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04.11.14

Sigma dp2 quattro: Kompaktkamera mit dem etwas anderen Sensor

Der japanische Hersteller Sigma ist in erster Linie für seine Spiegelreflex-Objektive und Blitzgeräte bekannt. In letzter Zeit haben die Japaner aber nicht nur durch die beeindruckende Qualität der Objektive der Sigma Art Serie von sich reden gemacht. Auch der Foveon-Sensor ist seit geraumer Zeit ein Aushängeschild dieses Herstellers und mit den Kompaktkameras der Sigma dp Quattro Reihe bietet Sigma ein echtes Juwel an, auch wenn dieses auf den ersten Blick so gar nicht nach einem Juwel aussieht. Die Sigma dp2 Quattro, das erste Modell der dp Quattro Reihe, hat nun den Weg zur neuerdings-Redaktion gefunden.

sigma dp2 quattro 02

Das etwas andere Gehäuse

Wer die Kamera zum ersten Mal in der Hand hat, dem wird die die ungewöhnliche Form auffallen: Bei diesem Gehäusedesing nur von “gewöhnungsbedürftig” zu Reden, ist schlichtweg untertrieben: Im Grunde besteht die Sigma dp2 Quatro aus einem sehr flachen Gehäuse mit großem Monitor auf der Rückseite und ein relativ voluminösen Festbrennweite auf der Vorderseite. Denkt man sich den ungewöhnlichen Knubbel an der rechten Gehäuseseite weg, sieht sie aus wie viele andere Systemkameras. Diese wiederum haben das Manko, dass sie aufgrund ihrer geringen Größe und den schwach ausgeprägten Griffschalen, meist schlecht in der Hand liegen. Vor allem dann wenn die eigenen Greiforgane etwas robuster designed sind. Es scheint man hat bei Sigma genau hierauf Rücksicht genommen und den “Knubbel” auf der rechten Seite derart ausladend gestaltet um die Kamera immer gut im Griff zu haben. Und das wiederum ist Sigma ziemlich gut gelungen … wenn da nicht ein kleines “aber” wäre: leider entsprechen die Tasten auf der Rückseite und vor allem das unglücklich positionierte Steuerkreuz dann eher wieder dem Bedarf von Kleinkinderhänden. Insgesamt hat man mit der dp2 Quattro aber eine recht ergonomische Kamera in der Hand, welche sich auch ohne Handschlaufe stets sicher halten und benutzen lässt.

Vermissen tut man am Gehäuse vielleicht nur eines, den optischen Sucher. Vielleicht bin ich in dieser Beziehung etwas altmodisch, aber ich bin einfach ein Fan optischer Sucher. Das Sucherbild ist hell und das Fotomotiv sieht genau so aus, wie es aussieht. Darum benutze ich normalerweise eine Spiegelreflex zum Fotografieren, teilweise sogar immer noch eine gefühlt hundert Jahre alte analoge Canon A1. Auch wer schon mal mit einer Fujifilm x100 gearbeitet hat wird deren optischen Hybrid-Sucher zu schätzen wissen und ein solcher Sucher hätte Sigmas dp2 sicher auch gut zu Gesicht gestanden. Aber Sigma hat auch hier eine Antwort parat und bietet als Zubehör einen optischen Sucher sowie einen Lichtschachtsucher an.

Der etwas andere Sensor

Sigmas Neue trägt das "quattro" im Name um auf die Verwendung der neuesten Generation des Foveon-Sensors hinzuweisen, aber was ist das Besondere an diesem Sensor?

Ein üblicher Sensor (auch Bayer-Sensor genannt) erfasst die drei Grundfarben nebeneinander. Dies tut er zwar, je nach Hersteller, in verschiedenen Layouts, aber immer doch nebeneinander. Nun hat farbiges Licht nun mal die Eigenschaft, dass es je nach Farbe mit unterschiedlichen Wellenlängen daher kommt und genau diese Eigenschaft des Lichts macht man sich beim Foveon-Sensor zu nutze: Je langwelliger das Licht, desto tiefer dringt es in Materialen ein und das Material soll in diesem Fall der Sensor selbst sein. Die einzelnen Sensoren für die jeweiligen Farben liegen im Foveon-Sensor deckungsgleich hintereinander und ein ankommender Lichtstrahl wird durch drei übereinanderliegende Pixel erfasst. Die jeweiligen Farbanteile werden exakt an der gleichen Position aufgenommen und als digitales Ebenbild gespeichert. Jedes Pixel eines Bildes entsteht also aus einem Lichtpunkt, welcher in die Grundfarben zerlegt wird.

Zum Vergleich: Der Bayersensor muss drei parallel ankommende Lichtstrahlen auf dem Sensor nebeneinander erfassen und nimmt von jedem dieser dreien nur den Farbanteil einer Grundfarbe war.

Foveon X3 Sensor

Prinzipbedingt also ein klarer Vorteil für den Foveon-Sensor: Schärfere Bilder, keine Interpolation von Farbinformationen und damit auch keine klassischen Farbsäume wie man sie von herkömmlichen Kameras kennt.

Effektiv nutzt der Foveon x3 rund 29 Megapixel zur Aufnahme von Bildern: der obereste blaue Sensorlayer hat 5424×3,616 Pixel, die beiden darunter liegenden Sensorschichte arbeiten mit jeweils 2,712×1,808 Pixel, insgesamt also 29.419.776 Pixel. Die bereitgestellen Aufnahmen entsprechen in ihrer Auflösung dann wiederum der obersten, 5424×3,616 Pixel großen, Sensorschicht und dies wiederum sind rund 18,7 Megapixel. Das sind zwar weniger Pixel, als so mancher Hersteller bereits in Smartphone-Sensoren erzeugt, aber die Bildqualität der Sigma dp2 Quattro spricht für sich.

Leider bringt der Foveon-Sensor aber auch Nachteile mit sich. So sorgt er unter Low Light Bedingungen und hohen ISO-Werten für teilweise beträchtliches Rauschen. Bis ISO 800 bleibt das Sensorrauschen noch erträglich, darüber wird es jedoch derart ausgeprägt, dass man diese ISO-Bereiche kaum verwenden wird.

Auch die Aufnahmegeschwindigkeit von aufgenommenen Bilder birgt noch Potential, Der AF ist eine Idee zu langsam, die Auslöseverzögerung minimal zu lang und Bilder werden vergleichsweise langsam auf die eingelegte SD-Karte geschrieben.

Die etwas andere Bedienung

Was die dp2 Quattro bei der Geschwindigkeit verliert, macht Sie bei der Bedienung wieder wett. Sigma bietet mit "Quickset" eine praktische Möglichkeit oft veränderte Systemeinstellung sehr schnell vorzunehmen. Der Wechsel der ISO-Einstellung oder der Switch auf Zeitautomatik ist damit extrem schnell vollzogen. Über das Steuerkreuz ist die Kamera ist diese auch gut zu bedienen, solange man - wie schon zuvor erwähnt - keine all zu großen Hände hat. Vielleicht liegt das an Sigmas Design-Menschen, die vielleicht zierlicherer Daumen haben als der Durschnittseuropäer?

Das etwas andere Fazit

Sigmas dp2 quattro gibt es derzeit bei amazon schon für deutlich unter 900 Euro und wer sich vom gewöhnungsbedürftigen Äußeren nicht abschrecken lässt und die, gemeinhein auch als Turnschuhzoom bezeichnete, Festbrennweite nicht scheut, wird eine tolle Kamera sein Eigen nennen. Die Hervorragende Bildqualität mit begeisternden Farben, die hohe Dynamik und die exzellente Verarbeitung der Kamera sorgen dafür, dass man gleich eine Zweite kaufen möchte. Das wiederum macht bei dieser Kamera auch durchaus Sinn, denn die hier vorgestellte dp2 quattro verfügt über eine 30 mm Festbrennweite. Wer sich für manche Situationen eine etwas kürzere oder längere brennweite wünscht, wechselt aber statt des Objektivs die Kamera: Die Sigma dp Quattro Reihe gibt es mit Objektiven mit den Brennweiten 19 mm oder 30 mm. Ein weiteres Modell, die dp3 Quattro, ist zwar angekündigt, jedoch derzeit noch nicht verfügbar.

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