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28.02.13

Smartphone-Displays: Das sinnlose Streben nach Größe

Auf dem Mobile World Congress hat der irre Wettkampf vorläufig seinen Höhepunkt gefunden. Mit Smartphones jenseits der 6 Zoll Größe bewegen wir uns mit großen Schritten auf Tablets zu. Die Hersteller scheinen dies als besonderen Fortschritt zu sehen, doch treffen sie damit den Kundengeschmack? Ich behaupte, die meisten Kunden wollen gar keine übergroßen Smartphones.

Als ich mein erstes Handy bekam, herrschte noch das allgemeine Verständnis, dass Handys dann besser wären, wenn sie klein sind. Kaum kam ein kleineres Modell auf den Markt, stürzten sich alle genau darauf. Mit den ersten Smartphones und der Bedienung über das Display, änderte sich diese Einstellung schnell und man lernte ein großes Display durchaus zu schätzen. Verständlicherweise mussten Touchscreen-Displays eine gewisse Mindestgröße haben, damit man auf ihnen vernünftig tippen konnte, und je nach Nutzer variierte diese Größe auch. Aber langsam bewegen wir uns auf etwas zu, das nicht im Sinne der Kunden ist – nicht im Sinne der Kunden sein kann.

 

 

Betrachtet man die neuen Smartphone-Modelle, dann kommt man nicht umher festzustellen, dass die Displaygrößen unrealistischer Ausmaße angenommen haben. Als 2011 das erste Samsung Galaxy Note mit einem 5,3''-Display auf den Markt kam, war ich natürlich wie jeder andere erst skeptisch, realisierte aber, dass die Bedienung mit dem Stift und einem großen Display durchaus sinnig ist. Das Gerät spielt für mich also in einer eigenen Klasse fernab der herkömmlichen Smartphone-Modelle, genau wie das noch etwas größere Galaxy Note 2 mit 5,5 Zoll. Nun haben wir allerdings Smartphones, die größer als dieses Modell sind, die nicht auf die Benutzung mit einem Stift ausgelegt wurden, sondern auf die normale Benutzung mit beiden Händen: das ZTE Grand Memo mit 5,7 Zoll etwa, Huaweis Koloss Ascend Mate mit 6,1 Zoll oder das als Telefon deklarierte Asus Fonepad mit 7 Zoll in Größe eines Tablets. Auch generell scheint der Trend hin zur Größe zu gehen. Smartphones mit 5-Zoll-Display sind keine Seltenheit mehr, neuer Standard scheinen mindestens 4,7 Zoll zu sein. Und ich frage mich ernsthaft: Wer hat danach gefragt?

Wie groß ist das ideale Display?

Die Größe eines Smartphones ist zwar eine persönliche Vorliebe, aber schauen wir uns einmal das User Interface von Android an, so stellen wir fest, dass dieses nicht auf die Benutzung mit übergroßen Displays ausgelegt ist. Im Idealfall sollte der Finger – in diesem Fall der Daumen – beim Halten des Smartphones bis in die obere linke oder rechte Ecke kommen. Damit wäre der ideale Displaydurchmesser die Länge des Daumens, denn sowohl in der linken oberen Ecke als auch in der rechten oberen Ecke befinden sich wichtige Bedienelemente. Schauen wir nun auf Smartphones mit einem Displaydurchmesser von 6 oder 7 Zoll, dann frage ich mich, wie die Hand eines Nutzers beschaffen sein soll, der diese Displaygröße als angenehm empfindet.

Kunden wollen kleinere Smartphones mit High-End-Hardware

Zusätzlich lese ich schon seit einigen Monaten aus vielen Kommentaren heraus, dass Kunden sich beschweren, dass neueste Hardware immer nur in übergroßen Smartphones angeboten wird. Kunden haben also gar nicht die Wahl, sich ein Smartphone in ihrer idealen Größe zuzulegen, denn dann werden sie heutzutage auf minderwertigere Hardware festgenagelt. Smartphones mit 4 bis 4,3 Zoll gibt es fast nur noch als Einsteiger- beziehungsweise Mittelklassemodelle. Ein Highend-Smartphone mit nur 4 Zoll? Ich wüsste keins.

Aber wo liegt genau das Problem der Hersteller? Wenn man ein Produkt massentauglich vermarkten möchte, braucht man ein Aufhänger – eine Eigenschaft die sich auf den ersten Blick schnell mit den anderen Konkurrenzmodellen vergleichen lässt. Schaut man einmal in eine andere Techniksparte, zu den Kameras, hat man hier ein ähnliches Phänomen. Lange Zeit wurde der Markt von dem Irrglauben beherrscht, dass eine hohe Megapixelzahl eine bessere Kamera bedeute. Die Angabe der Megapixel dominierte die Werbeblätter der Elektrofachmärkte, obwohl sie keinerlei Aussage darüber trifft, wie gut die Bildqualität einer Kamera ist. Man braucht aber einen einfachen Vergleichswert und so wählte man sich diesen aus und ließ die Kunden in dem Glauben, dass sie sich danach zu richten haben. Irgendwann erreichte der Kamera-Markt eine Sättigung und die Kunden besannen sich darauf, gute Bilder haben zu wollen und nicht einfach nur sehr große. Mittlerweile wird auf Bildqualität geachtet, welche Sensoren verbaut wurden und wie das fertige Foto aussieht, aber jahrelang haben die Kunden Kameras nach ihrer Megapixelzahl gekauft.

Schauen wir zurück zu den Smartphones, haben wir einen ähnlichen Effekt. Die Displaygröße ist ein einfacher Wert, der sich bei allen Smartphones miteinander vergleichen lässt. Bringen die Hersteller neue Smartphones mit einem größeren Display auf den Markt, verknüpfen die Kunden damit: großes Display = bessere Qualität = hochwertigere Technik. Ist diese Verknüpfung im Kopf erst einmal entstanden, bekommt man die Aufmerksamkeit allein schon dadurch, dass man 0,2 Zoll größer als die Konkurrenz ist – obwohl dies natürlich total absurd ist, denn genau wie die Megapixelzahl bei den Kameras hat die Displaygröße nichts mit der Qualität des Smartphones zu tun. Es kann sogar einen negativen Effekt haben. So verbrauchen größere Displays auch mehr Strom und die Akku-Leistung großer Geräte lässt deswegen oft zu wünschen übrig.

Das Wettrennen ist vorbei

Glücklicherweise befinden wir uns jetzt an dem Punkt, den man bei den Kameras auch erreicht hat: die Obergrenze. Smartphones haben jetzt die gleiche Größe wie kleine Tablets. Die Grenzen verwischen hier, was die Kunden verwirrt. Und Verwirrung ist nichts, womit sich gut Geld machen lässt. Die Hersteller haben jetzt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie belassen es bei der derzeitigen (Über)größe oder sie besinnen sich zurück auf das, was der Kunde möchte.

Malen wir uns doch einmal aus, wie erfolgreich sich ein Smartphone verkaufen würde, das zwischen 4 und 4,5 Zoll groß ist, aber die allerneueste Hardware verbaut hat und durch die Einsparung der Displaygröße eine bessere Akkulaufzeit vorweisen kann. Ich prophezeie einmal, dass der Hersteller sich vor Nachfrage gar nicht retten könnte. Der Ruf nach realistischen Smartphonegrößen ist laut – gehört hat ihn aber noch keiner. Ich hoffe, dass es nicht mehr lange dauert, denn ich brauche ein neues Smartphone.

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