Hier finden Sie weitere Artikel aus der Themensammlung Technik

13.01.16

Technik-Trends

Sollen Smartphones bei Seminaren und auf Konferenzen verboten werden?

"No Device Policy": 40 Prozent aller Meeting-Experten wünschen sich ein Verbot für Smartphones und Tablets bei Veranstaltungen, da sie die Aufmerksamkeit vermindern. 


Handys in einem Meeting (Bild: Fotolia.com)

Mobile Begleiter - immer und überall

Smartphones sind Ablenkungswerkzeuge par excellence: Ob man mit seiner Frau spricht und nach dem letzten Satz nur ein „Hm?“ erntet, weil sie gerade „nebenbei“ mit dem Handy auf Ebay war, ob als „Second Screen“ beim Fernsehen, wo dann fleißig auf Twitter über den aktuellen "Tatort" diskutiert und dabei die neueste Leiche auf dem Hauptschirm übersehen wird. Auch im Kino, beim Spazierengehen und am Steuer lenkt das Smartphone ab und sorgt so für teils tödliche Unfälle. Und natürlich ist das Smartphone eine willkommene Ablenkung in langweiligen Vorträgen. Peinlich, wenn man dann plötzlich aufgerufen wird und auch nur ein „Hm?“ als Antwort parat hat.

Die meisten Menschen sind deshalb der Meinung, dass der Drang, häufig auf das eigene Smartphone und Tablet zu schauen, Gespräche massiv stört, vom Gegenüber ablenkt und die Konzentration beeinträchtigt. Aber in welchem Umfang haben mobile Endgeräte tatsächlich einen negativen Einfluss auf Meetings und Weiterbildungs-Events? Und sollte es tatsächlich verboten werden, diese mobilen Begleiter in Veranstaltungen zu benutzen?

Handy-Verbot in Meetings gewünscht

In einer aktuellen Umfrage, die gemeinsam von IMEX America (Fachmesse für Meetings, Incentives, Tagungen und Events) und MPI (Meetings Professionals International) durchgeführt wurde, befürworteten 40 Prozent der Befragten den Vorschlag, mobile Endgeräte während Konferenzen zugunsten einer erhöhten Aufmerksamkeit nicht nur stumm zu schalten, was das Mindeste an Höflichkeit ist, sondern gänzlich zu verbieten. Sie wünschen sich, dass die Teilnehmer vor einer Veranstaltung gebeten sein sollten, die Geräte auszuschalten und zu verstauen.

Diese „no device policy“ spiegelt auch die Meinung einiger Experten wie die der Redakteurin des "Harvard Business Review Amy Gallo" wider. In ihrem Bericht „The Condensed Guide to running Meetings“ empfiehlt sie, dass Event-Organisatoren mobile Endgeräte verbieten sollten, da diese unvermeidbar störend seien.

Das Hauptargument in diesem Bericht ist die Meinung der Harvard Business School-Professorin Francesca Gino, die Multitasking für einen Mythos hält. Die meisten Menschen glaubten, dass sie multitasken können, während sie einem Redner zuhören – allerdings bestätigten Studien, dass dies nicht funktioniere.

„Wir können einfache Tätigkeiten wie Gehen und Sprechen gleichzeitig umsetzen, das Gehirn kann komplexe Herausforderungen jedoch nicht gleichzeitig bewältigen“ so Gino. „Studien zeigen, dass Personen, die mehrere Tätigkeiten gleichzeitig realisieren wollen, nicht nur 50% mehr Zeit benötigen, sondern auch 50% mehr Fehler machen“, erklärt die Professorin. Der Neurowissenschaftler Dr. Daniel Levitin bezeichnet in seinem Buch "The Organized Mind" Multitasking sogar als "diabolische Illusion".

Chefs ermuntern zum permanenten Mailcheck

Hinweise dafür, weshalb Konferenzteilnehmer so häufig auf ihre Telefone schauen, könnte eine Studie, die Warwick Conferences in Auftrag gegeben hat, geben. Diese fand heraus, dass 81 Prozent der Studienteilnehmer während ihrer Anwesenheit bei Weiterbildungsveranstaltungen Mails erhalten hatten, die ein sofortiges Handeln erforderten – einige davon sogar von den Chefs, die sie zu diesem Kurs geschickt hatten.

Carina Bauer, CEO der IMEX Gruppe, erklärt: „Der störende und ablenkende Einfluss von Smartphones und anderen Geräten ist sehr groß. Mächtig ist aber auch das Bedürfnis und der Druck – ob gefühlt oder real –, häufig die eigenen Nachrichten zu prüfen und auf Anforderungen schnell zu reagieren."

Zudem ist natürlich mit dem Abschalten des Smartphones das Abdriften der Seminarteilnehmer nicht beendet. Wer sich langweilt, wird auch weiterhin Männchen malen oder Tagträumen nachhängen. Es wird dann aber immerhin nicht von außen die Aufmerksamkeit der Teilnehmer unterbrochen.

Events können durch Apps unterstützt werden


(Bild: IMEX Frankfurt)

Die Frage ist nun, ob msn sich grundsätzlich gegen die Nutzung von mobilen Endgeräten während Events aussprechen sollte? Oder ob es Mögichkeiten gibt, diese zu akzeptieren und sogar Konzepte zu finden, sie zu integrieren.

Es gibt eine Reihe von Apps, die bei Veranstaltungen nützlich sein können, sofern sie im Sinne der Event-Organisatoren eingesetzt werden. Beispiele hierfür sind Apps, die die Zuhörermeinung veranschaulichen (beispielsweise Sli.do) oder die das Telefon in ein Mikrofon verwandeln (Crowd Mics).  

Handypause statt Kaffeepause?

Eventuell wäre es ein vernünftigerer Weg, den Event-Teilnehmern analog zu Rauch- oder Kaffeepausen Zeit und Raum zur Beantwortung wichtiger Nachrichten zu geben, sodass diese dann wieder voll konzentriert den Veranstaltungsinhalten folgen können.

Letztlich sollte das zeitliche und monetäre Investment, das eine Veranstaltungsteilnahme mit sich bringt, dafür sorgen, dass die Teilnehmer sich auf die Inhalte der Veranstaltung konzentrieren können – trotz des Wunsches mit ihrer E-Mail-Kommunikation auf dem Laufenden zu bleiben.

Schlagworte zu diesem Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer