlich in die engere Wahl fallen.

  • Hansmar

    20.04.13 (19:27:48)

    Lese was von billiger und dann keine näheren Angaben zu Preisen, damit ist der Artikel für mich unbrauchbar.

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